• vom 16.09.2014, 06:00 Uhr

Stadtleben

Update: 16.09.2014, 07:43 Uhr

Reparatur

Dem Toaster neues Leben geben




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Von Lisa-Maria Kolb

  • Das Reparaturcafé "Schraube 14" hilft seinen Kunden, die Produktlebensdauer ihrer Kleingeräte zu verlängern.

Den liebgewonnenen, aber kaputten Föhn kann man im Reparaturcafé unter Anleitung herrichten. - © Kolb

Den liebgewonnenen, aber kaputten Föhn kann man im Reparaturcafé unter Anleitung herrichten. © Kolb

Wien. Im Eingangsbereich des Reparaturzentrums R.U.S.Z. spielen sich jeden Donnerstag zum Treff im Reparaturcafé kuriose Szenen ab: Da steht und teilweise sitzt ein Dutzend Besucher um eine Tafel, gedeckt mit kleinen Köfferchen voller Zangen, Schraubenzieher und Klebebändern. Sie drehen und wenden ihre defekten Mitbringsel aus dem Haushalts- und Freizeitbereich, bis sie schließlich auf die Problemstellen aufmerksam werden. Sie möchten sich nicht damit abfinden, einfach neue Geräte anzuschaffen, die binnen kürzester Zeit wieder in den Müll geworfen werden.

Information




Reparaturcafés in Wien:
Das "energie & reparatur Café im 8ten" wird regelmäßig
von Tschürtz Services in der Josefstadt veranstaltet. Initiator Heinz Tschürtz
und seine Mitarbeiter zeigen, wie man kleinere Geräte selbst reparieren kann,
und geben Tipps, wie Strom- und Gasverbrauch minimiert werden können.


In der Craftistas Wien-FrauenWerkstatt wird am 30.
September von 16 bis 20 Uhr ein Reparatur- und Recyclingcafé für Frauen
veranstaltet. Der Schwerpunkt richtet sich auf Reparaturen im Textilbereich. 


Die "Flickerei" in der Marxergasse 24 im 3. Bezirk
betreibt eine offene Fahrrad-Werkstatt jeden Dienstag von 16 bis 21 Uhr.


Eine weitere Fahrrad-Werkstatt, die beim Herrichten der
Drahtesel Unterstützung anbietet, befindet sich im WUK in der Währinger Straße 59.
Öffnungszeiten von Montag bis Mittwoch jeweils von 15 bis 19 Uhr. Auch
Ersatzteile stehen zur Verfügung. Als Unkostenbeitrag werden 3 Euro verlangt.






"Den Menschen stinkt es, dass sie der Industrie ausgeliefert sind. Denn diese vergeudet immer mehr Ressourcen, um kurzlebige Produkte auf den Markt zu bringen", meint der Geschäftsführer des Reparaturzentrums, Sepp Eisenriegler, und spricht damit die geplante Obsoleszenz an. Er sehe schon seit Jahren, dass die Elektrogeräte kurz nach Ablauf der zweijährigen Gewährleistungsfrist einfach kaputtgehen. Als ob sie eine innere Schaltuhr eingebaut hätten.

Einer Besucherin des Cafés, Christiane Schiester, fällt dazu auch schnell ein Beispiel ein: "Meine Mutter und ich haben uns zeitgleich Wanderschuhe gekauft. Sie benützte sie deutlich öfter als ich, aber trotzdem sind ungefähr zur gleichen Zeit die Sohlen der Schuhe abgegangen." Das finde sie schon sehr verdächtig.

Das Problem wäre, so Eisenriegler, dass die Kosten der Reparatur oft den Kaufpreis übersteigen würden. Darum habe er im November 2013 mit dem Reparaturcafé begonnen, wo die Kunden kostenlos lernen können, die Defekte ihrer Geräte zu beheben.

Einer seiner längsten Kundinnen, Heidi Funiok, ist auch heute wieder zu Besuch. Dieses Mal mit ihrem Laptop. Sie blickt verzweifelt auf den schwarzen Bildschirm und erklärt einem der Mitarbeiter: "Der Laptop ist mir ja egal. Aber hier sind meine geliebten Patience-Kartenspiele drauf und die will ich unbedingt wieder spielen." Sie habe schon versucht, die Spiele im Internet herunter zu laden, jedoch seien die nur auf Englisch verfügbar.

"Haben keine Beziehung zu den Produkten mehr"
Sie ist, wie viele andere vor ihr, verärgert. "Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Anstatt Produkte zu reparieren, hauen wir sie lieber weg und kaufen sie neu", meint Eisenriegler. Die Menschen hätten zu den Produkten keine Beziehung mehr und daher auch kein schlechtes Gewissen, wenn sie diese einfach entsorgen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-09-15 17:47:06
Letzte ńnderung am 2014-09-16 07:43:20




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