• vom 23.07.2014, 18:00 Uhr

Stadtleben

Update: 27.07.2014, 10:15 Uhr

Puber

"Ich habe ein paar Mal geschrieben"




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Von Bernd Vasari

  • Angeklagter Renato S. bekennt sich teilweise schuldig, 20 bis 30 "Puber"-Schriftzüge seien von ihm, sagt er.

Wien. Der Schriftzug "Puber". Angebracht an Hauswänden, Straßenbahnen, Parkbänken, Glasscheiben. Es gibt kaum ein Thema, das in Wien im vergangenen Jahr für mehr Aufregung sorgte, als dieser Schriftzug. Für die einen war "Puber" eine Verschandelung der Stadt, für die anderen ein Statement etwa gegen die Konsumgesellschaft, die ebenso zahlreiche Schriftzüge wie etwa Coca Cola oder Mc Donalds mit sich bringe, denen man ebenso ausgeliefert sei.

Nach langer Suche wurde im März der Sprayer Renato S. festgenommen, der sich nun am Mittwoch und am Donnerstag am Straflandesgericht wegen schwerer Sachbeschädigungen aufgrund der "Puber"-Schriftzüge verantworten muss. Dem 30-jährigen Schweizer, der 2013 nach Wien kam, wurden 232 Fakten von Staatsanwalt Markus Berghammer zur Last gelegt.

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Zahlreiche Journalisten, einige auch aus der Schweiz, waren zur Verhandlung im Saal 203 gekommen. Es herrscht ein Durcheinander, vor allem weil kaum einer den Anweisungen des Justizpersonals in Sachen Sitzplatzordnung folgen kann.

In der Zwischenzeit wird der Angeklagte fast unbemerkt von zwei mit Schlagstöcken und Waffen ausgestatteten Uniformierten in den Raum gebracht. Renato S. - groß gewachsen, eine etwas zu kurz gebundene Krawatte, Maßanzug - blickt mit gesenktem Haupt zu Boden. "I hob eigentlich gsogt, dass i anruf", maßregelt die Schriftführerin des Richters in breitem wienerisch die beiden Uniformierten, die Renato S. festhalten. "Najo, is ja wurscht", fährt sie fort.

Der Angeklagte wird zu seinem Platz gebracht, danach werden ihm die Handschellen abgenommen. Sein Anwalt Phillip Bischof kniet sich neben Renato S. und gibt ihm die letzten Anweisungen bis Richter Wilhelm Mende die Verhandlung zur "Strafsache Puber" eröffnet.

Die 40 Privatbeteiligten werden verlesen, darunter die Wiener Linien, bei denen aber keine Mauern, sondern nur Züge betroffen waren. Diese Schäden sind allerdings nicht Gegenstand der Verhandlung, stellt Mende klar. Die Wiener Linien könnten dies lediglich in Privatverfahren einklagen. "Wollen´s trotzdem da bleiben?", fragt der Richter launig. Weitere Privatbeteiligte sind Hauseigentümer und Unternehmen. Der Großteil der Beteiligten hat keinen Vertreter in die Verhandlung entsandt.

"Sachbeschädigung mit System"
Staatsanwalt Markus Berghammer beginnt mit der Anklage: "Wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht", dann würde man vor allem eines sehen, nämlich "Puber"-Schriftzüge. Sie seien für die Hausbesitzer "eine Plage" und würden einen immensen Schaden anrichten. Eine künstlerische Leistung sehe anders aus. Der Angeklagte würde "Sachbeschädigung mit System" betreiben, weswegen ihm in seinem Heimatland bereits ein Verfahren droht. Deshalb sei Renato S. vermutlich im vergangenen Jahr unangemeldet nach Österreich gekommen und hätte hier als U-Boot in Wien gelebt. Berghammer weist darauf hin, dass der Schweizer mit 30 Jahren ein erwachsener Mann sei, auf jugendlichen Leichtsinn könne man seine Taten daher nicht zurückführen.

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Dokument erstellt am 2014-07-23 17:53:05
Letzte ─nderung am 2014-07-27 10:15:24




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