
Damit erreichte der Streit um den neuen Sängerknaben-Saal seinen vorläufigen Höhepunkt: Für das zwölf Millionen Euro teure Projekt fehlt nur noch die Baugenehmigung, nachdem auch das Denkmalamt aufgrund einer gravierenden Umplanung bereits zugestimmt hatte. Nun wollte eine seit dem Vorjahr aktive Gruppe Probebohrungen auf dem Areal verhindern.
"Nicht eingebunden"
Laut Polizei habe die Burghauptmannschaft, Verwalterin der Fläche, die Räumung verlangt. Burghauptmann Wolfgang Beer, der die Aktion verteidigt, spielt den Ball weiter: "Wir haben auf Wunsch der Sängerknaben gehandelt. Das war eine klare Besitzstörung, daher sind wir rechtlich auf der sicheren Seite."
Bemerkenswert ist jedoch, dass der oberste Sängerknabe, nämlich Präsident Walter Nettig, nichts von der Entscheidung wusste. "Ich war nicht eingebunden, aber ich stehe voll zum Bauprojekt", erklärt der Ex-Chef der Wiener Wirtschaftskammer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Er lässt aber leise Kritik am Vorgehen durchklingen: "Ich bin ein Mensch, der gerne spricht. Ich weiß nicht, ob es notwendig war." Es sei nun nicht ausgeschlossen, dass die höhere mediale Aufmerksamkeit das Projekt erst recht gefährde, so Nettig. Vom Augarten will er aber keinesfalls abrücken: "Die Sängerknaben sind kein Zirkusverein! Mit dem Saal auf den Nordbahnhof zu gehen, ist ein Witz."
Während die Parkbesetzer sich nicht geschlagen geben wollen und weitere Aktionen ankündigten, verurteilten Grüne und SPÖ den Einsatz. Auch SPÖ-Bezirksvorsteher Gerhard Kubik steht auf Seiten der Parkbesetzer: Die Ereignisse seien "äußerst bedauerlich", zudem seien solche Vorgangsweisen "in Wien nicht üblich".