• vom 10.01.2018, 06:30 Uhr

Stadtleben

Update: 10.01.2018, 12:38 Uhr

Studentenverbindungen

Zeig mir deine drei Farben, und ich sag dir, wer du bist




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Von Mathias Ziegler und Christoph Rella

  • Hier die Violette und die Rudolfina-Redoute, dort der Akademikerball: Im Fasching zeigt sich auch, was katholische Couleurstudenten und schlagende Burschenschafter trennt.

Bei der Rudolfina-Redoute sind bis zu 80 Prozent der Damen maskiert. - © David Faber

Bei der Rudolfina-Redoute sind bis zu 80 Prozent der Damen maskiert. © David Faber

Wien. Nur zwei bis drei Zentimeter ist ein Burschenband breit - und doch bietet es viel Stoff für Differenzen zwischen zwei Lagern, die ideologisch Welten trennen - und die doch von Außenstehenden gerne in einen Topf geworfen werden: hier nicht-schlagende katholische Schüler- und Studentenverbindung im Mittelschülerkartellverband (MKV) und im Österreichischen Cartellverband (ÖCV); dort schlagende deutschnationale Burschenschaften im Österreichischen Pennälerring (ÖPR) und Akademische Verbindungen. Letztere haben im Gegensatz zur Deutschen Burschenschaft in Österreich keinen bundesweiten Verband, sondern sind jeweils an den Universitätsstädten organisiert. Der wohl bekannteste ist der Wiener Korporationsring (WKR).

Die einen fechten Mensuren, die anderen tragen nur noch stumpfe Klingen dekorativ bei festlichen Anlässen. Die einen sind politisch in der FPÖ daheim, die anderen findet man eher in den Reihen der ÖVP. Und während ÖCV und MKV ihre vier Prinzipien "Religio" (Katholizismus), "Scientia" (Wissenschaftlichkeit), "Amicitia" (Lebensfreundschaft) und "Patria" (Vaterlandsliebe) pflegen, halten die Burschenschafter "Ehre, Freiheit und Vaterland" hoch. Letzteres sei im Jahr 2018 "natürlich Österreich", betont der Wiener FPÖ-Gemeinderat Udo Guggenbichler, Mitglied der Akademischen Burschenschaft Albia und Vorsitzender des Pennälerrings. "Das steht auch so in den ÖPR-Satzungen."

"Sollten betonen, wer wir sind - nicht, wer wir nicht sind"

Dem hält Bernhard Weidinger vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) entgegen, dass in einem ÖPR-Folder unter "Vaterland" vom "volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff" die Rede sei, was nichts anderes heiße als: "Mein Vaterland umfasst alle Gebiete, wo Deutsche leben (oder gelebt haben), also halb Europa." Das DÖW attestiert dem Großteil der WKR-Verbindungen eine "explizit politische Ausrichtung im völkischen Sinn".

Die Herren der Eröffnungspaare beim Akademikerball (Bild) tragen ebenso Couleur wie bei den Redouten.

Die Herren der Eröffnungspaare beim Akademikerball (Bild) tragen ebenso Couleur wie bei den Redouten.© apa/Robert Lizar Die Herren der Eröffnungspaare beim Akademikerball (Bild) tragen ebenso Couleur wie bei den Redouten.© apa/Robert Lizar

Insbesondere die deutschnationalen Verbindungen haben ihre Ursprünge in der 1815 in Jena gegründeten Urburschenschaft (hier tauchten erstmals die deutschen Farben Schwarz-Rot-Gold auf), die nach den napoleonischen Kriegen durch den Zusammenschluss aller Studenten an den verschiedenen Universitäten für ein vereintes Deutschland anstelle der politischen Kleinstaaterei eintrat. Die katholischen Schüler- und Studentenverbindungen entstanden als Gegenbewegung darauf. Doch das Brauchtum ist ähnlich, sie singen alle die gleichen alten Studentenlieder, ihre Chargierten tragen die gleichen Uniformen, und die drei Farben im Band sind das einzige äußere Erkennungsmerkmal. "Wir werden oft zu Unrecht ins selbe Eck gestellt", meint dazu ÖCV-Vorortspräsident Michael Jayasekara. "Ich glaube, wir sollten da mehr betonen, wer wir sind - und nicht ständig erklären, wer wir nicht sind."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-09 15:29:13
Letzte ─nderung am 2018-01-10 12:38:13




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