• vom 07.08.2017, 17:29 Uhr

Stadtleben


Prater

Raus aus dem Alltag




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Von Bernd Vasari

  • Für den Fotografen Frank Robert ist der Wurstelprater ein Ort, an dem man die Wirklichkeit vergisst.

Frank Robert

Frank Robert

Wien. Der immer gleiche Tagesablauf, die Anpassung an die konforme Gesellschaft, der Stress, um über die Runden zu kommen. Wer den Alltag in der westlichen Welt überleben will, muss funktionieren. Doch oftmals möchte man vor dieser Welt fliehen, man sehnt sich nach dem Ausbruch aus diesem Hamsterrad.

Ein wunderbarer Ort, um die Wirklichkeit zu vergessen, ist der Wurstelprater. So sieht es auch der Fotograf Frank Robert. In den vergangenen Jahren porträtierte er den Vergnügungspark im 2. Bezirk mit zahlreichen Aufnahmen. 78 dieser Fotos werden nun unter dem Titel "Endstation Sehnsucht" in der Brotfabrik ausgestellt. "Ich habe versucht, einzelne Personen zu fotografieren, die mit dieser Welt verschmelzen", erklärt der Fotograf. Darunter ein Mann, der zum Schlag ausholt, zwei Kinder, die auf eine scheinbar ausweglose Hecke zufahren, eine abgestellte Draculafigur der Geisterbahn, die im Schnee zu frieren scheint.


Als Robert 2005 nach Wien zog, war er als Erstes davon fasziniert, dass der Prater immer da ist. Selbst im Winter könne man zwischen den notdürftig mit Plastikplanen abgedeckten Fahrgeschäften umherlaufen und fotografieren. Das sei in keiner anderen Stadt vorstellbar.

Nervenkitzel
und Lautstärke

Ein starkes Motiv ist für Robert die Vergänglichkeit. "Dadurch, dass die Attraktionen immer der Witterung ausgesetzt sind, frisst sich die Zeit in sie hinein, dann sagen die Bilder auch etwas über das Leben und die Zeit im Allgemeinen aus", sagt er.

Zudem gehe es im Prater um Sehnsüchte. "Der Prater reißt die Besucher aus ihrem Alltag heraus. Durch den Nervenkitzel, die Lautstärke und den ganzen visuellen Wahnsinn verliert man sich leicht in der Praterwelt und vergisst für einen Moment, was wirklich ist", sagt er. Dort könne man aussteigen und ist dann gleich in Amerika oder in Paris, oder an welchem Ort auch immer.

Komplett ausgespart hat er die "neuen HighTec-Attraktionen, die sehr austauschbar sind, die Indoor-Fahrgeschäfte, und den neuen Pratervorplatz am Riesenrad."

Die quadratischen Aufnahmen wurden mit einer analogen 6x6 Mittelformatkamera geschossen. Zehn Jahre lang hat der Fotograf an der Praterserie gearbeitet. Das 250-Jahres-Jubiläum im vergangenen Jahr nahm er dann zum Anlass, sein Projekt abzuschließen.

Für Robert hat sich der Prater über die Jahrhunderte seine Tradition bewahrt: "Er versucht bis heute noch starrköpfig, die Besucher zu amüsieren, und brüllt ihnen lauthals hinterher."

"Endstation Sehnsucht.
Der Wiener Prater"

Brotfabrik Wien, 10., Absberggasse 27

Mittwoch bis Samstag 13 bis 18 Uhr

www.brotfabrik.wien




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Dokument erstellt am 2017-08-07 17:34:05




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