• vom 12.05.2017, 16:39 Uhr

Stadtleben

Update: 15.05.2017, 13:51 Uhr

Cafe Industrie

"Ich habs probiert"




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (28)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Arian Faal

  • Das Café Industrie, eine Institution am Margaretengürtel, sperrt am 27. Mai für immer seine Pforten.

- © CC/WienWiki/J. Werfring

© CC/WienWiki/J. Werfring

Wien. Seit Freitagmorgen ist es offiziell: Wieder verliert Wien ein Stück seiner lebendigen Kaffeehauskultur. Das "Café Industrie" am Margaretengürtel, wo abseits der Schickeria das Gemütliche den Ton angibt, sperrt seine Pforten am 27. Mai für immer zu.

Viel Wehmut klingt bei der Abschiedsankündigung des Cafés auf Facebook mit: "103 Jahre Traditionscafé Industrie - Aus und vorbei. Wir nehmen Abschied. Am letzten Abend kommt die letzte Session", heißt es. Auch mit Seitenhieben wird nicht gespart, sind doch Ungereimtheiten mit der Stadt Wien, konkret das Verbot der dort regelmäßig veranstalteten Konzerte und Lesungen aufgrund von Schallschutzauflagen vor einem Jahr mit ein Grund für das Ende einer Epoche.

Werbung

Abschiedsparty am 27. Mai
"Moderne Zeiten nehmen uns wieder ein großartiges Stück Kaffeehaus-Kultur. Zwei Weltkriegen, wirtschaftlichen Krisen und Nöten wurde getrotzt. Doch nun heißt es Abschied nehmen. Abschied nehmen von einem Meilenstein der österreichischen Musik- und Kulturszene", so der Wortlaut des emotionalen Abschiedsstatements, das von Robert Steurer, Musiker, enger Freund und Geschäftspartner von Ruth Binder, der Chefin des Cafés, verfasst wurde.

Dennoch will das Team es zum Abschied am 27. Mai von 19 bis 1 Uhr noch einmal musikalisch krachen lassen und wird nostalgisch. "Ernst Hinterberger, der geistige Vater von Kultserien wie ‚Ein echter Wiener geht nicht unter‘, ‚Kaisermühlen-Blues‘ und ‚Trautmann‘ war Stammgast. Viele Schmähs und Wuchteln, die hier gebracht wurden, leben in diesen Geschichten weiter". Die Chefin, Ruth Binder, sagt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", dass ihr der Amtsschimmel über den Kopf gestiegen ist. "Ich habs probiert mit den Behörden, und gesagt, dass das fürs Café der Todesstoß wäre, wenn sie mir die Veranstaltungen wegnehmen", meint sie. Ich habe leider zu viele Schulden gemacht", erklärt Binder und seufzt. "Ich kann es mir nicht mehr leisten. Und schuld daran sind die Schikanen von oben. Da sind einmal die vielen Kontrollen, die ich hier ständig habe. Und dann noch der Elektrobefund, was soll ich Ihnen sagen", unterstreicht die Gastronomin, die den Betrieb 2012 von ihrer Mutter übernommen hat und sehr an ihm hängt. "Die haben mir die Veranstaltungen verboten, und das hat mich 90 Prozent meiner Stammgäste gekostet", klagt Binder. Die große Bestürzung bei den Stammgästen kann sie nachvollziehen, dennoch könne man so kein Café wirtschaftlich führen. "Der Umsatz des Tagescafés ist eher mager und ich hätte schon eigentlich letztes Jahr zusperren sollen, habs aber so lange wie möglich hinausgezögert", sagt die Chefin.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-12 16:45:09
Letzte ─nderung am 2017-05-15 13:51:05




Zwischennutzung

Die kreative Vorhut der Investoren

Noch dieses Wochenende hat der Weihnachtsmarkt im Stall geöffnet. - © creau Wien. Zum Glück waren es keine Schweine. Angie Schmied und Lukas Böckle stehen in dem ehemaligen Stallgebäude und schnuppern... weiter




Transition Base

Smartes Wagenvolk

Wohnraum muss nicht viel kosten: Der alte Zirkuswagen soll für kreative Zwecke genutzt werden. - © Puiu Wien. Über die Felder der im Nordosten Wiens liegenden Seestadt fegt ein eisiger Wind. Direkt neben der Satellitenstadt... weiter




Fleischerei

Ausgeblutet

Nach vier Generationen Familienbetrieb ist es mit Trünkel im April 2017 vorbei. - © Arnold Burghardt Wien. Es ist ein schwarzer Tag für die Wiener Fleischerbranche, ein weiterer. Das Gerücht, dass Trünkel die neun der ursprünglich 25 Filialen im April... weiter





Wiener Prater

Die Erben der Zaubermeister

Franz Steidlers Bauchrednerpuppe steht jetzt im Circus- und Clownmuseum. - © Circusmuseum Wien. "Sebastian von Schwanenfeld, Basilio Calafati und Anton Kratky-Baschik: Das sind drei legendäre Zaubererkünstler... weiter




Prater

Erstes Kino als Kunstform

- © Kadotheum Wien Wien. "Karl Juhasz war das Gegenteil vom Hutschenschleuderer Liliom", meint Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums... weiter




250 Jahre Wiener Prater

Mit Courage und Löwenherz

- © Clownmuseum Wien. "1966 gab es im Prater mehrere Gründe zum Feiern", erzählt Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums, 50 Jahre später... weiter






Werbung


Werbung