• vom 10.07.2017, 17:34 Uhr

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Update: 10.07.2017, 18:01 Uhr

IKG

Proteste gegen Pächterwechsel bei jüdischem Buchgeschäft




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  • Der Vertrag des Shops im Jüdischen Museum wurde gekündigt. Per Online-Petition wird für den Erhalt gekämpft, auch ein Flashmob ist geplant.

Das jüdische Buchgeschäft Singer in der Dorotheergasse.

Das jüdische Buchgeschäft Singer in der Dorotheergasse.© Alexia Weiss Das jüdische Buchgeschäft Singer in der Dorotheergasse.© Alexia Weiss

Wien. (rös) Das jüdische Buchgeschäft Singer im Erdgeschoß des Jüdischen Museums in der Dorotheergasse wird es - zumindest in bestehender Form - nicht mehr lange geben. Das hat die Betreiberin Dorothy Singer via Facebook kundgetan. Der Grund: Der Pachtvertrag wurde seitens des Eigentümers - das jüdische Museum - mit einer Frist von einem halben Jahr gekündigt. Ein neuer Pächter ist bereits unter Vertrag.

Der Protest ließ nicht lange auf sich warten: Umgehend wurde eine Online-Petition für den Erhalt der bestehenden Buchhandlung gestartet und binnen kürzester Zeit gab es mehr als 1000 Unterschriften. Auch ein Flashmob soll noch diese Woche stattfinden, wie am Montag zu erfahren war.

Die Aufregung dürfte deshalb so groß sein, weil sich das Buchgeschäft einer großen Fangemeinde erfreut. So gilt die Buchhandlung Singer als Anlaufstelle für Literatur und Informationen über die jüdische Geschichte und das heutige jüdische Leben in Wien. Verkauft werden dort auch Tonträger, Souvenirs - und Ausstellungskataloge des Museums.

Seit sieben Jahren Streit

Letztere dürften mit ein Grund für den gewünschten Wechsel sein: Denn die Museumskataloge dürften nach dem Geschmack der Museumsdirektorin Danielle Spera zu wenig angepriesen worden sein. "Sieben Jahre lang habe ich versucht zu erklären, dass wir einen Shop für das Museum brauchen und nicht einen Shop neben dem Museum", betont Spera im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Nie seien Museumskataloge in der Auslage ausgestellt gewesen, beklagt sie. Auch die vertraglich festgelegte Anzahl von den auf Tischen aufzulegenden Katalogen im Geschäft sei nicht eingehalten worden.

Nachdrücklich erklärt die Direktorin, dass die Buchhandlung ohne Unterbrechung eine solche bleiben werde - "nur noch viel besser", so Spera.

Geplant ist, die Bücherei stärker mit dem Museum und seinen Ausstellungen zu verschränken. Geht es bei einer Ausstellung etwa um koscheres Essen, dann würde man künftig auch einen entsprechenden Schwerpunkt in der Buchhandlung setzen - inklusive Lesungen, Autogrammstunde usw. "Oder wenn es eine Ausstellung über Helena Rubinstein gibt, wird es in der Buchhandlung auch Biografien über andere Kosmetik-Queens geben - alles, was thematisch zusammengehört, erklärt Spera. Auch Designstücke sollen angeboten werden, wenn sie zur Thematik passen. Derzeit sei diese Struktur nicht vorhanden - und das soll sich ändern. Ebenso der Tatsache, dass 50 Prozent der Museumsbesucher aus dem Ausland kommen, wolle man stärker Rechnung tragen und etwa Bücher über das jüdische Wien auch auf Englisch anbieten.

"Normaler Betriebswechsel

Abgesehen davon versteht Spera die Aufregung nicht, wie sie betont. "Das ist ein normaler Betriebswechsel, wie er in jedem anderen Museum vorkommt". Sie vermutet angesichts der bevorstehenden IKG-Wahl eine Kampagne gegen sich und das Museum.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-10 17:39:03
Letzte nderung am 2017-07-10 18:01:12




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