• vom 01.01.2018, 16:46 Uhr

Stadtleben


Mohrenapotheke

Koscheres aus der Mohrenapotheke




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Von Alexia Weiss

  • Eine der ältesten Apotheken Wiens erlebte in der NS-Zeit dunkle Jahre, da die Inhaberinnen jüdisch waren - deren Nachfahrin und heutige Mohrenapothekerin Teresa Marosi griff die jüdischen Wurzeln nun wieder auf.

Terese Marosi bietet Nahrungsgänzungen an, die für Veganer, Vegetarier und Menschen mit Unverträglichkeiten geeignet sind. - © Jenis

Terese Marosi bietet Nahrungsgänzungen an, die für Veganer, Vegetarier und Menschen mit Unverträglichkeiten geeignet sind. © Jenis

Acht Produkte umfasst das Sortiment, das für die Mohrenapotheke in Salzburg in der Nährstoffakademie produziert wird.

Acht Produkte umfasst das Sortiment, das für die Mohrenapotheke in Salzburg in der Nährstoffakademie produziert wird. Acht Produkte umfasst das Sortiment, das für die Mohrenapotheke in Salzburg in der Nährstoffakademie produziert wird.

Wien. Eine der drei ältesten Apotheken Wiens, die Mohrenapotheke in der Wipplingerstraße, bietet nun vegane Nahrungsergänzungen mit Hechscher des Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien. Sie sind damit sowohl für Menschen, die koscher halten, geeignet, als auch für solche, die halal essen.

Die Kooperation zwischen Apotheke und IKG hat auch ein bisschen mit der teils traurigen Geschichte des Familienbetriebs zu tun, wie die heutige Inhaberin Terese Marosi im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erzählt. Sie ist es auch, die die Geschichte der Apotheke mit einer Tafel für alle Kunden und Vorbeispazierenden öffentlich gemacht hat. Antisemitische Anfeindungen habe es darauf nicht gegeben, im Gegenteil. "Ich habe so viel positives Feedback bekommen, so viel Ermutigung."


Die Großmutter, die 2001 verstarb und deren Nachlass erst vieles von dem preisgab, was ihr in der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich widerfahren war, wäre wohl nicht auf die Idee mit der Koscher-Zertifizierung gekommen. Sie hatte weder über ihre jüdische Abstammung noch über ihr Überleben in einem Versteck in Wien je wirklich mit ihrer Tochter und ihrer Enkelin gesprochen. Letztere hatte sich nun daran gemacht, pflanzliche Mischungen anzubieten, die sowohl für Veganer und Vegetarier als auch Menschen mit Unverträglichkeiten geeignet sind. Gespräche mit jüdischer Kundschaft zeigten, dass es gerade an dem Standort unweit des Stadttempels in der Seitenstettengasse sowie der Misrachi am Judenplatz auch Nachfrage nach koscheren Nahrungsergänzungen gäbe.

Jahrhunderte alte Geschichte mit vielen Stationen
Das Produkt "Immunkraft und Hagebutte" kombiniert beispielsweise Hagebutte mit Vitamin C und Zink und soll so das Immunsystem stärken, "Ruhe und Schlaf" ist eine Mischung aus Hopfen, Baldrian und Passionsblume. Acht Produkte umfasst das Sortiment, das für die Mohrenapotheke in Salzburg in der Nährstoffakademie produziert wird. Zum Einsatz kommen ausschließlich regionale Inhaltsstoffe, die Kapsel ist pflanzlich und eben nicht, wie bei vielen ähnlichen Produkten aus Gelatine und damit weder vegan noch koscher oder halal.

Die Mohrenapotheke - sie hieß zunächst "Apotheke zum schwarzen Äthiopier", später "Apotheke zum schwarzen Mohren" - kann auf eine Jahrhunderte alte Geschichte zurückblicken. Sie wurde 1350 gegründet und befand sich ursprünglich am Graben. Übersiedlungen führten sie im Lauf der Zeit in die Kärntner Straße, auf den Hohen Markt und die Tuchlauben.

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Dokument erstellt am 2018-01-01 16:50:08




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