• vom 10.10.2017, 21:30 Uhr

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Update: 10.10.2017, 21:57 Uhr

Bundesheer

Wachsoldat erschoss Kollegen in Kaserne




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  • Schütze tötete am Montag 20-jährigen Kollegen - noch ist unklar, ob der Schuss absichtlich abgegeben wurde.

Beim Bundesheer herrschte am Dienstag große Bestürzung.

Beim Bundesheer herrschte am Dienstag große Bestürzung.© APAweb, Hans Punz Beim Bundesheer herrschte am Dienstag große Bestürzung.© APAweb, Hans Punz

Wien. Am Tag, nachdem in einem Wiener Amtsgebäude des österreichischen Bundesheeres ein Rekrut mit einem Kopfschuss getötet wurde, sind noch viele Fragen offen. Der Schütze wurde zwar noch nicht einvernommen, aber im Vorfeld habe es keinen Streit zwischen den beiden gegeben, berichtete Polizeisprecher Patrick Maierhofer am Dienstag. Der Schuss fiel im Ruheraum.

Der Zeuge - ein Wachkommandant, der sich zum Zeitpunkt des Schusses Montagabend um 19.13 Uhr im vorderen Bereich des Wachcontainers in der Vorgartenstraße in der Leopoldstadt aufgehalten hatte - habe bei seiner Einvernahme nicht viel Aufschluss über die Geschehnisse geben können, sagte Maierhofer. Er war bei dem Vorfall nicht dabei. Er beobachtete nur, wie der 22-jährige Wachkommandant-Stellvertreter in den Ruheraum ging, danach fiel der Schuss. Der 20-Jährige erlitt einen Kopfschuss und verstarb. Sein Kamerad wurde festgenommen. Tatwaffe war das Sturmgewehr 77, das zur Standardausrüstung eines Soldaten in Österreich gehört. Ob der Schuss absichtlich abgegeben wurde oder ob es sich um einen Unfall handelte, war noch völlig unklar.


Am Dienstagvormittag wurde der 22-jährige gebürtige Salzburger erstmals einvernommen, was laut Polizeisprecher Maierhofer einige Stunden in Anspruch nehmen wird. Die Tatortarbeit des Landeskriminalamts Wien in dem Wachcontainer in der Vorgartenstraße war ebenfalls noch nicht abgeschlossen. Der 20-jährige Wiener und sein 22-jähriger Kamerad dürften nicht zerstritten gewesen sein. Auch der Zeuge berichtete, dass es im Vorfeld keine Auseinandersetzung gegeben habe, so Maierhofer.

Opfer war mit dem bei Marsch gestorbenen Toni P. befreundet
Indes berichtet der "Kurier" über ein makabres Detail. Demnach war der 20-Jährige der Zimmerkamerad des nach einem Marsch im August verstorbenen Rekruten Toni P. (19). Das sagte der der Schwager des Opfers dem "Kurier", und auch das Bundesheer bestätigt, dass die Männer gemeinsam die Grundausbildung absolviert haben und befreundet waren.

Beim Bundesheer herrschte am Dienstag große Bestürzung. Vor allem der Ausbildner des 22-jährigen Schützen zeigte sich betroffen. Der junge Mann sei der "beste Soldat, den er in den letzten Jahren hatte" und bisher "nur positiv aufgefallen", berichtete Oberst Michael Bauer vom Verteidigungsministerium. Der 22-jährige Salzburger wurde zwei Monate lang zum Wachkommandanten ausgebildet. Dabei wurde er auch im Umgang mit der Waffe angelernt. Der 20-Jährige, der von dem Schuss des Salzburgers tödlich getroffen wurde, erhielt eine vierwöchige Basisausbildung und wurde dann drei Wochen zum Wachsoldaten ausgebildet, sagte Bauer.

Normalerweise schieben drei Soldaten 24 Stunden lang Wache. In dem Fall waren der Wachkommandant - der Zeuge -, der 22-Jährige als sein Stellvertreter und der 20-jährige Wachsoldat im Einsatz. Der Dienst begann zu Mittag. Sieben Stunden später fiel in dem Wachcontainer der Schuss. Wie es zu dem schrecklichen Vorfall kommen konnte, untersucht die Polizei derzeit noch. Aber auch das Bundesheer hat eine Untersuchung eingeleitet.

Ausgerüstet sind die Soldaten mit einem Sturmgewehr 77. Sie haben die Verpflichtung, die Waffe halb geladen bei sich zu tragen. Das heißt, das Magazin mit der Munition ist zwar angesteckt, doch sollte abgedrückt werden, löst sich kein Schuss. Dafür muss die Waffe zunächst geladen und abgedrückt werden.




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Dokument erstellt am 2017-10-10 21:36:03
Letzte ─nderung am 2017-10-10 21:57:27




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