• vom 12.10.2017, 16:07 Uhr

Stadtleben

Update: 13.10.2017, 20:58 Uhr

Jüdische ÖH

"Es ist der alte Rechtsextremismus"




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Von Alexia Weiss

  • Für die Jüdische ÖH ist der Antisemitismusskandal am Juridikum immer noch nicht bereinigt.

Benjamin Hess fordert Diversity-Pflichtfach.

Benjamin Hess fordert Diversity-Pflichtfach.© Stanislav Jenis Benjamin Hess fordert Diversity-Pflichtfach.© Stanislav Jenis

Wien. "Jüdische Studierende sind an Österreichs Universitäten heute kaum noch persönlich mit antisemitischen Anfeindungen konfrontiert", sagte der Co-Vorsitzende der Jüdischen österreichischen HochschülerInnen (Jöh), Benjamin Hess, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung." Er ist auch Vizepräsident der European Union of Jewish Students (EUJS) und weiß, dass das nicht überall so ist. Europaweit gibt es an die 180.000 Studierende. Vor allem in jenen Ländern, in denen die Boykottbewegung gegen Israel, BDS (Boycott, Divestment, Sanctions) stark ist, werde das Unileben für manche jüdische Studierende zum Spießrutenlauf.

In Österreich habe sich vor allem die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) an der Universität Wien von sich aus klar gegen BDS positioniert. Insgesamt sei BDS - und damit auch der Antisemitismus im studentischen Milieu - hierzulande kaum Thema. Die ÖH der Universität Wien sei zudem grundsätzlich eine starke Partnerin der Jöh: Sie hat auch die internationale Antisemitismusdefinition für ihren Wirkungsbereich beschlossen. "Die ÖH an der Uni Wien nimmt hier eine Vorreiterrolle ein."


Derzeit laufen Gespräche, dass auch die bundesweite ÖH diese Definition beschließt. "Besonders, was das heikle Thema Israelkritik angeht, ist die Abgrenzung oft sehr schwierig. Diese Definition ist ein sehr objektiver Leitfaden." Es müsse noch viel mehr das Bewusstsein von ÖH-Mitarbeitern, aber auch Studierenden dafür gestärkt werden, einzuschätzen "was ist antisemitisch, was nicht, was ist legitime Israel-Kritik, was ist Verhetzung. Das wäre ein wichtiger Schritt."

Im Frühjahr waren Screenshots aus Facebook- und WhatsApp-Gruppen bekanntgeworden, in denen von Vertretern der ÖVP-nahen  AktionsGemeinschaft  antisemitische Botschaften gepostet wurden. AG-Vertreterin Barbara Abdalla, die in der Gruppen "AG-Jus-Aktive" vertreten gewesen ist, besetzt bis heute ein Mandat.

Im Frühjahr waren Screenshots aus Facebook- und WhatsApp-Gruppen bekanntgeworden, in denen von Vertretern der ÖVP-nahen  AktionsGemeinschaft  antisemitische Botschaften gepostet wurden. AG-Vertreterin Barbara Abdalla, die in der Gruppen "AG-Jus-Aktive" vertreten gewesen ist, besetzt bis heute ein Mandat.© Screenshot: Archiv Im Frühjahr waren Screenshots aus Facebook- und WhatsApp-Gruppen bekanntgeworden, in denen von Vertretern der ÖVP-nahen  AktionsGemeinschaft  antisemitische Botschaften gepostet wurden. AG-Vertreterin Barbara Abdalla, die in der Gruppen "AG-Jus-Aktive" vertreten gewesen ist, besetzt bis heute ein Mandat.© Screenshot: Archiv

Grundsätzlich ist der Antisemitismus, dem man an heimischen Hochschulen begegne, aber weniger jener, der im Mäntelchen der Israel-Kritik daherkommt, sondern "der alte Rechtsextremismus, wie wir ihn schon immer kennen: der von Burschenschaften und Rechtsextremen".

Hess ist Jusstudent. Am Juridikum gebe es noch immer Professoren, "die mit Schmiss Vorlesungen halten, die beim WKR-Ball die Festrede halten". Wenn es dann noch einen handfesten Antisemitismusskandal in der Studierendenvertretung gebe, wie er im vergangenen Frühjahr publik geworden sei, "dann ist das eine sehr unangenehme Situation".

Schockierte Abdallah
war auch Teil der Gruppe

Denn, so Hess: Am Juridikum gebe es auf Seiten der Lehrenden sehr viele engagierte Vortragende, aber eben auch immer noch schwarze Schafe, was diskriminierende Äußerungen anbelange. "Wenn man an so eine Person gerät, will man sich an die Fakultätsvertretung wenden. Und dann wird man dort weiter diskriminiert und hat den Eindruck, keine vertrauensvolle Vertretung zu haben."

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Dokument erstellt am 2017-10-12 16:12:06
Letzte ─nderung am 2017-10-13 20:58:02




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