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Update: 18.05.2017, 17:06 Uhr

Alkohol-Woche

Wie viel ist zu viel?




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Von Margot Landl

  • "1. Österreichische Dialogwoche Alkohol" in Wien bietet Workshops, Filmvorführungen und ein Fest.


© dpa/Alexander Heinl © dpa/Alexander Heinl

Wien. Dass Österreich, was Alkohol angeht, im europäischen Spitzenfeld liegt, ist hinreichend bekannt. Rund 370.000 Österreicher, das sind in etwa 5 Prozent der Erwachsenen, gelten als alkoholkrank, weitere 9 Prozent konsumieren Alkohol in einem gesundheitsgefährdenden Ausmaß. Davon spricht man bei Männern ab 1,5 Litern Bier oder 0,75 Litern Wein pro Tag, bei Frauen sind es 1 Liter Bier oder 0,5 Liter Wein. Das bedeutet: Eine Million Österreicher haben ein problematisches Trinkverhalten.

Übermäßiger Alkoholkonsum ist allerdings kein speziell österreichisches Problem. So gibt es in Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein die Aktionswoche Alkohol bereits seit einigen Jahren. Heuer startet das Projekt, das von der Österreichischen Arbeitsgruppe Suchtvorbeugung (Arge) gemeinsam mit einigen Partnerorganisationen wie dem Ministerium für Frauen und Gesundheit organisiert wird, auch hierzulande und in Luxemburg. In der Zukunft soll die "Österreichische Dialogwoche Alkohol" alle zwei Jahre durchgeführt werden.

Warum (erst) jetzt? "Lange Zeit lag das Hauptaugenmerk in der Suchtprävention in Österreich auf den illegalen Substanzen, dabei sind davon so viel weniger Menschen betroffen als von den legalen", erklärt Lisa Brunner, die Leiterin des Instituts für Suchtprävention der Sucht- und Drogenkoordination Wien. "Aber was legal ist, wird eben oft auch automatisch als unproblematisch angesehen." Allerdings, so betont sie, gehe es nicht darum, Alkohol per se zu verteufeln, sondern einfach einmal österreichweit darüber eine Debatte anzustoßen, wie viel denn eigentlich zu viel sei.

In Wien gelten 35.000 bis 75.000 Menschen als alkoholabhängig, 135.000 bis 175.000 weisen einen problematischen Konsum auf, Zahlen, die sich aus Patientendaten und repräsentativen Umfragen ergeben. Dementsprechend will die Dialogwoche eine möglichst große Zielgruppe ansprechen. Am besten, sagt Brunner, ganz Österreich.

Auch viele Einrichtungen in Wien bieten Veranstaltungen an, zu denen man auf der Homepage der Initiative nähere Informationen findet. Da gibt es zum Beispiel Workshops, die speziell auf pädagogische Berufe ausgerichtet sind oder Seminare für Betriebsräte, die mit Alkohol am Arbeitsplatz zu tun haben. Dazu kommen Veranstaltungen für Privatpersonen, die Angehörige einer alkoholkranken Person sind oder einfach Interesse am Thema haben, wie den "Tag der offenen Tür" des Regionalen Kompetenzzentrums der Suchthilfe Wien.

Brunner geht es vor allem darum, die Erwachsenen an ihre Vorbildwirkung zu erinnern, die sie auf Jugendliche haben. Nicht sie mit ihrem viel zitierten "Komasaufen" sind die große Risikogruppe, sondern die 50- bis 60-Jährigen. Sie plädiert dabei für einen pragmatischen Umgang mit der Sache: "Es geht nicht darum, anzuklagen, dass auf Familienfesten Wein getrunken wird oder dass 15-Jährige weggehen und sich ausprobieren. Man sollte es einfach thematisieren - und Tipps an die nächste Generation weitergeben."

Auch ein Kabarett, ein Fest und eine Filmvorführung im Gartenbaukino stehen am Programm. Denn eine gewisse Leichtigkeit ist in der Sache ebenso wichtig, auch wenn die Gespräche sachlich und ernst geführt werden müssen, findet Brunner: "Es geht nicht darum, die Spaßbremsen zu sein."

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Schlagwörter

Alkohol-Woche, Wien, Suchtkranke

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-18 16:51:05
Letzte Änderung am 2017-05-18 17:06:31




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