• vom 17.06.2017, 09:00 Uhr

Stadtleben


Fahrrad

Der Zweiradutopie ein Stück näher




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Von Matthias G. Bernold

  • Im Copenhagenize-Index der fahrradfreundlichsten Städte ist Wien heuer von Platz 16 auf Platz zwölf vorgerückt. Begründung: Das Tempo bei der Umsetzung verkehrspolitischer Maßnahmen zugunsten des Radverkehrs sei erhöht worden.

Copenhagenize Design Co.

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Wien. Die Veröffentlichung der aktuellen Wertung, die vom dänischen Stadtplanungsbüro rund um Fahrrad-Guru Mikael Colville-Andersen herausgegeben wird, sorgte bei Michael Rupp von der Mobilitätsagentur Wien sogleich für einen hocherfreuten Facebook-Kommentar inklusive Smiley-Emoticon. Scheint die verbesserte Wertung doch den verkehrspolitischen Kurs der Stadt Wien zu bestätigen: Hinter Barcelona und vor Paris landet Wien diesmal auf dem zwölften Platz.

Alle zwei Jahre erstellt das Stadtplanungsbüro rund um den dänischen Fahrrad-Guru Mikael Colville-Andersen den Copenhagenize-Index der radfreundlichen Städte.


Tatsächlich attestiert der auf der Copenhagenize-Website erschienene Wien-Bericht, dass die österreichische Bundeshauptstadt "nach Jahren vorsichtiger Baby-Schritte offenbar ihr Tempo (bei der radfreundlichen Verkehrsplanung. Anm.) erhöht hat". Insbesondere die heuer im Frühling gestartete Lastenradförderung durch die Stadt Wien - der Kauf von Lastenrädern wurde mit bis zu 1000 Euro pro Stück gestützt - kam bei den dänischen Testern gut an: "Die Entwicklung bei den Transporträdern in Wien ist beachtlich."

Positiv schlugen außerdem die verkehrsberuhigte Anmutung der Inneren Stadt sowie die Verkehrsberuhigung von wichtigen Straßen - gedacht wird hier etwa an die Mariahilfer Straße - zu Buche. Einige Radstrecken ließen außerdem die Vermutung zu, heißt es weiter mit einer gewissen Ironie, "dass die Stadtverwaltung über ein Netzwerk an Radverbindungen zumindest nachdenkt".

Kritikpunkt: Rad-Infrastruktur
Was Rupp von der Mobilitätsagentur besonders gefreut haben dürfte: das Lob für die Kommunikationsstrategie Wiens. "Die Stadt kommuniziert Radfahren als Mobilitätsform für den Alltag und will andere Städte mit ihrem Narrativ inspirieren." Allerdings - und damit beginnt der negative Teil der Kritik - hielten die tatsächlich umgesetzten Maßnahmen mit der guten PR-Arbeit nicht Schritt: Während Politiker gerne auf Mobilitätskonferenzen gehen, um über Fortschritt und Ideen in Wien zu berichten, wachse der Radfahreranteil in Wien wenig. Colville-Andersen fasst es im englischen Originalwortlaut so zusammen: "Vienna talks the talk but the time is now for walking the walk."

Der Copenhagenize-Index wird alle zwei Jahre erstellt. 2015 landete Wien auf Rang 16. Erstmals schaffte es die Stadt im Jahr 2011 unter die Top 20. 2013 fiel man wieder aus der Wertung. Auf Platz eins landeten auch heuer wieder Kopenhagen. Gefolgt von Utrecht und Amsterdam.

Kohlmarkt seit Juni geöffnet
Seit kurzem dürfen sich Wiens Radfahrende über einige neue Radstrecken freuen: Seit Juni sind Kohlmarkt und Teile des Grabens für Radfahrer geöffnet. Von 22 Uhr abends bis 10.30 Uhr in der Früh darf hier geradelt werden. Damit wird eine wichtige Radverbindung durch die Innere Stadt ermöglicht: Vom Donaukanal kommend können Radfahrer nun den 1. Bezirk über Salztorgasse, Tuchlauben, Kohlmarkt bis zum Michaelerplatz queren.

Ebenfalls möglich wurde das Befahren des Grabens zwischen Habsburgergasse und Kohlmarkt, wodurch auch in Gegenrichtung eine City-Querung entsteht. Zusammen mit der - erst vor kurzem - für den Radverkehr auch in Gegenrichtung befahrbaren Wipplingerstraße stehen in der Innenstadt jetzt einige leistungsfähige Radverbindungen zur Verfügung.

Neuer Getreidemarkt-Radweg
Nachdem sich Grüne und SPÖ über die neue Verkehrsorganisation des Getreidemarktes samt Radverkehrslösung kurzzeitig in die Haare gerieten, läuft nun dem Vernehmen nach wieder alles nach Plan. Trotz Protesten von Autofahrerclubs und Stadtopposition wird im Sommer zwischen Mariahilfer Straße und Lehargasse ein baulich getrennter Richtungsradweg errichtet. Rechtzeitig zu Schulbeginn im September 2017 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein, berichtet die Mobilitätsagentur.

Auch in der Gegenrichtung, zwischen Gauermanngasse und Babenberger Straße, entsteht ein neuer Richtungsradweg. Auf Höhe der Technischen Universität sollen neue, ampelgeregelte Zebrastreifen das Queren der stark und schnell befahrenen Straße sicherer machen.




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Fahrrad, Wien

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-16 20:53:12
Letzte nderung am 2017-06-16 20:59:05




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