• vom 08.12.2015, 16:46 Uhr

Stadtleben

Update: 09.12.2015, 16:10 Uhr

Interview

"Große, die Kleine ausnutzen, waren mir immer suspekt"




  • Artikel
  • Lesenswert (27)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Isabella Lechner

  • Hubert Steinleitner, Senior-Chef der Floridsdorfer Eisenwarenhandlung Rudolf Holzmann, im Interview über 70 Jahre Erfahrung, Veränderungen und Überleben in der Branche.

Hubert Steinleitner, Senior-Chef der Floridsdorfer Eisenwarenhandlung Rudolf Holzmann

Hubert Steinleitner, Senior-Chef der Floridsdorfer Eisenwarenhandlung Rudolf Holzmann© Shukoor Hubert Steinleitner, Senior-Chef der Floridsdorfer Eisenwarenhandlung Rudolf Holzmann© Shukoor

"Wiener Zeitung":Seit 1860 gibt es die Eisenwarenhandlung Rudolf Holzmann. Was macht Ihren Betrieb aus?

Hubert Steinleitner: Den Eisenwarenhandel schätzen die Leute heute noch. Nicht umsonst heißt es: "Wenn’st was brauchst, geh zum Holzmann!" Ich habe das Unternehmen von meinem Vater in vierter Generation übernommen. Zu Spitzenzeiten in den 1970ern, als wir noch den Großhandel hatten, haben wir rund 550 Mitarbeiter allein im Verkauf beschäftigt und an manchen Tagen mehr als 1000 Kunden hier im Geschäft betreut. Heute haben wir 32 Mitarbeiter. Die Kunden schätzen, dass wir nicht nur verkaufen, sondern auch fachlich gut und persönlich beraten können.

Werbung

Wie hat der Familienbetrieb im 19. Jahrhundert begonnen?

Anton Holzmann hatte eine Gemischtwarenhandlung und gründete daneben eine Firma mit Schwerpunkt Farbenerzeugung und Vertrieb von Fetten. Um 1880 wurde dazu der Vertrieb von Eisenwaren aufgenommen. Mein Onkel Rudolf Holzmann, ein Neffe des Firmengründers, kaufte 1908 den Betrieb und eröffnete 1910 am Standort Brünner Straße 11 ein neues Geschäft. Um 1918, als mein Vater als Gesellschafter in die Firma einstieg, wurde ein bescheidener erster Großhandel in Niederösterreich begonnen. Die Warenzustellung an Gemischtwarenhändler und Handwerksbetriebe erfolgte bis zum Jahr 1952 noch mit Pferdewagen.

Wie stand die Firma nach dem Zweiten Weltkrieg da?

Das Geschäft war schwer beschädigt, es gab keine Ware, die Regale waren geplündert. Ich bin damals, obwohl noch nicht in der Firma, in die Eisenwurzen bei Ybbsitz einkaufen gefahren, wo hunderte kleine Betriebe am Wasser mit Schaufelrad produzierten. Wir haben dort ein paar Sicheln, Sensen und Schaufeln bekommen und damit unsere Kunden zuversichtlich gestimmt, dass sie bei uns wieder was kriegen werden. Zum Glück hat das Geschäft schon bald wieder floriert. Mein Vater hat mich in das Geschäft eingearbeitet, obwohl ich eigentlich kein Kaufmann werden wollte. Ich hatte Medizin inskribiert, bevor ich 1942 einrücken musste, aber da mein Bruder im Krieg gefallen und mein Vater schwer krank war, war der Bestand der Firma nicht mehr gesichert. Meine Familie hätte mich trotzdem Arzt werden lassen, aber ich entschied mich für den Betrieb.

weiterlesen auf Seite 2 von 3




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-12-08 16:50:09
Letzte nderung am 2015-12-09 16:10:50




Zwischennutzung

Die kreative Vorhut der Investoren

Noch dieses Wochenende hat der Weihnachtsmarkt im Stall geöffnet. - © creau Wien. Zum Glück waren es keine Schweine. Angie Schmied und Lukas Böckle stehen in dem ehemaligen Stallgebäude und schnuppern... weiter




Transition Base

Smartes Wagenvolk

Wohnraum muss nicht viel kosten: Der alte Zirkuswagen soll für kreative Zwecke genutzt werden. - © Puiu Wien. Über die Felder der im Nordosten Wiens liegenden Seestadt fegt ein eisiger Wind. Direkt neben der Satellitenstadt... weiter




Fleischerei

Ausgeblutet

Nach vier Generationen Familienbetrieb ist es mit Trünkel im April 2017 vorbei. - © Arnold Burghardt Wien. Es ist ein schwarzer Tag für die Wiener Fleischerbranche, ein weiterer. Das Gerücht, dass Trünkel die neun der ursprünglich 25 Filialen im April... weiter





Wiener Prater

Die Erben der Zaubermeister

Franz Steidlers Bauchrednerpuppe steht jetzt im Circus- und Clownmuseum. - © Circusmuseum Wien. "Sebastian von Schwanenfeld, Basilio Calafati und Anton Kratky-Baschik: Das sind drei legendäre Zaubererkünstler... weiter




Prater

Erstes Kino als Kunstform

- © Kadotheum Wien Wien. "Karl Juhasz war das Gegenteil vom Hutschenschleuderer Liliom", meint Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums... weiter




250 Jahre Wiener Prater

Mit Courage und Löwenherz

- © Clownmuseum Wien. "1966 gab es im Prater mehrere Gründe zum Feiern", erzählt Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums, 50 Jahre später... weiter






Werbung


Werbung