• vom 08.07.2009, 16:56 Uhr

Stadtleben

Update: 08.07.2009, 16:57 Uhr
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Augarten-Streit eskaliert: Proteste gegen Polizeieinsatz


Von Christian Mayr

  • Sängerknaben-Saal: Parkbesetzer entfernt.
  • Präsident Nettig hegt Bedenken.
  • Wien. Seit der gewaltvollen Räumung der Hainburger Au im Jahr 1984 gelten Polizeieinsätze gegen friedliche Besetzer eigentlich als absolutes Tabu - schließlich kommen Aktivisten erst so zu ungeahnter Publicity. Zuletzt wurden in Wien Konflikte, die zu Besetzungen geführt haben (Bacherpark-Garage, Lobau-Tunnel), auf dem Verhandlungstisch gelöst. Anders gestern, Mittwochfrüh, im Augarten, als ein Großaufgebot an Polizei ein Dutzend Aktivisten mit sanfter Gewalt vom seit einigen Tagen besetzten Augartenspitz entfernte.

Mit sanfter Gewalt rausgetragen: Ein paar Aktivisten gegen Dutzende Polizisten. Foto: Grüne

Mit sanfter Gewalt rausgetragen: Ein paar Aktivisten gegen Dutzende Polizisten. Foto: Grüne Mit sanfter Gewalt rausgetragen: Ein paar Aktivisten gegen Dutzende Polizisten. Foto: Grüne

Damit erreichte der Streit um den neuen Sängerknaben-Saal seinen vorläufigen Höhepunkt: Für das zwölf Millionen Euro teure Projekt fehlt nur noch die Baugenehmigung, nachdem auch das Denkmalamt aufgrund einer gravierenden Umplanung bereits zugestimmt hatte. Nun wollte eine seit dem Vorjahr aktive Gruppe Probebohrungen auf dem Areal verhindern.

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"Nicht eingebunden"

Laut Polizei habe die Burghauptmannschaft, Verwalterin der Fläche, die Räumung verlangt. Burghauptmann Wolfgang Beer, der die Aktion verteidigt, spielt den Ball weiter: "Wir haben auf Wunsch der Sängerknaben gehandelt. Das war eine klare Besitzstörung, daher sind wir rechtlich auf der sicheren Seite."

Bemerkenswert ist jedoch, dass der oberste Sängerknabe, nämlich Präsident Walter Nettig, nichts von der Entscheidung wusste. "Ich war nicht eingebunden, aber ich stehe voll zum Bauprojekt", erklärt der Ex-Chef der Wiener Wirtschaftskammer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Er lässt aber leise Kritik am Vorgehen durchklingen: "Ich bin ein Mensch, der gerne spricht. Ich weiß nicht, ob es notwendig war." Es sei nun nicht ausgeschlossen, dass die höhere mediale Aufmerksamkeit das Projekt erst recht gefährde, so Nettig. Vom Augarten will er aber keinesfalls abrücken: "Die Sängerknaben sind kein Zirkusverein! Mit dem Saal auf den Nordbahnhof zu gehen, ist ein Witz."

Während die Parkbesetzer sich nicht geschlagen geben wollen und weitere Aktionen ankündigten, verurteilten Grüne und SPÖ den Einsatz. Auch SPÖ-Bezirksvorsteher Gerhard Kubik steht auf Seiten der Parkbesetzer: Die Ereignisse seien "äußerst bedauerlich", zudem seien solche Vorgangsweisen "in Wien nicht üblich".



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2009-07-08 16:56:33
Letzte Änderung am 2009-07-08 16:57:00

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