• vom 12.12.2017, 16:55 Uhr

Stadtleben

Update: 13.12.2017, 08:54 Uhr

Spitalsbau

Generalprobe des Historismus




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Von Margot Landl

  • Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder will sein Spital im 2. Bezirk um das frühere Grand Hotel National auf der Taborstraße erweitern. Denkmalschutz und Mieter schlagen aber Alarm.

- © Stanislav Jenis

© Stanislav Jenis

Wien. Mehr als ein Jahr dauert das Tauziehen um das ehemalige Grand Hotel National bereits an. Der Orden der Barmherzigen Brüder, der sein benachbartes Krankenhaus um das Gebäude erweitern möchte, hat eine neue Stellungnahme an das Bundesdenkmalamt abgegeben. Mehr Raum für das Krankenhaus sei notwendig, heißt es darin, dennoch seien "Aspekte des Städtebaus, der Architektur und des Denkmalschutzes so gut wie irgend möglich zu berücksichtigen".

Auf ein Gutachten des Bundesdenkmalamtes vom Juli, das sich mit der Schutzwürdigkeit des Gebäudes beschäftigt, reagiert der Orden mit einem eigenen Gutachten, das zu einem anderen Ergebnis kommt. Über den Inhalt der Gutachten wollen sowohl der Orden als auch das Bundesdenkmalamt keine Auskunft geben, da das Verfahren gerade im Laufen ist.


Mieter übersiedeln
Bereits seit dem Erwerb des ehemaligen Grand Hotels durch den Orden im Jahr 2009 steht ein Umbau beziehungsweise Abriss des Gebäudes zur Erweiterung des Spitals im Raum - die "Wiener Zeitung" hat berichtet. Den Beginn der öffentlichen Diskussion läutete allerdings erst ein Antrag des damaligen Leopoldstädter Bezirksvorstehers Karlheinz Hora von der SPÖ in der Bezirksvertretung Ende September 2016 ein. Alle Parteien außer "Wien Anders" stimmten für eine Erweiterung des Krankenhauses und gegen den Erhalt des Gebäudes in seiner jetzigen Form.

Prompt formierte sich eine Bürgerinitiative gegen die Pläne, die auch Petitionsstärke erreichte. Dabei geht es unter anderem um die Mieter der etwa 130 verhältnismäßig kleinen Wohneinheiten, die momentan im Gebäude untergebracht sind. "Mehr als zwei Drittel davon haben keine unbefristeten Mietverhältnisse mehr, viele Mieter übersiedeln gerade. Wir bemühen uns natürlich, Ersatzwohnungen anzubieten - manche nehmen das Angebot an, manche nicht", berichtet Helmut Kern, der Gesamtleiter des Krankenhauses.

Für viele sei eine Wohnung im Gebäude ohnehin eine Zwischenlösung, für jene, für die ein Umzug finanzielle Probleme bedeuten könnte, würde der Orden die Übersiedelung und die Mietzinsdifferenz für einen bestimmten Zeitraum übernehmen. Problematischer sieht das Stefan Ohrhellinger, der mit seinem Sohn seit vielen Jahren in einer Wohnung des ehemaligen Grand Hotels wohnt: "Würden die Leute umziehen wollen, hätten sie das schon gemacht." Um eine unwohnliche Atmosphäre zu schaffen, würde man das Gebäude nicht besonders gut instand halten. Erfahren hätten die Mieter von den Plänen erst vor einem Jahr aus der Zeitung. "Unter einem Vorwand hat es bereits Begehungen gegeben, bei denen Fotos gemacht und Informationen eingeholt wurden, die dann teilweise als Kündigungsgrund benutzt wurden."

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Dokument erstellt am 2017-12-12 16:44:05
Letzte Änderung am 2017-12-13 08:54:48




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