• vom 29.09.2017, 20:31 Uhr

Stadtleben


Tanzen

Das Schweigen der Tänzer




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Von Alexander Maurer / WZ Online

  • Der "Silent Waltz" am Samstag, 30. September im Stadtpark soll die Wiener mehr für die Ballsaison begeistern.

Der erste Silent Waltz l ockte Tanzbegeisterte am 14. Jänner dieses Jahres in die Herrengasse. - © Florian Wieser

Der erste Silent Waltz lockte Tanzbegeisterte am 14. Jänner dieses Jahres in die Herrengasse. © Florian Wieser

Wien. Johann Strauß Sohn hat zu Lebzeiten viele weltweit geachtete Opern, Operetten und vor allem Walzer geschrieben. "An der schönen blauen Donau" (besser bekannt als "Donauwalzer"), "Geschichten aus dem Wienerwald", "Wiener Blut", "Wiener Blut", die Serail-Tänzer oder der Kaiserwalzer sind einige der bekanntesten aus seiner Feder stammenden Stücke. Am 30. September wird man vor seinem Denkmal im Stadtpark aber nichts davon hören. Und dann wieder doch. Denn von 15 bis 17 Uhr findet dort auf Betreiben der Initiative "Wien tanzt" der sogenannte "Silent Waltz" statt. Für Zuschauer ein stummes Spektakel, denn alle Tanzbegeisterten, die mitmachen, werden mit Funkkopfhörern ausgestattet.

So wird eine Walzerformation ohne Großraumbeschallung im Stadtpark möglich. "Prinzipiell wollen wir einfach Stimmung machen und die Wiener und auch Touristen dazu animieren, auch mal im Freien zu tanzen. Wir merken aber auch stark, dass viele Tanzbegeisterte oft erst mitten in der Ballsaison drauf kommen, dass sie ihr Können gerne auffrischen möchten. Vor allem im Jänner haben wir dann sehr viele Anfragen für Privatstunden und Crashkurse", erklärt Karin Lemberger, Fachgruppenobfrau der Wiener Tanzschulen und Chefin der Tanzschule Dorner, gegenüber der "Wiener Zeitung".

Quadrille zum Faschingsbeginn

Auch wenn die Veranstaltung "Silent Waltz" heißt, gibt nicht nur der Dreivierteltakt den Ton an. "Wir spielen auch Foxtrott, Langsamen Walzer, Cha Cha und Rumba – einfach alles, was man auf einem gesellschaftlichen Event braucht", so Lemberger. Auch eine Quadrille ist eingeplant, die von anwesenden Tanzlehrern über die Kopfhörer angesagt wird. Mit einer öffentlichen Quadrille wird auch die Ballsaison zum Faschingsbeginn am 11. November eingeläutet. Die Veranstaltung am Graben kommt dann jedoch ohne Kopfhörer aus, erklärt Lemberger.

Die Ballsaison wird vor allem in der Donaumetropole mit einer Vielzahl an Tanzveranstaltungen begangen. Zu den größten Vertretern gehören unter anderem zahlreiche Bälle in der Hofburg, vom Silvesterball über Bälle von Wirtschaftsuniversität, Pharmacie, Zuckerbäckern und Ärzten bis zum Kaffeesiederball. Aber auch anderorts wird ein flotte Sohle aufs Parkett gelegt, sei es nun am Blumenball oder Rotkreuzball im Rathaus, dem Philharmonikerball im Musikverein oder dem Bonbonball im Konzerthaus. Nicht zu vergessen natürlich der Opernball in der Staatsoper. Der Wiener Wirtschaft bringt die Ballsaison jährlich Einnahmen von geschätzten 131 Millionen Euro. Sind drei Viertel der Tanzbegeisterten Wiener, kommen jährlich rund 60.000 Ballbesucher aus den Bundesländern und an die 55.000 aus dem Ausland zum Walzen in die Bundeshauptstadt.

Die Wiener Ballsaison gehörte bis 2012 sogar zum immateriellen österreichischen Unesco-Kulturerbe. Diskussionen um den von deutschnationalen Burschenschaften organisierten und FPÖ-nahen Akademikerball, der sich ebenfalls unter den angeführten Veranstaltungen befand, kosteten die Ballsaison dann aber ihren Listenplatz.

Stilles Clubbing als Inspiration

Der erste "Silent Waltz" fand im Jänner dieses Jahres in der Herrengasse statt. Rund 60 Pärchen gaben sich damals mit Kopfhörern dem Dreivierteltakt hin. "Die Tänzer hatten damals trotz schlechten Wetters großen Spaß", erinnert sich Karin Lemberger. Abgeleitet ist die Eventreihe neben "stillen" Lesungen und Vorträgen mit Kopfhörern von der sogenannten "Silent Disco", der sie wohl am ähnlichsten ist. Angefangen hat es mit Experimenten von Umweltaktivisten, um Outdoor-Partys in der Natur verträglicher für die Wildtiere im Umfeld zu machen. Nach ersten Gehversuchen auf Konzerten, wie dem britischen Glastonbury Festival, hat sich das Konzept auch im deutschsprachigen Raum weit verbreitet.

Bei einer Silent Disco werden zwei unterschiedliche Funkkanäle der Kopfhörer gleichzeitig bespielt, sodass die Teilnehmer sich ihre Musik selbst wählen können, wie man beim Wiener Eventveranstalter und Silent-Disco-Spezialist "Strolzevents" erklärt. Außerdem biete sich für die Besucher die Möglichkeit, auch mal abzuschalten und eine Tanzpause einzulegen, um in Ruhe etwas zu trinken oder miteinander zu reden, heißt es dort überdies. "Strolzevents" stellt auch die Kopfhörer für den "Silent Waltz" zur Verfügung, jedoch nur mit einer Musikfrequenz. "Damit alle im gleichen Takt tanzen", erklärt der Veranstalter.

Silent Discos finden in Wien immer wieder an unterschiedlichen Orten statt. Auch öffentliche Plätze werden zum Club umfunktioniert. Beispielsweise im Rahmen der Gehsteigdiscos, die im Sommer unter anderem auf der Wiental-Terrasse, am Karlsplatz, dem Meidlinger Markt und sogar in einigen Schwimmbädern veranstaltet wurden. Auch das Werkstätten- und Kulturhaus (Wuk) in der Währinger Straße veranstaltet die stummen Clubbings. Der nächste Termin ist am 25. Oktober ab 23 Uhr. Ruhebedürftige Nachbarn werden sich wohl ausnahmsweise freuen.

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Tanzen, Wiener Stadtpark

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-29 19:04:26
Letzte nderung am 2017-09-29 19:09:03




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