• vom 08.08.2016, 21:59 Uhr

Stadtleben


Skater-Schutz

Wirbel um Holzleisten auf Bänken




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Von Arian Faal

  • "Obdachlosensperre" im Esterhazypark in Mariahilf entpuppt sich als Schutz vor Skatern.


© Arian Faal © Arian Faal

Wien. Auf Parkbänke geschraubte Holzleisten im Esterhazypark in Mariahilf sorgten seit dem Wochenende für große Aufregung. Die Caritas ging zunächst von einer "Obdachlosensperre" aus. Bilder der Bänke verbreiteten sich in den sozialen Netzwerken wie ein Lauffeuer. "Es sind offenbar Holzbretter, die verhindern sollen, dass sich (obdachlose) Menschen dort hinlegen, um sich auszuruhen oder zu schlafen", mutmaßte etwa Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner auf Facebook.

"Reine Schikane
für Obdachlose"

"Ganz in der Nähe des Parks befindet sich die "Gruft", das Obdachlosen-Asyl der Caritas. Immer wieder kommen Obdachlose vor allem in den Abendstunden in den Esterhazypark, um sich dort zu entspannen. Aus Schwertners Sicht sei die Aktion eine reine Schikane. Der öffentliche Raum sei für alle da, betonte er. Die Verdrängung von Menschen in Not nach dem Motto ‚aus den Augen, aus dem Sinn‘ sei sicher keine Lösung", postete er auf Facebook. Der Bezirk selbst wurde auf die Aktion auch erst durch Medienberichte aufmerksam.


Doch die Blöcke wurden anscheinend aus einem ganz anderen Grund montiert: Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" lüftete Bezirksvorsteher Markus Rumelhart (SPÖ) das Geheimnis. Er hatte die Anbringung der Blöcke nie genehmigt und sei selbst überrascht gewesen, sagte er. "Vor wenigen Wochen haben sich dort Mütter beschwert, dass Skater, die die Bänke benutzen, eine ernsthafte Gefahr für ihre Kleinkinder darstellen. Daher hat die MA42 (das Stadtgartenamt, Anmerkung) diese Holzblöcke provisorisch angebracht", erklärte der Bezirkschef, der erst im Nachhinein davon erfuhr.

Das Stadtgartenamt sah die Sicherheit der Kleinsten gefährdet und wollte eine rasche vorläufige Lösung herbeiführen. Daher wurde ein eigener Tischler der Stadt Wien beauftragt, die Blöcke anzubringen. Die Sache sei gut gemeint gewesen, habe aber zu fatalen Reaktionen geführt, erklärte Rumelhart, der sich am Montag mit dutzenden Medienanfragen wegen der Causa konfrontiert sah. "Weder die MA42 noch ich würden jemals eine Aktion gegen Obdachlose starten, das ist völlig falsch interpretiert worden", kommentierte er entsprechende Medienberichte.

Es habe durch die Sommerperiode ein Kommunikationsmanko gegeben. Rumelhart veranlasste mittlerweile, dass der Abstand zwischen den einzelnen Holzblöcken auf mindestens zwei Meter erhöht wird, damit zwar keine Skater fahren, aber wieder Menschen dort liegen können. Dies alles sieht er aber als Provisorium an, da die Sitzflächen ohnehin erneuert werden. Außerdem war zu hören, dass Unbekannte in der Nacht auf Montag einen Teil der Blöcke wieder entfernt haben.

"Keine verstärkten Polizeikontrollen"
Verstärkte Polizeikontrollen, Parksheriffs und Sonderaktionen, von denen ebenfalls berichtet wurde, gibt es im Esterhazypark übrigens nicht. Dass dort Polizisten immer wieder im Zuge ihres Dienstauftrages ihren Rundgang machen, gehöre zur Routine. Hinsichtlich des Zusammenlebens in Mariahilf erklärte Rumelhart, dass man generell nicht auf schnelle Aktionen, sondern auf nachhaltige Lösungen setze und daher mit den sozialen Trägern zusammenarbeite.

Die Debatte rund um die Parkbänke kümmerte die zahlreichen Besucher des Parkes am Montagnachmittag übrigens herzlich wenig. "Meine Güte, das sind doch Lappalien. Wie glücklich sind wir, wenn das unsere Probleme sind. Dann leben wir hier in Wien noch auf einer Insel der Seligen", erklärte eine von ihnen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-08-08 18:02:05
Letzte nderung am 2016-08-08 20:11:03




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