• vom 20.06.2017, 14:06 Uhr

Stadtleben

Update: 20.06.2017, 14:58 Uhr

Zusammenleben

Barrierefreiheit ≠ Barrierefreiheit




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  • Im Rahmen eines Workshops haben sich Menschen mit unterschiedlicher Behinderung über das Thema Barrierefreiheit ausgetauscht und diesen Text verfasst.

Barrierefreiheit beginnt im Kopf.

Barrierefreiheit beginnt im Kopf.© APAweb / dpa, Fredrik von Erichsen Barrierefreiheit beginnt im Kopf.© APAweb / dpa, Fredrik von Erichsen

Waltraud will in den Urlaub fahren. Dafür muss sie zuvor einige Erkundigungen einholen, denn sie sitzt im Rollstuhl. Sie ruft bei einer Pension an - es heißt, sie sei barrierefrei. Voller Vorfreude fährt sie los. Doch die Freude vergeht, als sie bei der Pension ankommt. Es gibt Stufen vor dem Restaurant. Die Toilette ist zwar barrierefrei, aber der Gang dorthin so eng, dass sie mit dem Rollstuhl nicht durch kommt.

Von solchen und ähnlichen Geschichten können viele Menschen ein Liedchen singen. Barrierefreiheit ist zwar in der Politik angekommen, viel hat sich getan in den letzten Jahren. Doch manchmal hat man den Eindruck, die Leute wissen gar nicht, was Barrierefreiheit überhaupt bedeutet. Das zeigt zum Beispiel auch ein Anruf bei einer Bowlingbahn. Christina fragt, ob sie denn barrierefrei wäre. Die Antwort offenbart einen recht legeren Umgang mit dem Thema. Außer "Ja, ein paar Stufen gibt es schon" und "das wird schon irgendwie gehen" bekommt sie keine brauchbaren Informationen.

Beim Thema Barrierefreiheit geht es jedoch nicht nur um Rampen und Hilfen für Menschen im Rollstuhl. Auch alte Menschen und Eltern mit Kinderwägen haben im Alltag oft Probleme. Viele können komplizierte Artikel in Zeitungen nicht verstehen und sind auf "Leichter Lesen" angewiesen.

Gerhard, der einen Stock zum Gehen braucht, erzählt, dass er in vollen U-Bahnen immer um einen Sitzplatz fragen muss. Andere sagen, die Leute würden kaum auf die Seite gehen, um ihnen den Weg in die U-Bahn freizumachen. Doch es gibt auch positive Beispiele. Hannes und Pia sitzen beide im Rollstuhl. Sie erzählen, dass sie viele gute Erfahrungen mit hilfsbereiten Menschen gemacht haben.

Michaela, die auch im Rollstuhl sitzt, findet, dass es oft schwierig ist herauszufinden, was denn nun barrierefrei ist. Sie weiß nicht recht, an wen sie sich wenden muss, um die notwendigen Informationen zu bekommen. Und wenn sie welche bekommt, sind sie oft falsch.

Menschen, die täglich mit dem Thema konfrontiert sind, wissen, dass es noch viel zu tun gibt. Sicher, der öffentliche Verkehr ist großteils barrierefrei aber das sollte sowieso kein Thema mehr sein. Schließlich wollen wir doch im 21. Jahrhundert keine Menschen diskriminieren. Barrieren tuen aber genau das.

Barrierefreiheit beginnt im Kopf. Barrierefreiheit bedeutet Toleranz.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-20 14:10:35
Letzte ńnderung am 2017-06-20 14:58:28




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