• vom 22.12.2016, 17:10 Uhr

Stadtleben

Update: 23.12.2016, 07:46 Uhr

Schmuck

Wiener Schiefer




  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexandra Laubner

  • Zwei Künstlerinnen fertigen aus Graffitiwänden Schmuck an - Geschenke der besonderen Art.

Wien. Wenn Cornelia Voglmayr vom Wiener Schiefer spricht, dann meint sie abgebröckelte Farbschichten von Graffitiwänden, aus denen sie Ketten, Ringe, Ohrringe, Armbänder und Manschettenknöpfe fertigt. "Es ist ein Stück konservierter Jugendkultur, die die Kreativität der Stadt und die Zeit, ähnlich wie bei Baumringen, festhält. Ich finde das Material deshalb so besonders, weil jede Farbschicht eine Geschichte erzählt. Wie ein Wiener Schiefer. Es ist ein Material, das in der Stadt gewachsen", sagt sie.

Unter der Marke "Birdly", inspiriert von ihrem Nachnamen Voglmayr, verkauft die 28-Jährige in ihrem gleichnamigen Online-Shop und in zwei Wiener Geschäften ihren handgemachten Graffiti-Schmuck. Jedes Stück ist ein Einzelstück. Die Idee, aus gesprühten Farbschichten von Graffitiwänden Schmuck herzustellen, kam Cornelia Voglmayr, die eigentlich Tänzerin und Choreographin ist, bei einem Spaziergang am Donaukanal. Das war im Frühjahr letzten Jahres.

Information

Graffiti-Schmuck "Wiener Wände" von Eleonora B. Sigl - Mehr Infos unter: www.facebook.com/wienerwaende

Graffit-Schmuck "Birdly" von Cornelia Voglmayr unter www.birdly.at

"Ich war mit einem Freund, der Sprayer ist, unterwegs und habe ein kleines Graffiti-Stück, das abgebröckelt ist, vom Boden aufgehoben. Ich habe mich gefragt: Was kann man damit machen? Ich habe experimentiert und eine Möglichkeit gefunden, das Material zu konservieren. Es war ein langer Prozess. Es hat eine Zeit lang gedauert, bis ich meinen Stil gefunden habe und bis ich wusste, wie ich das Material am besten verarbeite", erzählt Voglmayr.

Die Künstlerin verwendet entweder verwitterte Graffiti-Schichten, die sie am Boden findet, oder jene Teile, die Graffiti-Künstler abspachteln, bevor sie ihr neues Kunstwerk an eine der Wände sprayen. "Ich mache dann nach dem Abspachteln auch sauber, die Sprayer sind froh darüber und ich freue mich, gutes Material für meinen Schmuck zu bekommen", erzählt sie. Mit den Schmuckstücken möchte Vogelmayr die Graffiti-Kunst verewigen. "Es gibt zwar ein paar Wiener Stars in der Graffiti-Szene, die einen Namen haben und die man sich nicht traut, zu übersprayen. Aber manchmal passiert es eben doch. Die Graffiti-Kultur ist vergänglich, mit dem Schmuck kann sie erhalten bleiben", erklärt Cornelia Voglmayr.

Graffiti-Kinderbuch

So auch die sogenannte Skirl-Kollektion, die aus Stücken des bekannten gleichnamigen Wiener Graffiti-Künstlers gefertigt ist. "Ein Sprayer hat mir versprochen, Wände aus São Paulo mitzunehmen. Vielleicht werde ich die nächste Kollektion nach der brasilianischen Stadt benennen", meint Vogelmayr.

Der Donaukanal ist auch Eleonora B. Sigls kreative Fundstätte. Die Künstlerin, Grafikerin und Illustratorin arbeitet seit mehr als zehn Jahren mit Graffiti-Farbschichten. "Ich schleife das Material ab, damit man die Schichten gut sieht. Jede Schicht offenbart neue Schätze und extrem schöne Farbwelten", sagt Sigl.

Das Herausfordernde ist die Verarbeitung, da die Lackschichten sehr brüchig sind. "Jedes Stück ist ein Unikat, es sieht komplett anders und es ist auch anders zu bearbeiten", sagt Sigl, die ihr Schmuckkreationen "Wiener Wände" nennt. "Ich bin selbst Künstlerin, ich male vorwiegend Porträts und ich bewundere die Arbeit von Graffiti-Künstlern sehr. Man schafft ein Kunstwerk, investiert Zeit und dann ist es plötzlich weg. Mit dem Schmuck trägt man ein Stück Wien mit sich. Man weiß ja auch nicht, von welchem Künstler das Stück stammt. Vielleicht ist ja ein echter Banksy", scherzt sie. Eleonora B. Sigl würde auch gerne einen gewissen Prozentsatz der Einnahmen aus dem Schmuckverkauf zurück an die Sprayer geben, "da ich mit ihrem Material arbeite", wie sie sagt.

Eleonora B. Sigls Schmuckstücke kosten zwischen 25 und 65 Euro. Derzeit arbeitet die Künstlerin auch an einem Graffiti-Kinderbuch, das von einem kleinen Ferkel handelt, das nicht erwachsen werden möchte.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-12-22 17:14:10
Letzte Änderung am 2016-12-23 07:46:03




Zwischennutzung

Die kreative Vorhut der Investoren

Noch dieses Wochenende hat der Weihnachtsmarkt im Stall geöffnet. - © creau Wien. Zum Glück waren es keine Schweine. Angie Schmied und Lukas Böckle stehen in dem ehemaligen Stallgebäude und schnuppern... weiter




Transition Base

Smartes Wagenvolk

Wohnraum muss nicht viel kosten: Der alte Zirkuswagen soll für kreative Zwecke genutzt werden. - © Puiu Wien. Über die Felder der im Nordosten Wiens liegenden Seestadt fegt ein eisiger Wind. Direkt neben der Satellitenstadt... weiter




Fleischerei

Ausgeblutet

Nach vier Generationen Familienbetrieb ist es mit Trünkel im April 2017 vorbei. - © Arnold Burghardt Wien. Es ist ein schwarzer Tag für die Wiener Fleischerbranche, ein weiterer. Das Gerücht, dass Trünkel die neun der ursprünglich 25 Filialen im April... weiter





Wiener Prater

Die Erben der Zaubermeister

Franz Steidlers Bauchrednerpuppe steht jetzt im Circus- und Clownmuseum. - © Circusmuseum Wien. "Sebastian von Schwanenfeld, Basilio Calafati und Anton Kratky-Baschik: Das sind drei legendäre Zaubererkünstler... weiter




Prater

Erstes Kino als Kunstform

- © Kadotheum Wien Wien. "Karl Juhasz war das Gegenteil vom Hutschenschleuderer Liliom", meint Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums... weiter




250 Jahre Wiener Prater

Mit Courage und Löwenherz

- © Clownmuseum Wien. "1966 gab es im Prater mehrere Gründe zum Feiern", erzählt Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums, 50 Jahre später... weiter






Werbung


Werbung