• vom 04.01.2018, 09:00 Uhr

Stadtleben


Wiener Stadtbahn

Ein "Sonderling" feiert seinen 120er




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Von Arian Faal

  • Die 1989 durch die U6 ersetzte Wiener Stadtbahn prägt durch Otto Wagners Bauten weiterhin das Stadtbild.



Wien. "Otto Wagner war ein Sturkopf, ein Pedant und ein kreatives Genie, hat meine Mutter mir immer erzählt. Meine Familie kannte ihn persönlich sehr gut und er brüstete sich damit, dass er als Architekt für den Bau der Wiener Stadtbahn beauftragt wurde", berichtete die 2015 verstorbene Margarete Cisl knapp vor ihrem Tod in einem Interview mit der "Wiener Zeitung", in dem es um das Zeitalter Kaiser Franz Josephs ging. Die betagte Dame war damals bereits 108 Jahre alt und hatte 17 Wiener Bürgermeister, vier Währungen und zwei Weltkriege überlebt. Und noch eines attestierte Cisl dem berühmten Jugendstil-Architekten Wagner (1841-1918): Er wollte immer das letzte Wort haben und konnte Kritik an seinen Entwürfen und Plänen nicht gut wegstecken.

Grüne Farbe nicht von Wagner
Wagners berühmtestes Erbe ist die Gestaltung der ehemaligen Wiener Stadtbahn (heute U4, U6 und Schnellbahn), deren architektonische Relikte nach wie vor das Stadtbild prägen. Anlässlich des 120. Geburtstages der Wiener Stadtbahn gibt die "Wiener Zeitung" einen Rückblick auf ein Stück österreichische Verkehrsgeschichte. Die heutige Jugend kennt den mittlerweile "ausgemusterten Sonderling innerhalb der öffentlichen Verkehrsmittel" (Zitat eines Ex-Stadtbahnfahrers) höchstens noch aus Erzählungen.


Kaum einer weiß, dass bis 1989 noch die Linien G (für Gürtel) oder GD (für Gürtel/Donaukanal) verkehrten. Wenn aber immer wieder Kinder ihre Mütter in der U6 fragen, warum diese Linie so anders sei als die anderen U-Bahn-Linien, dann wird eines klar: Zumindest die bauliche Optik und der Umstand, dass die U6 weiterhin wie die Straßenbahnen mit Oberleitung fährt, zeigen, dass es sich um ein Unikat handelt. Die U6 ähnelt einer Schnellstraßenbahn auf eigener Trasse. Wer weiß heute schon, dass Otto Wagner seine eigenen Initialen in viele Ornamente einfließen ließ und somit nach wie vor omnipräsent ist? Oder, dass Stützwände, Futtermauern, Brücken, Viadukte, Tunnelportale, Stationen und Blockstellen in Einklang mit den Fahrkarten und Gepäckschaltern, den Bodenbelägen, Geländern, Gittern, Toren, Möbeln, Wasserleitungen sowie Heiz- und Beleuchtungskörper gestaltet wurden?

Und noch ein Geheimnis darf an dieser Stelle ausgeplaudert werden: Das heute charakteristische Markenzeichen der Wiener Stadtbahnanlagen, nämlich die einheitliche Lackierung sämtlicher Metallteile und Holzoberflächen wie Türen und Fenster im speziellen Farbton "Resedagrün", stammt nicht von Wagner. Neuere stratigraphische Untersuchungen ergaben, dass ursprünglich die Metallteile hellbeige und die Holzteile braun waren. Sie erhielten ihre heutige Lackierung erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich Resedagrün zeitweise als Standardlackierung für Maschinen etablieren konnte.

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Dokument erstellt am 2018-01-03 17:14:12
Letzte ─nderung am 2018-01-03 17:41:09




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