• vom 28.12.2017, 20:09 Uhr

Stadtleben

Update: 28.12.2017, 20:20 Uhr

Rauchfangkehrer

Weg vom Ruß hin zum Umweltberuf




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Von Alexandra Lauber

  • Rauchfangkehrer gelten auch nach 570 Jahren Berufsstand als Glücksbringer. Ihr Image wandelt sich: Galten sie früher als aussterbender Berufszweig, sind sie heute zunehmend Experten in Sachen Umwelttechnik.

Rauchfangkehrer Christian Leiner freut sich über das zunehmende Interesse von Lehrlingen und Frauen am Beruf.

Rauchfangkehrer Christian Leiner freut sich über das zunehmende Interesse von Lehrlingen und Frauen am Beruf.© Jenis Rauchfangkehrer Christian Leiner freut sich über das zunehmende Interesse von Lehrlingen und Frauen am Beruf.© Jenis

Wien. An einem Knopf drehen, einen Wunsch formulieren und eventuell drei Mal auf den Boden spucken. Dann springt das Glück hinüber. Der Aberglaube, dass Rauchfangkehrer Glück bringen, hält sich seit bis heute.

Der Wiener Innungsmeister Christian Leiner erklärt, dass sich das seit dem Mittelalter so ist: "Damals sind immer wieder wegen der offenen Feuerstellen in den Küchen Großbrände ausgebrochen, die ganze Stadtteile verwüstet haben." Es habe über der Feuerstelle nur ein Loch im Dach gegeben, das den Rauch abgezogen hat. Wenn dies voller Ruß war, dann habe es sich selbst entzündet. "Und deshalb haben die Leute es als Glück empfunden, wenn ein Rauchfangkehrer vorbeigekommen ist und den Rauchfang gereinigt hat. Die Menschen wussten nicht, wann der nächste Wander-Handwerker vorbeikommen würde", sagt Leiner.


Unterwegs auf den Dächern
Der Innungsmeister selbst hat den Beruf vor 33 Jahren ergriffen. Ein Zufall, wie er betont, nachdem er die Schule abgebrochen hatte und auf Empfehlung eines Freundes, der Rauchfangkehrer war. "Er sei unterwegs auf den Dächern und der Chef schaue ihm nicht permanent über die Schulter. Damals wusste ich überhaupt nicht, was ein Rauchfangkehrer eigentlich so macht", erzählt er.

Das Image wie auch das Berufsbild des Rauchfangkehrers hat sich seit Leiners Lehrzeit massiv gewandelt. "Gott sein Dank. Vor 20 Jahren war es kaum möglich, Jugendliche für den Beruf zu begeistern. Die Eltern sagten meist zu ihren Kindern, Rauchfangkehrer wirst nicht. Wir wurden auch ein wenig belächelt. Ein Kunde meinte immer zu uns: Sucht euch einen anderen Beruf, den Rauchfangkehrer gibt es bald nicht mehr", erinnert sich Leiner.

Heute ist es so, dass von den 100 Jugendlichen, die sich für eine Lehrstelle interessieren, zwischen 20 und 30 eine Lehrstelle bekommen. Die Eignungstests organisiert die Innung. Die Termine werden Ende Jänner, Anfang Februar auf der Webseite der Innung bekannt gegeben. 2015 und 2016 verzeichneten die Wiener Rauchfangkehrer einen Lehrlingsrekord. Knappe 90 Prozent der 110 Wiener Rauchfangkehrbertrieben, die insgesamt 420 Mitarbeiter zählen, bildeten Lehrlinge aus. Derzeit sind es 54 Jugendliche, die eine dreijährige Lehre absolvieren. Der Frauenanteil beträgt heute um die 20 Prozent - Tendenz steigend. 21 Betriebe werden von Frauen geleitet.

Sauber werdenderes Image
In den vergangenen Jahrzehnten hätte sich sehr viel verändert. Heute gibt es weniger Ölöfen als in Leiners Lehrzeit. Auch die Produktionsstätten im 16. und 17. Bezirk mit Öl- und Dampfkesseln gibt es heute nicht mehr: "Da hat der Rauchfangkehrer noch viel Ruß geschluckt. Das gibt es jetzt nicht mehr. Die Arbeit ist sauberer geworden", sagt Leiner.

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Dokument erstellt am 2017-12-28 17:32:05
Letzte nderung am 2017-12-28 20:20:33




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