• vom 20.03.2017, 21:15 Uhr

Stadtleben


Schule

Teslaspule und Tratschkartoffel




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Von Alexander Maurer

  • Am Forschungs-Parkour des Projekts "Science Experts" bringen Schüler einander Wissenschaft und Forschung näher.

- © Martin Lusser

© Martin Lusser

Wien. "Das ist eine Tratschkartoffel. Man steckt einfach einen Zinknagel und eine Kupfermünze in eine Kartoffel, aber so, dass sie einander gegenüberstehen. Legt man an beide dann gleichzeitig den Stecker eines Kopfhörerkabels, kann man es Kratzen und Zischen hören", erklärt Albina Zyberi, während sie mit schnellen Handgriffen das Experiment aufbaut und vorzeigt. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Michelle Janicijevic, Sena Recber und Elm Daeti betreut sie schon den ganzen Vormittag über den Versuchsstand. Die vier Schülerinnen aus der Neuen Mittelschule Glasergasse nehmen gemeinsam mit fünf anderen Schulen am "Science Experts Forschungs-Parkour" teil, der am Freitag in der Aula der Wissenschaften in der Wollzeile stattfand. Das Projekt soll Schülern Wissenschaft und Forschung bereits früh näher bringen. Die Abschlussveranstaltung wurde von mehr als 1200 Schülern und ihren Lehrern besucht.

Schüler präsentieren Experimente

Das Projekt, das in Zusammenarbeit zwischen dem Wissenschaftsministerium und dem Verein Science Pool entstanden ist, soll Schülern im Alter von elf bis vierzehn Jahren Wissenschaft auf spielerische Art und Weise näher bringen. "Wir haben mit dem Projekt bereits im vergangenen Jahr begonnen", erklärt man bei Science Pool der "Wiener Zeitung". An den ausgewählten Schulen wurden den Kindern in einer Stunde verschiedene Experimente vorgestellt. Die interessiertesten Schüler wurden dann von ihren Lehranstalten ausgewählt und haben in jeweils zwei Gruppen pro Schule neben dem Unterricht mit Science-Pool-Mitarbeitern weitergeforscht und verschiedene Versuche durchgeführt, beispielsweise Experimente mit Trockeneis und Teslaspulen, das Bauen von Wendewürfeln und in sich geschlossenen Möbiusschleifen oder auch Tests mit der Absorptionsfähigkeit verschiedener Materialien. Ihre Lieblingsexperimente stellten die Schüler dann am Freitag an Versuchsständen ihren Mitschülern und Kindern aus anderen teilnehmenden Schulen vor – nicht nu an den Stationen, sondern später auch vor allen auf der Bühne.


© Martin Lusser © Martin Lusser

Der Parkour bestand jedoch nicht nur aus Schülerexperimenten. Science Pool selbst organisierte eine breite Reihe an Stationen, wo verschiedene wissenschaftliche Disziplinen vertreten waren. Der Technikquerschnitt reichte von Spinnradspinnen über 3D-Drucker bis hin zu virtueller Realität mittels Brille. Auch Roboter, die Pfannkuchen backen und mit Wasserfarben malen können, wurden gezeigt. Schüler hatten auch die Möglichkeit, Emailtechniken auszuprobieren oder Frozen Yoghurt zu machen. Weitere Wissenschaftliche Einrichtungen rundeten den Parkour ab. Das Institut für Schallforschung zeigte bei der Lärmpegelmessung, wie laut ein Saal voller Kinder eigentlich ist, das Institut für Sozialanthropologie zeigte den Schülern, wie man den Sinn hinter Street Art lesen kann und die Veterinärmedizinische Universität präsentierte anschaulich Forschungen zum Kamel.

Fokus auf Neuen Mittelschulen

Gerlinde Heil, die Obfrau des Vereins Science Pool, zeigt sich über den Andrang bei der Veranstaltung begeistert. Auch das Projekt selbst wäre bei den Kindern auf große Resonanz gestoßen. "Wir hätten eigentlich das
Zehnfache an Experimenten und Schülern betreuen können, so groß war das Interesse. Aber dafür hat das Budget leider nicht ausgereicht", erklärt sie. Die Didaktik-Dozentin hat den Verein vor fünf Jahren gegründet. "Bei Universitätseintritt ist es eigentlich schon viel zu spät, Jugendlichen Wissenschaft und Forschung näher zu bringen. Daher veranstalten wir unsere Workshops mittlerweile schon in Volksschulen und Kindergärten", erzählt sie. Man könne gar nicht früh genug beginnen, junge Menschen für die Wissenschaft zu begeistern. Das Pilotprojekt "Science Expert" spricht explizit Schüler aus Neuen Mittelschulen und Kooperativen Mittelschulen an. "Diese Schüler sind oft aus verschiedenen Gründen, wie finanziell schwächeren Situationen der Eltern, weiter von Zusatzprogrammen entfernt als beispielsweise Kinder, die ein Gymnasium besuchen", so Heil. Auch Michelle und ihre Freundinnen kommen im Unterricht wenig mit Forschung in Berührung. "Eigentlich machen wir sowas fast nie. Aber letztes Jahr hatten wir einen anderen Mathematiklehrer, der hat mit uns viele Experimente gemacht", meint sie. Wie die anderen Mädchen würde sie sich mehr solche Projekte im Unterricht wünschen. Gerlinde Heil hofft, dass das Projekt auch in den Folgejahren zustande kommen und weiter ausgebaut wird. Genug motivierte und Interessierte Schüler wie die vier Freundinnen aus der Glasergasse gäbe es immerhin.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-20 17:38:46
Letzte ─nderung am 2017-03-20 17:45:36




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