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  • Die derzeitige Flüchtlingswelle dürfte erst der Anfang sein -
  • Zeit für Akzeptanz und Strategien.

Schulen sind der Schlüssel für reibungslose Migration, ist Psychologin Spiel überzeugt. - © fotolia

Schulen sind der Schlüssel für reibungslose Migration, ist Psychologin Spiel überzeugt. © fotolia

Wien. (aum) Vogel-Strauß-Politik in Sachen Migration zu betreiben oder zu verdrängen, dass diese ein integraler Bestandteil Österreichs ist, kann gefährlich sein. Das war der Tenor einer vom Sir Peter Ustinov Institut veranstalteten Podiumsdiskussion zum Thema "Verhindern Vielfalt und Toleranz Vorurteile und Gewalt?". Denn die aktuell anhaltende Flüchtlingswelle dürfte nur der Anfang sein. "Wir müssen die Bevölkerung darauf vorbereiten, dass Veränderung das beständige Element im Leben sein wird", erklärte Christiane Spiel, Vorständin des Instituts für Angewandte Psychologie an der Universität Wien am Rande der Diskussion gegenüber der "Wiener Zeitung". "Es stehen so viele Entwicklungen bevor, die schon begonnen haben und nicht mehr aufzuhalten sind", führte Spiel aus. Beispiel Klimawandel: "Der ist nicht mehr zu stoppen, daher wird es in Zukunft zu einer starken Migration aus Afrika kommen." Dasselbe gelte für Industrie 4.0. "Die ist auf Schiene.

Fünf Jahre warten
Die Frage ist jetzt, wie wir uns darauf vorbereiten. Was wird es sozial bedeuten, wenn immer mehr Arbeit von Computern erledigt wird, und wenn 30 Prozent der Menschen arbeitslos sind, wie Prognosen sagen. Was machen die den ganzen Tag?"

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Eine Frage, die derzeit vor allem für Flüchtlinge bedeutend ist. Fünf Jahre dauert es nämlich im Schnitt, bis sogar ein gut qualifizierter Immigrant in Österreich am Arbeitsmarkt Fuß fassen kann, berichtete bei der Podiumsdiskussion Lisa Fellhofer vom Österreichischen Integrationsfonds. Das sind fünf Jahre, in denen sich viele dieser Menschen unnütz fühlen. Das Gefühl gebraucht zu werden ist laut Spiel jedoch gemeinsam mit sozialer Eingebundenheit und Selbstbestimmung ein Grundbedürfnis für jeden Menschen. Umso wichtiger sei es, von Anfang an für Beschäftigung zu sorgen, so klein diese auch sein mag: Altenpflege, Botengänge, Gartenarbeit - alles sei möglich und gut "solange auf diese Arbeit nicht herabgeschaut wird." Wird dieses Gefühl nicht vermittelt, kann die Stimmung eines Migranten auch in den Fanatismus kippen, der Europa seit Jahren in Atem hält: "Die meisten radikalisieren sich nicht, weil sie stark religiös erzogen wurden, sondern weil sie mit ihrem Leben nicht zurechtkommen", sagte der Wiener Jugendanwalt Ercan Nik Nafs. Wichtig im Umgang mit Migranten ist daher auch der Respekt "Und wenn es nur ein Kopfnicken auf der Straße ist", erklärt Dieter Posch, Bürgermeister von Neudörfl im Burgenland, einer Gemeinde, die er zu einem Vorzeigeort für gelungene Flüchtlingspolitik gemacht hat. Der gute Umgang mit Migranten ist für ihn eine Notwendigkeit denn: "Wenn wir uns um die jetzt nicht kümmern, ist das eine soziale Zeitbombe."

Für Christiane Spiel liegt der Schlüssel in der Schule, wo durch Interaktion der Kinder Ängste und Vorbehalte genommen werden. Gerade die letzten Wahlen scheinen nämlich die Kontakthypothese zu bestätigen. Sprich: Je mehr Kontakt es zu Migranten gibt, desto geringer sind die Vorbehalte ihnen gegenüber. "Die Politik hat sich bisher zu wenig um die Inländer gekümmert", erklärte Spiel. "Es gibt viele Menschen, die nicht reisen, die sich in ihrer Welt zu Hause wohlgefühlt haben und wollten, dass diese immer so bleibt. Jetzt hat sich ihre Welt verändert und wird sich noch weiter ändern, und sie können es nicht verhindern. Das ist schon auch ein Bedrohungsszenario." Umso wichtiger seien Bildungsinstitutionen. Schulen sollten ihre Sozialisationsaufgabe viel aktiver wahrnehmen und Kinder darauf vorbereiten, in die Gesellschaft hineinzuwachsen und Verantwortung zu übernehmen. So könne Migration zu etwas Spannendem anstatt etwas Bedrohlichem werden. "Migration und Vielfalt sind um uns, wir müssen es akzeptieren", so Spiel. Ein Schluss, den Ercan Kik Nafs mit Zahlen unterstreicht: 70 Prozent der Kinder in Wien haben heute Migrationshintergrund.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-06-17 18:17:05
Letzte Änderung am 2016-06-17 22:17:05




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