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Update: 08.08.2017, 19:49 Uhr

Artenschutz

Ein Königreich für ein Ziesel




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Von Alice Pfitzner

  • Zwischen Rebzeilen und Äckern versteckt sich in Stammersdorf ein Paradies der Artenvielfalt.

Das europäische Ziesel wird 23 Zentimeter groß.

Das europäische Ziesel wird 23 Zentimeter groß.© apa/J. Stefan Das europäische Ziesel wird 23 Zentimeter groß.© apa/J. Stefan

Wien. Stammersdorf im 21. Bezirk. Die Region am Fuße des Bisambergs wird schon seit der Römerzeit intensiv durch Weinbau bewirtschaftet, denn großflächige Lößdecken und das pannonische Klima bieten gute Voraussetzungen für diese Art der Landwirtschaft.

Aber nicht nur der Wein fühlt sich hier wohl: Die Kombination von Lößboden und Landwirtschaft hat zur Entstehung von Hohlwegen geführt, die gesäumt von Hecken den perfekten Nährboden für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten bilden. Hinzu kommt, dass das Gebiet aus kleinteiligen Grundstücken besteht und somit eine abwechslungsreiche Landwirtschaft betrieben wird. Zwischen den Weinbauflächen werden Äcker bewirtschaftet, hier und da findet sich auch ein brachliegendes Feld.


Josef Mikocki, ein Biologe der MA22, sieht in eben dieser Abwechslung auch den Grund dafür, dass sich am Wiener Teil des Bisambergs eine besonders reichhaltige Flora und Fauna entwickeln konnte. "Von A wie Admiralfalter bis Z wie Zwerg-Geißklee - für jeden Buchstaben des Alphabets lässt sich hier eine geschützte Tier- oder Pflanzenart finden", sagt er stolz.

Auf Bestreben der Wiener Umweltschutz-Abteilung (MA22) wurde das Areal daher 2004 in die Natura 2000 Gebiete aufgenommen, ein von der EU gefördertes Netzwerk von Schutzgebieten, das sich länderübergreifend um die Sicherstellung der Artenvielfalt Europas kümmert.

Zu den bekanntesten Vertretern der Stammersdorfer Artenvielfalt gehört ein Tier, das immer wieder im Rahmen von großangelegten Bauprojekten für Schlagzeilen sorgt: das Ziesel. Die mit dem Murmeltier verwandten Nager stehen auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten und werden streng geschützt. Während sie früher nahezu überall anzutreffen waren, hat sich der Bestand über die Jahre bedenklich dezimiert. Der Hauptgrund ist natürlich die zunehmende Zerstörung ihrer Lebensräume.

In Wien leben rund 8500 Tiere, das sind 20 bis 30 Prozent der Gesamtpopulation der österreichischen Ziesel. Dreiviertel davon leben in der Region rund um Stammersdorf, das übrige Viertel im Süden der Stadt. Wiederum drei Viertel von ihnen befinden sich in Naturschutzgebieten, was den Erhalt ihres Bestands erleichtert.

Bei der Sicherstellung der Artenvielfalt arbeitet die Stadt Wien nicht im Alleingang: Laut Wolfgang Khutter, dem stellvertretenden Leiter der MA22, sorge man gemeinsam mit Winzern, Landwirten und NGOs dafür, dass die überlebensnotwendigen Hohlwege gepflegt und von Gehölz freigeräumt werden. Besonders wichtig sei auch das seltenere Mähen der Grünflächen, das zu einer besseren Entwicklung der Biodiversität führe. Wer sich bereit erklärt, seine Wiese seltener zu mähen, darf sich daher auch über ein bisschen Geld aus dem Förderungstopf freuen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-08 17:27:07
Letzte nderung am 2017-08-08 19:49:12




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