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Update: 11.10.2017, 11:37 Uhr

Start-ups

Das Ende der Goldgräber




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Von Daniel Eberharter

  • Der Coworking Space Sektor 5 war der erste seiner Art in Wien und eine Institution für die Startup-Community. Mit Ende November werden seine Pforten geschlossen. Was ist schiefgelaufen?



Still ist es geworden in den Räumlichkeiten des Sektor 5.

Still ist es geworden in den Räumlichkeiten des Sektor 5.© Hnatenko Still ist es geworden in den Räumlichkeiten des Sektor 5.© Hnatenko

Wien. Vergangene Woche gab Sektor 5 bekannt, mit Ende November die Pforten zu schließen. Der Coworking Space mit dem hauseigenem Startup-Förderprogramm 5starts beruft sich in einer Pressemitteilung auf Schwierigkeiten, Fördermittel für Startups in der Frühgründungsphase zu lukrieren. Da 5starts genau diese Startups ansprechen möchte, ist das erklärte Ziel zum Scheitern verurteilt, aber trotzdem kein Scheitern, wie die Betreiber Floor Drees und Yves Schulz beteuern: Die bisher aufgenommen Startups werden weiterhin betreut, wenn auch an einem anderen Ort. Neue Startups werden fürs Erste nicht in das Programm aufgenommen.

Dass auch der Grundstock des Sektor 5, der Coworking Space, geschlossen wird, ist für viele Betroffene in der österreichischen Szene jedoch der größere Verlust. Seit der Bekanntgabe auf der Facebook-Seite des Sektor 5 können sich Drees & Schulz vor Zusendungen und Unterstützung kaum wehren. Das rührt Drees, und doch ist die Entscheidung final. Sie möchten auch keine Rettung durch Crowdfunding.

Unabhängiges Arbeiten

Das Konzept Coworking Space ist vor allem in der Startup- und Internetbranche ein international bekanntes und geschätztes Modell: In erster Linie stellt ein Coworking Space die Infrastruktur eines Büros niederschwellig zur Verfügung: Schnelles Internet, guter Kaffee, ein Drucker und ein Tisch - das alles zu einem guten Preis. Es sind hauptsächlich selbstständige Einzelunternehmer und Startups in der Frühphase, die von diesem Angebot Gebrauch machen. Der Sektor 5 wurde 2011 von Yves Schulz und Karin Ruthard gegründet, weil dieses großartige Konzept eines unabhängigem Arbeitsumfelds in Österreich damals noch fehlte. Sehr fehlte.

Die Idee kam gut an. Das Grätzel zwischen Reinprechtsdorferstraße und Karlsplatz galt in den frühen 2010er Jahren in der Technologie- und Startup-Szene gar als mögliche Antwort Österreichs auf das Silicon Valley: Nicht nur Szenelokale und Treffpunkte für ideenreiche Programmierer wie das WerkzeugH, Cocoquadrat, sondern auch die Gründungen von Speedinvest und i5-Invest im Grätzel schufen eine Goldgräberatmosphäre, die manche Menschen in den abschüssig gelegenen Arbeiterbezirk lockten.

Hier, dachte so mancher, wird man sich auf der Straße über den Weg laufen, lernt sich kennen, hilft sich gegenseitig aus, bespricht Ideen und trifft auf spendierfreudige Investoren. Die Goldgräberstimmung verpuffte schnell, die Investoren zogen in echte Hipsterviertel, und trotzdem wurde der Sektor 5 schnell zum Zentrum einer aufregenden Entwicklung. Was war das Besondere an diesem etwas verstaubten Ort, an dem die Türschnalle nie ordentlich repariert wurde?

Der Mehrwert des Sektor 5 ging weit über die simple Bereitstellung von Tischen und Druckerpapier hinaus. Es gab eine bunte, technikaffine Community, die man sonst nur aus Erzählungen aus San Francisco kennt. Nahezu täglich fanden gleich mehrere Netzwerktreffen, Workshops, Hackathons, Vorträge, Podiumsdiskussionen und After-Work-Bierchen an mehreren Orten im 600 m2 großen Areal des Sektor 5 statt. Der Sektor 5 schuf die idealen Lebensbedingungen für den Organismus der Gemeinschaft. Hier war etwas los, und wenn man in Österreich etwas mit Apps und dem Internet zu tun, oder schlicht einer tollen Idee im Technologiesektor hatte, kam man am Sektor 5 nicht vorbei. Man half sich dabei, Ideen zu entwickeln und auf die Beine zu stellen, man lernte sich kennen, gründete Start-Ups aus dem Nichts.

Thomas Schranz, Programmierer und Mitgründer des Projektmanagement-Tools "blossom" kennt den Sektor 5 seit seiner Gründung und nennt "serendipity" (Zufallsbegegnung, dt.) als ausschlaggebend. Während man das Schicksal nicht bestellen kann, wurde die Zufallsbegegnung im Coworking Space mit einer guten Community nahezu auf einem Tablett serviert oder zumindest ermöglicht.

Schranz verweist auf eine Grundeinstellung: "Selbst mit einer guten Idee trifft man oft nur auf Widerspruch. Das ist auch ein sehr österreichisches Problem. Nein, das geht nicht; Nein, das interessiert niemanden; Nein, das ist zu teuer. Der Sektor 5 hat nie Nein gesagt".

Offene Atmosphäre

Laura Gaetano ist Webentwicklerin und Mieterin im Sektor 5. Sie veranstaltet Workshops und Meet-Ups, wie Rails Girls, die Frauen im Programmiersektor unterstützt. Sie schätzte vor allem die offene und gemütliche Atmosphäre der Räumlichkeiten in der Siebenbrunnengasse, in denen man sich als Besucher sofort willkommen fühlt. Man wird rasch Teil der Gemeinschaft. "Im Sektor 5 wird man nicht nach Kriterien von Coolness oder dem Vermögen beurteilt, sondern nur nach dem, was du machen willst. Das war sehr befreiend." Sowohl Gaetano und Schranz veranstalteten regelmäßig Meet-Ups und Hackathons im Sektor 5. Durch die Bereitstellung von günstigen Veranstaltungsräumen für Communityevents gelang es dem Sektor 5, den Nährboden für die Szene zu schaffen.

Einer der größten Netzwerktreffen in der österreichischen Startup-Szene ist der AustrianStartups Stammtisch. Dieser fand im monatlichen Rhythmus statt und wuchs sehr schnell zum bedeutendsten Communitytreffen an, mit Gästen, die heute etwa in der Jury der Fernsehshow "4 Minuten 4 Millionen" sitzen. Auch hoher Besuch fand regelmäßig den Hinterhofeingang in der Siebenbrunnengasse: Zu Beginn des Jahres war Bundeskanzler Christian Kern auf Promotiontour zu Gast um den damals druckfrischen Plan A in Hinsicht auf Startups zu präsentieren.

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Schlagwörter

Start-ups, Sektor5, Wirtschaft

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-10 16:00:05
Letzte nderung am 2017-10-11 11:37:47




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