• vom 02.12.2015, 19:12 Uhr

Stadtleben


Asylwerber

"Wohnen steht an erster Stelle"




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Von Valentine Auer

  • Zwischen 40.000 und 50.000 Personen sollen 2016 österreichweit einen positiven Asylbescheid erhalten. Für diese Personen stellt sich dann die Frage, wie sie an leistbaren Wohnraum kommen. Die "Wiener Zeitung" sah sich die Situation in Wien an.

"Es gibt immer mehr Massenlager. Das heißt, jemand mietet eine Wohnung an, stellt drei Betten in ein Zimmer und vermietet sie für 250 bis 400 Euro pro Bett", erzählt Alexandra Adam von der Wohndrehscheibe.

"Es gibt immer mehr Massenlager. Das heißt, jemand mietet eine Wohnung an, stellt drei Betten in ein Zimmer und vermietet sie für 250 bis 400 Euro pro Bett", erzählt Alexandra Adam von der Wohndrehscheibe.© apa/Roland Schlager "Es gibt immer mehr Massenlager. Das heißt, jemand mietet eine Wohnung an, stellt drei Betten in ein Zimmer und vermietet sie für 250 bis 400 Euro pro Bett", erzählt Alexandra Adam von der Wohndrehscheibe.© apa/Roland Schlager

Wien. Rund 95.000 Asylanträge erwarten Österreich heuer, nächstes Jahr sollen 40.000 bis 50.000 Personen einen positiven Asylbescheid bekommen, so die Schätzungen des Innenministeriums. Mit der Freude einer positiven Entscheidung geht für viele Flüchtlinge die Suche nach einem Wohnplatz einher. Und die gestaltet sich oft weniger erfreulich. In Wien gibt es ein gut ausgebautes System von Startwohnungen. Organisationen und Privatinitiativen unterstützen anerkannte Flüchtlinge sowie subsidiär Schutzberechtigte am privaten Wohnungsmarkt. Doch sowohl Plätze in den Startwohnungen als auch am privaten Wohnungsmarkt werden immer knapper.

Bis dato war der Übergang von der Grundversorgung in eine Wohnung gut geregelt, zumindest in Wien, erklärt Susanne Schaidinger von Interface Wien. Vier Monate nach dem Erhalt eines positiven Asylbescheids müssen die Asylberechtigten die Unterbringung im Rahmen der Grundversorgung verlassen. Danach kommen viele, insbesondere Familien, in sogenannte Startwohnungen. Hier können sie für drei Jahre bleiben, werden in ihren ersten Schritten in Wien begleitet und unterstützt. Derzeit ist das jedoch nur für wenige die Realität.


Bis zu 400 Euro für ein Bett
"Es gibt immer mehr Massenlager. Das heißt jemand mietet eine Wohnung an, stellt drei Betten in ein Zimmer und vermietet sie für 250 bis 400 Euro pro Bett", erzählt Alexandra Adam von der Wohndrehscheibe. Diese Situation sei für den Großteil der anerkannten Flüchtlinge Realität.

Etwas gegen das verstärkte Aufkommen dieses illegalen Wohnungsmarktes zu unternehmen ist jedoch nicht immer eine Lösung. "Es ist besser, als obdachlos zu sein", betont David Zistl, Projektleiter der Initiative "Flüchtlinge Willkommen". Seine Alternative: das Vermieten eines Zimmer in einer Wohngemeinschaft, zumindest für Einzelpersonen. Eine langfristige Alternative? Derzeit stehen rund 400 Asylwerber und Asylberechtigte auf der Warteliste für die begehrten WG-Zimmer.

Insbesondere für Familien ist ein WG-Zimmer keine langfristige Lösung. Die Privatinitiative heimatsuche.at versucht dem entgegenzuwirken: Auf ihrer Plattform können Asylberechtigte Wohnungen mieten. Dies könnten sie zwar auch über andere Plattformen, doch dort stehen sie oft vor dem Problem der Diskriminierung, so Philipp Babcicky, einer der Initiatoren der Initiative.

Bereits jetzt ist das noch sehr junge Projekt mit Schwierigkeiten konfrontiert, wie Babcicky erzählt. Viele Asylberechtigte wollen in größere Städte, doch genau dort ist leistbarer Wohnraum nur schwer zu bekommen: "Wohnungen werden hauptsächlich in Wien oder anderen großen Städten gesucht. Die Inserate sind jedoch eher im ländlichen Bereich. Der Grund dafür ist wohl, dass diese Wohnungen am Markt unattraktiver sind als Stadtwohnungen. Ich glaube, dass es künftig in den Ballungszentren schlecht aussehen wird."

Um auch ländlichere Regionen für Asylberechtigte attraktiv zu machen, braucht es die nötige Infrastruktur. Oft fehle es hier an Deutschkursen, die Chance an Arbeit zu kommen wird in Wien höher gesehen, vor allem fehle es an Netzwerken zur Herkunfts-Community, aber auch zu Österreichern. "Wir sind dagegen, die Leute in irgendwelche Käffer abzuschieben, wo sie keine Möglichkeiten haben, einen Deutschkurs zu absolvieren und vielleicht auch noch beschimpft werden", sagt Zistl und bringt damit seine Wahrnehmung der derzeitigen Situation auf den Punkt.

Vermieter wollen nicht
Es bleibt die Stadt: Für 2016 plant die Stadt Wien 7000 Wohneinheiten im geförderten Bereich. Der Zugang für Asylberechtigte zu diesen Wohnungen sei gegeben und klar geregelt, heißt es aus dem Büro des Wohnbaustadtrats Michael Ludwig. Aber selbst wenn es genug Wohnraum geben sollte und der Zugang für Asylberechtigte grundsätzlich gegeben wäre, würde es ein weiteres Problem geben: In Wien kämpft das Wohnsuchprojekt Mobile Wohnbegleitung Wien von Interface täglich mit der Aufbereitung des Wohnungsmarktes für anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte. Keine einfache Aufgabe, wie Schaidinger erklärt: "Es gilt, die Zielgruppe Asylberechtigte am privaten Wohnungsmarkt zu lobbyieren, da die Vermieter oft dem Irrglauben unterliegen, dass Asylberechtigte nicht fähig seien, ihren Alltag zu meistern." Hinzu kommt, dass viele Mindestsicherung beziehen, was oft nicht als regelmäßiges Einkommen wahrgenommen wird. Auch wenn die Erfahrungen von Schaidinger anderes zeigen: "Die Mindestsicherung ist eine Starthilfe. Nicht die letzte, sondern die erste Stufe, um irgendwann in einer Normalität anzukommen. Wichtig ist: Asylberechtigte sind zu 99 Prozent fähig, sich das Geld einzuteilen."

Auch politische Entscheidungen im Fremden- und Asylgesetz werden sich laut Experten künftig negativ auf Wohnmöglichkeiten auswirken.

Asyl auf Zeit als weitere Hürde
Die Umsetzung des Konzeptes "Asyl auf Zeit" werde neben dem Mehr an Verwaltungsaufwand eine zusätzliche Hürde für die Menschen schaffen, die versuchen, am privaten Wohnungsmarkt Fuß zu fassen: "Wir haben jetzt schon viele Hürden, um für Asylberechtigte einen Drei-Jahres-Mietvertrag zu erreichen. Wenn zusätzlich unklar ist, wie lange die Leute in Österreich bleiben, ist das ein weiterer Faktor der Unsicherheit", kritisiert Schaidinger.

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Dokument erstellt am 2015-12-02 18:56:07




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