• vom 07.04.2016, 16:23 Uhr

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Donaufestival in klein




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Von Stefan Niederwieser

  • Im Museumsquartier wird dieses Wochenende mit dem Electric Spring der Reigen guter Gratisfestivals eingeläutet.

Am Electric Spring Festival tritt heuer auch der Solokünstler Koenig auf. - © Astrid Knie

Am Electric Spring Festival tritt heuer auch der Solokünstler Koenig auf. © Astrid Knie

Wien. Wenn Mark Zuckerberg 45 Milliarden Dollar für gute Zwecke verschenkt, wird es Leute geben, die sich beschweren. Wenn die Stadt Wien ein neues Stadtfestival aus der Taufe hebt, gänzlich gratis und in einer der zentralsten und beliebtesten Location in der Stadt, dem Museumsquartier, werden auch da Menschen Haare in der Suppe finden. Das wirkt aber nur anfangs paradox. Denn es geht um öffentliches Geld. Während der eine Wohltäter auch einfach regulär Steuern zahlen hätte können, wie das Bürger tun, statt durch Tricks Milliarden zu sparen, ist natürlich auch das Electric Spring nicht einfach gratis. Wir alle zahlen durch kommunale Abgaben dafür, unsere Steuern. Das sind beim Electric Spring ein Drittel des Gesamtbudgets von rund 100.000 Euro.

Wahlzuckerl, hatte es letztes Jahr geheißen. Der Zeitpunkt war verdächtig. Wie schon 2010 mit dem Popfest wurde kurz vor dem Termin für die Wienwahl ein neues Festival erfunden. Das Electric Spring fand im April an zwei Tagen statt und war erfolgreicher als erhofft. Es wurde entschieden, das Festival weiterzuführen - noch vor der Wahl im Herbst. Kuratiert hat das Programm diesmal die FM4- und "Falter"-Kolumnistin Katharina Seidler. Damit war relativ klar, dass es mit der zweiten Ausgabe experimenteller und spitzer ausfallen würde. "Das Feedback auf das Lineup hätte ich mir nicht besser denken können", meint sie vor dem Festivalstart. "Ich könnte mir aber vorstellen, dass von Leuten, die sonst etwa nie ins Rhiz am Gürtel gehen, noch Kommentare kommen."

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Die Frage nach der Berechtigung, nach dem Public Value von Gratisfestivals, die öffentlich mitfinanziert werden, kann natürlich unterschiedlich beurteilt werden. Die einen wollen mit ihrem Geld möglichst wenig Kunstblödsinn finanzieren und lieber ein anständiges Volksfest mit Würstel, Langos und Pop, andere wollen Kriterien zur kulturellen Vielfalt anlegen, zum Frauenanteil oder dass diese Events in der städtischen Peripherie stattfinden und diese aufwerten. Das Angebot ist in Wien bereits sehr groß. Donauinselfest, Donaukanaltreiben, Stadtfest, Popfest, Gürtelnightwalk oder das Soho in Ottakring bringen manchmal die lokale Szene, manchmal internationale Stars den Menschen gratis näher.

Frauenanteil über dem Durchschnitt
Das Electric Spring ist nun sicher nicht in einem Grätzel angesiedelt, das sonst das ganze Jahr über kulturell unterversorgt wäre. Und jene Besucher, die sonst lieber Fendrich, Wanda oder Nazar sehen würden, könnten heuer enttäuscht werden. Im vergangenen Jahr wurde mit Nazar ein sehr zugkräftiger Headliner vorgelegt. Das Line-up war gemessen am Budget sehr breit. Der Plan heuer war ein anderer: Die Vielfalt in der Nische suchen und diese möglichst vielen zugänglich zu machen. Der Frauenanteil ist unter den auftretenden Künstlerinnen und Künstlern weit über dem Durchschnitt ähnlicher Events. Und mit performativen Auftritten von Fuckhead mit Stirn Prumzer, Kids’n’Cats, einer Musikvideonacht oder Gratiseintritt in die Kunsthalle ist das Electric Spring zu einer kleinen Version des Donaufestivals in Krems gereift - um einen Bruchteil des Fördergeldes. Als solches ergänzt es zudem die anderen, geförderten Gratisfestivals der Stadt. Musik als Kunst, einfach so im MQ - wer hätte das gedacht?

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Schlagwörter

MQ, Festival, Stadt, Förderung, gratis

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Dokument erstellt am 2016-04-07 16:26:04




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