• vom 02.10.2017, 16:49 Uhr

Stadtleben

Update: 02.10.2017, 21:24 Uhr

Freiwilligenarbeit

Im Einsatz für die Gesellschaft




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Mit der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 in Deutschland und der Abschaffung des Zivildienstes wurde der Bundesfreiwilligendienst geschaffen. Zusätzlich zu den bereits bestehenden Jugendfreiwilligendiensten. Mittlerweile gibt es 90.000 bis 100.000 Plätze für Freiwilligendienste. Ein Aspekt dabei ist, die Altersöffnung. Der Bundesfreiwilligendienst ist nicht mehr nur für junge Leute wie der Zivildienst. 40 Prozent der rund 35.000 Plätze werden von über 27-Jährigen wahrgenommen.

Warum hat man diese Altersöffnung festgelegt?

Dabei ging es sicherlich um die Frage, wie man die vielen wegfallenden Zivildiener ersetzen kann. Der Bundesfreiwilligendienst ist zum Teil in Bereiche gegangen, die bisher der Zivildienst gemacht hat, etwa in den Katastrophenschutz.

Das birgt wohl die Gefahr, dass Vollzeit-Arbeitskräfte möglicherweise unter dem Deckmantel Freiwilligendienst nicht bezahlt werden.

Ja, das ist wahrlich problematisch. Der Freiwilligendienst sollte in erster Linie keine Dienstleistung sein, vielmehr sollte die Verbindung von Bildung und Engagement im Vordergrund stehen. Junge Erwachsene befinden sich in einem Entwicklungsprozess - wie gestalte ich mein Leben weiter, was möchte ich beruflich machen. Die Attraktivität resultiert daraus, dass Freiwilligendienste Orientierungs- und Bildungsprozesse ermöglichen. Mit dem Bundesfreiwilligendienst ist aber die Tendenz verstärkt worden, die Freiwilligendienste als Dienstleistung zu nutzen. Ich halte das für eine schwierige Entwicklung. Laut Gesetz müssen diese Dienste arbeitsmarktneutral sein, das heißt, durch diese Dienste dürfen keine Tätigkeiten ersetzt werden, die durch Erwerbsarbeit erfasst werden können. Das ist eine Grauzone. Viele Träger achten sorgfältig darauf, andere nicht. Da hört man dann Sätze wie: "Ohne unseren Freiwilligen könnten wir unser Unternehmen gar nicht aufrechterhalten." Das geht nicht.

Aber es heißt doch immer, dass ohne die vielen Freiwilligen - in Österreich erbringt fast die Hälfte der Bevölkerung unentgeltliche Leistungen - unsere Gesellschaft zusammenbrechen würde.

Allerdings gibt es einen Unterschied. Freiwilliges Engagement lebt vom Prinzip der Freiwilligkeit. Hier ist eine Anerkennungskultur wichtig, sonst bleiben die Freiwilligen weg, denn sie sind nicht vertraglich gebunden. Freiwilligendienste hingegen sind Vollzeitdienste mit Vertrag. Die Gefahr, diese Dienste zu instrumentalisieren ist größer als in anderen Formen des Engagements. Ein anderes Problem ist, dass der Bundesfreiwilligendienst für lange Zeit für erwerbslose Menschen zu einem unbefriedigenden Ersatz für die Integration in Erwerbsarbeit geworden ist. Beim Bundesfreiwilligendienst sind 60 Prozent der über 27-Jährigen langzeitarbeitslos.

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Dokument erstellt am 2017-10-02 16:54:05
Letzte nderung am 2017-10-02 21:24:04




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