• vom 14.03.2017, 17:35 Uhr

Stadtleben

Update: 15.03.2017, 09:58 Uhr

Mercer Studie

Vielleicht bleiben wir ewig Nummer eins




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  • Zum achten Mal in Folge wurde Wien zur weltweit lebenswertesten Stadt gekürt.

Wien. (aum/apa) Es ist gewohnter Luxus auf höchstem Niveau: Zum achten Mal in Folge ist Wien die Stadt mit der höchsten Lebensqualität in der Welt. Das bescheinigt zumindest die Vergleichsstudie des Beratungsunternehmens Mercer. Diese vergleicht 231 internationale Großstädte anhand von 39 Kriterien, die aus Sicht von Mitarbeitern, die ins Ausland entsandt wurden, eine zentrale Rolle spielen. Diese Merkmale schließen unter anderem politische, soziale, wirtschaftliche und umweltorientierte Aspekte ein. Hinzu kommen Faktoren wie Gesundheit und Bildungsangebote.

Auf den Plätzen zwei bis fünf landeten Zürich, Auckland, München und Vancouver. Das Schlusslicht bildet erneut Bagdad. Doch auch wenn Mercer objektiv messbare Kriterien für seine Studie heranzieht, so ist Lebensqualität doch auch ein sehr subjektives Empfinden. Redaktionsmitglieder der "Wiener Zeitung", die lange Zeit im Ausland verbracht haben, haben daher knapp ihre prägendsten Eindrücke im Vergleich zu Wien Revue passieren lassen (siehe Grafik.)

Ein wichtiger Faktor für die Bewertung der Lebensqualität in der Mercer-Studie ist die Infrastruktur. Darunter fallen unter anderem die Wasserversorgung, Kommunikations- und Postdienstleistungen, öffentlicher Nahverkehr und die Verfügbarkeit internationaler Flüge. Dafür gab es in diesem Jahr ein eigenes Ranking. Spitzenreiter ist hier Singapur, Wien liegt auf Platz 17.

Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) war jedenfalls erfreut über den erneuten Spitzenplatz: "Wien schneidet in Städte-Rankings regelmäßig gut ab. Das ist kein Zufall und ich bin davon überzeugt, dass die Wienerinnen und Wiener zu Recht auf ihre Stadt stolz sein können."

Der Klubobmann der Wiener ÖVP, Manfred Juraczka, mahnte hingegen, dass die SPÖ vor der Realität die Augen verschließe und prangerte unter anderen die "Kindergarten-Misere, KAV-Debakel und Lobau-Tunnel" an. "Eine Politik aus dem Elfenbeinturm ist jedenfalls zum Scheitern verurteilt", so Juraczka

Der freiheitliche Vizebürgermeister Johann Gudenus wiederum erklärte: "Keine Frage, es ist erfreulich, dass sich sogenannte Expats mit Top-Gagen in der Bundeshauptstadt wohlfühlen, auf die tatsächliche Lebensqualität der heimischen Bürger lässt dies aber keinen Schluss zu." Er verwies auf Rekord-Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot in Wien.

Städteportraits

Mexiko Stadt
Platzierung in Mercer-Studie: 128

Die Hauptstadt von Mexiko sinkt seit Jahrhunderten kontinuierlich ab. Das stört deren Einwohner nicht sonderlich. Im Gegenteil: Auf der alten Bausubstanz scheint es sich am besten zu bauen. Auf alte Tempel wurden aztekische Pyramiden gehievt, auf die Pyramiden schließlich eine christliche Basilika. Mexiko Stadt ist viel Abwechslung. Kolonialismus neben Frida-Kahlo-Folklore, brauner Schutt neben strahlenden Wandgemälden, öffentliche Parks mit blauen Fliesen und tropischen Pflanzen. Und überall Tacos. Auf der Straße sitzt eine Großmutter unter dem Sonnenschirm, die mit Plastikschemel und Gaskocher bewaffnet, die besten Tacos der Welt zubereitet. Scharf oder Extra-Scharf? Bei Extra-Scharf ist ein breites Lächeln inbegriffen.
(Konstanze Walther)

New York
Platzierung in Mercer-Studie: 44

Wegen einer "Polizeiinvestigation", wie in Endlosschleife durchgesagt wird, fahren die U-Bahnen von Manhattan nach Brooklyn nicht. Drei Stunden später komme ich in meiner WG in Brooklyn an, und es wartet eine Maus in der Küche. Die Kakerlaken haben nun Gesellschaft, und das obwohl der Kammerjäger regelmäßig kommt und Gift hinter den Kühlschrank wirft. Teuer, dreckig, kaputt – objektiv ist New York keine lebenswerte Stadt. Wett machen das die Menschen, die einander grüßen, anlächeln und ansprechen, ein fast immer strahlendblauer Himmel, Communities und Nationalitäten, die friedlich koexistieren und New York zu einer Stadt voller positiver Energie machen. Es kommt ganz darauf an, wie man Lebensqualität definiert.
(Bettina Figl)

Paris
Platzierung in Mercer-Studie: 38

Im Gegensatz zu Wien gibt es in Paris wirklich finstere Ecken, an denen einem noch finsterere Gestalten einen Schrecken einjagen können. Fahrten ins angrenzende Saint Denis oder Bobigny meiden sogar die Pariser nach Möglichkeit. Doch Sicherheit ist ein subjektives Gefühl – passiert ist mir dort jedenfalls nie etwas. Dafür wartet die Stadt mit Kulinarik jenseits von Wiener Schnitzel und Gulasch im Beisl auf. In Paris isst man grundsätzlich gut und exquisit. Der Anspruch der Pariser ans Restaurant: Sie möchten dort etwas essen, das sie sich zu Hause nicht selber machen (können) – und sie können generell sehr gut kochen. Diesen Anspruch haben sie auch in der Mittagspause, wenn für kurze Zeit der Arbeitsstress dem Genuss weicht. Auch das ist Lebensqualität.
(Alexander U. Mathé)

München
Platzierung in Mercer-Studie: 4

München – Oktoberfest, Flaucher, Pinakothek und Fußball (egal ob Bayern oder Löwen). Bei optimalem Wetter ist die Alpenkette zum Greifen nah, die zahlreichen Badeseen sowieso. Im Winter Ski fahren, im Sommer baden. So weit so toll. Doch hinkommen muss man erst einmal. In München fahren alle S-Bahnen durch ein und dieselbe Röhre – die sogenannte Stammstrecke. Wenn da auch nur ein Zug Verspätung hat, ist es um die anderen auch geschehen. Un- und Ausfälle potenzieren die Misere. Das Auto als Alternative? Fehlanzeige. München zählt zu den staureichsten Städten Deutschlands. Gewiefte Pendler fahren daher schon im Morgengrauen zur Arbeit. Legt man jedoch zehn Minuten zu spät los, steht man eine Stunde im Stau. Dann doch lieber Ausschlafen, Alte Donau und Heuriger.
(Moritz Ziegler)

Brüssel
Platzierung in Mercer-Studie: 27

Das Wasser. Die Müllabfuhr. Die U-Bahn. Soeben nach fünf Jahren in Brüssel nach Wien zurückgekehrt, habe ich es in dieser Reihenfolge genossen: Quellwasser aus der Leitung getrunken, den Müll in die Tonne im Hof geworfen und den öffentlichen Verkehr genutzt. Ich musste nicht mehr einen Filter benutzen; nicht mehr den Mist eine Woche lang in der Wohnung lassen, bevor ich ihn am Abholtag um die anderen Säcke auf dem Gehsteig vor der Haustür drapierte. Und ich wurde nicht mehr durch den ruckelnden und zuckenden U-Bahn-Wagen geschleudert. Pommes frites, für die Belgien berühmt ist, mag ich sowieso nicht. Knödel schon. Trotzdem ist Brüssel zum Leben gar nicht schlecht. Wien finde ich aber besser.
(Martyna Czarnowska)





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-14 17:41:05
Letzte Änderung am 2017-03-15 09:58:29




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