• vom 16.02.2017, 16:31 Uhr

Stadtleben


Lichtverschmutzung

"Zu viel Licht über Wien"




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (36)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Lichtflut Wiens erstmals vollständig erfasst: Experten fordern Bewilligungspflicht für Fassadenbeleuchtung und Aus für Geschäftsbeleuchtung nach 23 Uhr.

Der Anteil der Gebäudebeleuchtung ist laut Experten erst durch die Hubschraubermessungen deutlich geworden.

Der Anteil der Gebäudebeleuchtung ist laut Experten erst durch die Hubschraubermessungen deutlich geworden.© kuffner-sternwarte.at Der Anteil der Gebäudebeleuchtung ist laut Experten erst durch die Hubschraubermessungen deutlich geworden.© kuffner-sternwarte.at

Wien. Die zunehmende Lichtverschmutzung in Städten lässt den Sternenhimmel verschwinden, hat negative Auswirkungen auf Natur und Gesundheit des Menschen. In einer Studie wurden nun die Hauptverursacher der Lichtglocke über Wien identifiziert. Beteiligte Organisationen fordern als Konsequenz eine Bewilligungspflicht für Gebäudebeleuchtungen und die zeitliche Beschränkung von Geschäftsbeleuchtungen.

Aufgrund exzessiver Nutzung von Licht könne man in Wien und anderen großen Städten den Sternenhimmel nicht mehr betrachten, "geschweige denn die Milchstraße. Es ist traurig, wenn wir nicht mehr unseren Platz im Kosmos sehen können", sagte der Generaldirektor des Naturhistorischen Museum (NHM) Wien, Christian Köberl, am Donnerstag bei der Vorstellung der Studie.

Werbung

Experten berichteten bei der Studienpräsentation zudem über die negativen Auswirkungen auf die Natur, von Insekten über Säugetiere und Zugvögel bis zum Menschen. Sie verwiesen auch auf die mit der Beleuchtung verbundene Energieverschwendung und den CO2-Ausstoß.

In der Studie hat der Verein Kuffner-Sternwarte in Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum und mit Unterstützung der Stadt Wien mit Hilfe von Messungen aus einem Helikopter die Lichtflut über der Stadt vermessen. Die Lichtquellen wurden dabei aus 216 Richtungen erfasst. "Wien ist damit die weltweit erste Stadt mit einer vollständig gemessenen Lichtbilanz", sagte Sternwarte-Chef Günther Wuchterl.

Am hellsten, wo Geschäfte sind
Die Wiener Lichtglocke strahlt demnach mit einer Leistung von 30 Megawatt und verbraucht 90 Gigawattstunden Energie pro Jahr. Das entspreche 50.000 Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr. Jeweils rund ein Drittel der Lichtglocke geht auf das Konto der öffentlichen Beleuchtung, der Geschäftsbeleuchtung und der Beleuchtung von Gebäuden durch sogenannte Himmels- bzw. Fassadenstrahler. "Wien ist dort am hellsten, wo Geschäfte sind", sagte Wuchterl.

Vor allem der Anteil der Gebäudebeleuchtung sei erst durch die Hubschraubermessungen deutlich geworden, "weil wir das vom Boden nicht erfassen können", so Wuchterl weiter. Und bei Satelliten-Messungen werde nur der direkt nach oben strahlende Anteil registriert. Während dieser Anteil ein zunehmendes Problem darstellt, erwartet der Astronom, dass durch die laufende Modernisierung der Straßenbeleuchtung in Wien 80 bis 90 Prozent des Lichtglocken-Anteils der öffentlichen Beleuchtung verschwinden werden. Denn die Stadt Wien setze beim Austausch auf sogenannte "Full-Cut-Off-Lösungen", bei denen kein Licht in die Atmosphäre abgestrahlt wird.

Die Kuffner-Sternwarte will sich gemeinsam mit der Vogelschutzorganisation Birdlife Österreich und dem Umweltdachverband nun den anderen beiden Dritteln annehmen. "Wir fordern, dass ab 23 Uhr Schaufensterbeleuchtung und Leuchtreklame abgeschalten wird", sagte Birdlife-Geschäftsführer Gerald Pfiffinger, der ab Anfang März auch die Leitung des Umweltdachverbands übernimmt.

Weiters fordern die Finsternis-Schützer eine Bewilligungspflicht für Fassaden- und Gebäudebeleuchtung. Solange der Verkehr durch solche Beleuchtung nicht geblendet werde, sei dies ein derzeit völlig unregulierter Bereich. "Es ist durchaus wichtig, Gebäude wie den Stephansdom zu beleuchten, das ist Kulturgut", sagte Pfiffinger. Es gehe aber darum, intelligente Beleuchtung einzusetzen. Und das Problem seien auch die vielen privaten Gebäude, "die nicht wie der Dom beleuchtet sein müssen".

"Einfach zu erfüllen"
Wuchterl zeigte sich "optimistisch" ob der Umsetzung, "weil das relativ einfach zu erfüllende Forderungen sind". Er verwies auf Nachbarländer wie Slowenien, Tschechien oder angrenzende italienische Provinzen, wo es Gesetze zur Eindämmung der Lichtverschmutzung gebe. Die beteiligten Institutionen wollen jedenfalls verstärkt Bewusstsein für das Thema schaffen. Dazu beitragen soll ein sechsminütiger Kurzfilm, der vor fast allen Planetariums-Shows im NHM gezeigt wird.




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-02-16 16:36:05




Zwischennutzung

Die kreative Vorhut der Investoren

Noch dieses Wochenende hat der Weihnachtsmarkt im Stall geöffnet. - © creau Wien. Zum Glück waren es keine Schweine. Angie Schmied und Lukas Böckle stehen in dem ehemaligen Stallgebäude und schnuppern... weiter




Transition Base

Smartes Wagenvolk

Wohnraum muss nicht viel kosten: Der alte Zirkuswagen soll für kreative Zwecke genutzt werden. - © Puiu Wien. Über die Felder der im Nordosten Wiens liegenden Seestadt fegt ein eisiger Wind. Direkt neben der Satellitenstadt... weiter




Fleischerei

Ausgeblutet

Nach vier Generationen Familienbetrieb ist es mit Trünkel im April 2017 vorbei. - © Arnold Burghardt Wien. Es ist ein schwarzer Tag für die Wiener Fleischerbranche, ein weiterer. Das Gerücht, dass Trünkel die neun der ursprünglich 25 Filialen im April... weiter





Wiener Prater

Die Erben der Zaubermeister

Franz Steidlers Bauchrednerpuppe steht jetzt im Circus- und Clownmuseum. - © Circusmuseum Wien. "Sebastian von Schwanenfeld, Basilio Calafati und Anton Kratky-Baschik: Das sind drei legendäre Zaubererkünstler... weiter




Prater

Erstes Kino als Kunstform

- © Kadotheum Wien Wien. "Karl Juhasz war das Gegenteil vom Hutschenschleuderer Liliom", meint Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums... weiter




250 Jahre Wiener Prater

Mit Courage und Löwenherz

- © Clownmuseum Wien. "1966 gab es im Prater mehrere Gründe zum Feiern", erzählt Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums, 50 Jahre später... weiter






Werbung


Werbung