• vom 19.01.2017, 17:49 Uhr

Stadtleben

Update: 19.01.2017, 20:02 Uhr

Stuwerviertel

Ein neues Lebensgefühl zieht ein




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Von Nina Flori

  • Das Stuwerviertel im 2. Bezirk war lange Zeit für seine Zwielichtigkeit bekannt. Doch mittlerweile ist der Straßenstrich verschwunden, es werden immer mehr Häuser saniert und die Gentrifizierung ist im Anmarsch.

- © Peter Hruska

© Peter Hruska

Die Straßensperren im Stuwerviertel wurden errichtet, um Freier am Herumfahren zu hindern. Jetzt dienen sie der Verkehrsberuhigung.

Die Straßensperren im Stuwerviertel wurden errichtet, um Freier am Herumfahren zu hindern. Jetzt dienen sie der Verkehrsberuhigung. Die Straßensperren im Stuwerviertel wurden errichtet, um Freier am Herumfahren zu hindern. Jetzt dienen sie der Verkehrsberuhigung.

Wien. Das Stuwerviertel in der Leopoldstadt, das sich als Dreieck zwischen dem Praterstern, der Ausstellungsstraße, der Lassallesstraße und der Vorgartenstraße erstreckt, ist noch immer eines der größten sanierungsbedürftigen Gebiete Wiens.

Doch die Zahl der renovierten Häuser und der Dachgeschoßausbauten wächst. Das Viertel ist im Wandel. Der Vorgartenmarkt wurde vor fünf Jahren revitalisiert und hat Bioanbieter und Pop-up-Stores angezogen. Durch die FH und die neue Wirtschaftsuniversität werden die Bewohnerinnen und Bewohner des Bezirks langsam jünger. Und über die Betonpflöcke, die ursprünglich dafür gedacht waren, Freier vom Kreisen durch die Gassen abzuhalten, freut man sich nun, denn sie sorgen insgesamt für eine Verkehrsberuhigung.


"Im Stuwerviertel gibt es viele Bäume in den Straßen und durch die Verkehrsberuhigung ist das Viertel noch lebenswerter geworden", sagt die frisch designierte grüne Bezirksvorsteherin, Ursula Lichtenegger im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Auch Kinder könnten nun mit dem Fahrrad auf der Straße fahren.

Straßenprostitution, für die das Stuwerviertel lange Zeit bekannt war, kommt nur noch selten vor. "Früher waren die Prostituierten sichtbar, da man sie an der Kleidung erkannt hat", sagt Lichtenegger. "Als 2011 das Verbot gekommen ist, haben sie sich begonnen, normal zu kleiden, wodurch die Freier alle Frauen sehr aggressiv angesprochen haben." Das habe zu vielen Beschwerden geführt. Als die Freier weniger wurden, hätten wiederum die Prostituierten begonnen, alle Männer anzusprechen, was ebenfalls zu Beschwerden führte.

Mittlerweile hat sich die Situation entspannt. Der Polizei zufolge gibt es nur noch "ab und zu" Aufgriffe von Straßenprostituierten. Ein oder zwei neue Etablissements seien seit dem Verbot 2011 dazugekommen. Insgesamt sei die Lage im Stuwerviertel "sehr, sehr ruhig", heißt es. Die Rotlichtszene, die sich wie in vielen Städten um die Jahrhundertwende des Nordbahnhofes wegen (er galt damals als größter Bahnhof der Monarchie und verlor erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Eisernen Vorhang seine Bedeutung) im Stuwerviertel angesiedelt hatte, ist für die Bevölkerung immer weniger zu spüren.

Prater, Donauinsel und gute Anbindung an die Innenstadt
Durch die Nähe zum Prater, zur Donauinsel und die gute Anbindung an die Innenstadt, erscheint es vielen Menschen, vor allem jungen Familien, als sehr attraktiv. Dass es trotzdem eines der sanierungsbedürftigen Gebieten Wiens ist, führt der Wohnbauforscher Daniel Glaser von der MA 50 auf historische Gegebenheiten zurück: "Das Stuwerviertel wurde erst sehr spät in der Gründerzeit errichtet. Wenn man sich die Karte von 1900 ansieht, erkennt man, dass das ganze Gebiet praktisch noch leer war", sagt er. In den folgenden Jahren habe es aber einen regelrechten Bauboom gegeben. Bis 1912 sei mit dem Stuwerviertel ein ganz neuer Stadtteil entstanden.

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Dokument erstellt am 2017-01-19 17:53:08
Letzte nderung am 2017-01-19 20:02:06




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