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Update: 29.05.2017, 12:06 Uhr

Antisemitismus

Neue Formen des Antisemitismus




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Von Alexia Weiss

  • Konferenz im Februar in Wien will Handlungsanleitung erarbeiten, wie Antisemitismus beendet oder eingedämmt werden kann.



Wien. Der Befund von Ariel Muzicant, Vizepräsident des European Jewish Congress (EJC), ist ernüchternd: In Österreich sei nach der Schoa nichts gegen den Antisemitismus gemacht worden. Und dann, als in den 1980er Jahren endlich mit dem Holocaust-Unterricht an Schulen begonnen wurde, "da haben wir gedacht: Nun ändert sich etwas. Wir klären neue Generationen über den Holocaust, den Zweiten Weltkrieg auf und in 30, 40 Jahren werden wir weniger Antisemitismus haben. Aber falsch. Der alte Antisemitismus schwindet zwar langsam, aber dafür machen sich neue Formen breit", erklärte Muzicant diese Woche bei dem von der Universität Wien, dem EJC und der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) veranstalteten Symposium "Anti-Semitismus und Religion" in Wien. Ähnliches sei in ganz Europa und weltweit zu beobachten. Insgesamt sei der Antisemitismus weltweit im Steigen, wie auch IKG-Präsident Oskar Deutsch beklagte.

Die Veranstaltung im Gemeindezentrum der IKG verstand sich als Vorbereitung auf eine große Antisemitismus-Konferenz, die im Februar 2018 in Wien stattfinden wird. 150 Vortragende sollen dann die verschiedensten Aspekte von Antisemitismus, historisch wie aktuell ausleuchten.


Vergleich mit Narrenschiff
Vor allem soll es aber darum gehen, am Schluss der Konferenz "Ein Ende dem Anti-Semitismus!" (18. bis 22. Februar im Rathaus und an der Uni Wien) Entscheidungsträgern, Politik und Religionsvertretern weltweit eine konkrete Handlungsanweisung zu übergeben, wie Antisemitismus endlich und nachhaltig Einhalt geboten werden kann, sagte Armin Lange, Judaistik-Professor an der Universität Wien, zur "Wiener Zeitung". Organisiert wird dieses Mammut-Projekt von Uni Wien, der Universität Tel Aviv und der New York University. Hauptsponsor ist Moshe Kantor, der Präsident des EJC.

Wenn von Antisemitismus die Rede ist, wird meistens unterschieden zwischen dem von rechts, dem von links sowie jenem von muslimischer Seite. Doch Muzicant ließ bei dem Symposium mit einer interessanten Assoziation aufhorchen: Er zitierte aus dem Film "Das Narrenschiff". Der US-Streifen aus dem Jahr 1965 spielt in den 1930er Jahren, die Machtergreifung durch die Nazis steht kurz bevor. Ein Schiff mit bunt zusammengewürfelten Passagieren macht sich von Vera Cruz auf den Weg nach Bremerhafen - darunter auch ein Nazi (José Ferrer) und ein Jude (Heinz Rühmann). Zwischen ihnen entspinnt sich dieser Dialog: Ferrer: "Die Juden sind an allem schuld." Rühmann: "Stimmt, die Juden und die Radfahrer." Ferrer: "Wieso die Radfahrer?" Rühmann: "Wieso die Juden?"

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Dokument erstellt am 2017-05-26 17:45:05
Letzte ─nderung am 2017-05-29 12:06:10




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