• vom 22.09.2016, 11:47 Uhr

Stadtleben

Update: 22.09.2016, 11:47 Uhr

Praterstern

"Es kann jederzeit wieder was passieren"




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Von Arian Faal

  • Polizei zieht nach Maßnahmenpaket am Praterstern positive Bilanz. Dennoch gibt es noch Probleme. Ein Lokalaugenschein.

Durch mehr Polizeipräsenz konnte die Situation am Praterstern etwas beruhigt werden.

Durch mehr Polizeipräsenz konnte die Situation am Praterstern etwas beruhigt werden.© apa/Hans Klaus Techt Durch mehr Polizeipräsenz konnte die Situation am Praterstern etwas beruhigt werden.© apa/Hans Klaus Techt

Wien. "Nicht immer jammern, sondern therapieren" ist das Motto der frisch gewählten grünen Bezirksvorsteherin Uschi Lichtenegger, die im November angelobt wird, wenn es um den Praterstern geht. Der steht als Drogen- und Kriminalitätshotspot Wiens seit Monaten im Rampenlicht. Lichtenegger will möglichst bald eine Umgestaltung vornehmen, damit sich die Lage deutlich verbessert.

"Für mich heißt das, dass der Praterstern offener und durchgängiger wird, dass es ein klares Orientierungssystem gibt und keine dunklen Ecken mehr vorhanden sind", erklärt sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Sie selbst habe nie ein komisches Gefühl, wenn sie sich dort aufhalte, verstehe es aber, wenn sich Menschen unwohl fühlen würden. "Hier muss man die Sozialarbeit verstärken und Geld in die Hand nehmen", sagt sie.

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Mehr Polizeipräsenz
Einiges wurde in den vergangenen Wochen schon unternommen, um den Praterstern sicherer zu machen. In einer ersten Analyse ziehen die Betroffenen eine gemischte Bilanz: "Es ist zwar jede Menge Polizei vor Ort, aber es passiert dennoch ständig etwas. Ich würde sagen, das Problem ist nach wie vor nicht gelöst, sondern nur zum Teil verlagert worden", sagt eine Verkäuferin am Praterstern, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. "Man kann es auch nie abschätzen. Ich komme jeden Tag mit einem mulmigen Gefühl zur Arbeit und bete, denn es kann jederzeit wieder was passieren und auch mich treffen", ergänzt sie und spielt auf die jüngsten Raufereien am "Stern", wie der Bahnhof von vielen Anrainern genannt wird, an.

Nach mehreren Vorfällen, darunter eine Vergewaltigung, beschloss der Bezirk im Frühjahr gemeinsam mit den ÖBB, den Wiener Linien und der Polizei, sowie den sozialen Hilfsorganisationen ein Paket, um den Praterstern sicherer zu machen. Das Ziel lautete: Wir wollen keinen zweiten Karlsplatz. Letzterer war jahrelang der Drogenhotspot der Stadt.

Sicherer? Vor wem? Die Rede ist laut Polizei von Drogenabhängigen und ihren Dealern, von Obdachlosen, Trinkern, Kleinkriminellen und Schwarzarbeitern, sowie herumlungernden Asylsuchenden. In besagtem Maßnahmenpaket wurde unter anderem beschlossen, dass Angsträume verhindert würden. Etwa das Wegschaffen der nicht mehr benötigten Telefonzellen, die eine Gefahrenzone darstellten, oder die Bewirtschaftung des ÖBB-WCs und die Durchforstung des Areals, um es noch sinnvoller zu gestalten, waren Kernpunkte des Pakets. Darüber hinaus wollte man den Umstiegsbereich zwischen U1 und U2 von Menschenansammlungen freihalten.

Der am Sonntag abgewählte Noch-Bezirksvorsteher Karlheinz Hora (SPÖ) war sich damals der prekären Lage am Praterstern bewusst, wollte aber von einem Versagen nichts wissen, denn in seinem Bezirk würden immerhin 143 Nationalitäten ohne ernsthafte Probleme zusammenleben, meinte er. In einer ersten Bilanz zieht zumindest die Polizei einige Monate später eine äußerst positive Bilanz: "Wir haben sehr hohe Ressourcen in den Praterstern gesteckt", erklärt Oberst Hans Golob. Dazu gehört die mobile Videoüberwachung von 14 bis 2 Uhr, die ihm zufolge eine hohe Abschreckung für Drogendealer darstellt. Außerdem seien nun bis zu 30 Beamte gleichzeitig vor Ort, die Einsatzkräfte würden wesentlich besser koordiniert.

Sinkende Einsatzzahlen
Die kostenintensive Aufstockung der Beamten zeige sich anhand der sinkenden Einsatzzahlen. "In den ersten sieben Monaten des Jahres 2014 hatten wir am Praterstern 1400 Einsätze, 2015 waren es im selben Zeitraum nur noch 800 und heuer werden wir ähnliche Werte haben", erklärt Golob. Wichtig sei im Allgemeinen das Gefühl der subjektiven Sicherheit. Natürlich passiere nicht ständig etwas vor Ort, aber es seien einige schwerwiegende Dinge passiert, die medial hohe Wellen schlagen würden, so der Polizeisprecher weiter. Besonders stolz ist die Polizei auch darauf, dass es zusammen mit den sozialen Organisationen gelungen ist, sogenannte "Disorder-Situationen" (wenn Menschen einfach nur herumlungern) weitgehend in den Griff zu bekommen.

Von Fortschritten sprechen auch die Wiener Linien. "Uns geht es darum, dass sich unsere Fahrgäste sicher und wohl fühlen, daher haben wie einige bauliche Nachbesserungen durchgeführt, um unsichere Räume zu minimieren", erklärt Pressesprecher Daniel Amann. Er appelliert an die Passagiere, jeden Vorfall der Stationsaufsicht zu melden. Prinzipiell sei die Polizei für die Sicherheit zuständig, aber die Wiener Linien würden mithelfen, etwa durch den Einsatz der erst jüngst aufgenommenen 30 Security-Kräfte, die vorrangig entlang der U6 und am Praterstern tätig seien.

"Wir machen eine laufende Evaluierung und Nachjustierung, es ist aber klar, dass es nie Garantien gibt", sagt Amann. Daher sei man auf die Rückmeldung der Fahrgäste angewiesen, denn man könne nicht alles sehen. "Jede Mitteilung hilft uns, die Situation zu verbessern", ergänzt er. Klar ist, dass auf einem Bahnhof, wo täglich mehr als 200.000 Menschen verkehren, auch Problemzonen entstehen können, das gilt aber europaweit. Als sich die "Wiener Zeitung" vor Ort ein Bild machte, lagen etwa Obdachlose hinter der Bahnhofshalle, andere offensichtlich alkoholisiert Personen sangen lautstark vor sich hin. Auf der anderen Seite der Halle, bei der Endstation der Straßenbahnlinien O und 5, wiesen ÖBB-Mitarbeiter rauchende Männer in Richtung Ausgang.

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Dokument erstellt am 2016-09-21 18:29:05
Letzte ─nderung am 2016-09-22 11:47:18





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