• vom 19.06.2017, 16:18 Uhr

Stadtleben

Update: 20.06.2017, 15:32 Uhr

Grillen

Brandwunden sind Männersache




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Von Alexander Maurer

  • Falsche Anwendung von Grillanzündern gilt als häufige Unfallursache, im Stadtgebiet ist Funkenflug besonders gefährlich.

90 Prozent aller "Grillmeister" sind Männer - aber auch drei Viertel der jährlich 500 Verletzten durch Grillunfälle. - © Hendrik Schmidt dpa/lsn

90 Prozent aller "Grillmeister" sind Männer - aber auch drei Viertel der jährlich 500 Verletzten durch Grillunfälle. © Hendrik Schmidt dpa/lsn

Die verheerenden Folgen von Brennspiritus zeigt eine Feuerwehr-Demonstration.

Die verheerenden Folgen von Brennspiritus zeigt eine Feuerwehr-Demonstration.© KFV/apa/Hömandinger Die verheerenden Folgen von Brennspiritus zeigt eine Feuerwehr-Demonstration.© KFV/apa/Hömandinger

Wien. "Wird schon nichts passieren", waren wohl die letzten Gedanken, als der Spritzer Brennspiritus in die Grillkohle geschüttet wurde. Augenblicklich schießt eine meterhohe Stichflamme empor. Die Kleidung eines Kindes, das neugierig neben dem Griller steht, fängt sofort Feuer, die Flammen brennen sich in Sekunden durch den Stoff bis auf die Haut.

Glücklicherweise handelte es sich bei dem eben beschriebenen Schreckenszenario lediglich um eine Demonstration der Freiwilligen Feuerwehr, das Kind ist nur eine Schaufensterpuppe. Trotzdem stellt das sommerliche Grillen als Freizeitaktivität eine unterschätzte Gefahr dar. Für einige kann der als erholsam geplante Nachmittag mit einem Krankenhausbesuch enden.

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90 verletzte Wiener pro Jahr
"In Österreich verunfallen in den Sommermonaten pro Jahr 500 Menschen beim Grillen, das sind vier Verletzte pro Tag", betont Armin Kaltenegger, Leiter des Bereichs Recht und Normen beim Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) Montagvormittag. Bei 90 Personen handle es sich laut KFV-Schätzungen um Wiener, die ins Krankenhaus müssen.

Die häufigsten Verletzungen stellen Verbrennungen an Händen und Fingern dar, gefolgt von Verbrühungen und Schnittwunden. Diese werden oft von Stichflammen, dem heißen Grillrost, heißem Öl oder auch dem sorglosen Umgang mit Messern verursacht. Aber auch das Stolpern über Grillutensilien oder den Grill selbst kann laut KFV-Datenbank zu Knochenbrüchen führen. Bei einer Befragung von 500 Personen stellte die Organisation fest, dass sich viele Österreicher beim Grillen unbewusst einem Risiko aussetzen. "Es herrscht eine Atmosphäre der Sorglosigkeit. Zwei Drittel der Befragten sehen beim Grillen keine Gefahr", erklärt Kaltenegger. Dabei könnten nahezu alle Grillunfälle durch Prävention oder größere Vorsicht vermieden werden, betont er weiter. Vierzig Prozent der befragten Wiener sehen übrigens ihre eigene Unachtsamkeit als Verletzungsgrund an.

Leichtsinn ist die Wurzel vieler Unfälle. Und dieser ist - wie das Grillen an sich umgangssprachlich - "Männersache", weiß Kaltenegger. "In dieser Männerdomäne treten dann auch typisch männliche Verhaltensweisen an den Tag. Dazu zählen ein gemindertes Gefahrenbewusstsein und Selbstüberschätzung, mitunter durch Alkohol gefördert", erklärt er. Vor allem, wenn der "Grillmeister" die mäßig lodernde Glut mit Brandbeschleunigern befeuern will, entstehen die gefährlichsten Situationen. Arthur Eisenbeiss, Sprecher der österreichischen Brandverhütungsstellen, illustriert den Sachverhalt mit einem Beispiel "Die Gäste sind für zwölf eingeladen und um drei viertel zwölf ist die Kohle immer noch nicht richtig heiß. In der Zeitnot greift man öfters zu Benzin oder Brennspiritus", sagt er.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-19 16:23:08
Letzte nderung am 2017-06-20 15:32:07




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