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Update: 19.01.2018, 10:32 Uhr

Gasexplosion

"Ein Akt der Selbstjustiz"




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  • Prozess um Gasexplosion in Hernals: lebenslange Haft für Angeklagten.

Einsatzkräfte der Feuerwehr am Unglücksort.

Einsatzkräfte der Feuerwehr am Unglücksort.© apa/MA 86 Lichtbildstelle Einsatzkräfte der Feuerwehr am Unglücksort.© apa/MA 86 Lichtbildstelle

Wien. (apa/dab) Mit einem harten Schuldspruch endete am Donnerstag der Strafprozess rund um eine Hausexplosion in Hernals. Die Geschworenen verurteilten den 56-jährigen Angeklagten einstimmig wegen Mordes, Brandstiftung und gefährlicher Drohung zu lebenslanger Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Angeklagte meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an.

Er soll am 26. Jänner 2017 seine Wohnung vorsätzlich in die Luft gesprengt haben, um sich für seine geplante Delogierung zu rächen. Er hatte monatelang keine Miete bezahlt. Bei der Explosion starb der Hausverwalter. Der Gerichtsvollzieher und ein Schlosser wurden schwer verletzt.


Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig. Beim Prozessbeginn im November 2017 führte er die Explosion auf ein technisches Gebrechen zurück. Es habe in seiner Wohnung schon länger nach faulen Eiern gerochen. Er habe das Gasleck abdichten wollen und den Gaszähler abmontiert. Ein elektrischer Funke habe dann das Unglück verursacht. "Eine zufällige Zündung ist ausgeschlossen", meinte Staatsanwältin Carmen Kainz. Sie wirft dem 56-Jährigen vor, er habe das Gas-Luftgemisch vorsätzlich verursacht und dann zur Explosion gebracht habe.

Von Mitinsassen belastet
Ein Prüftechniker der Wiener Netze erklärte, dass die Leckrate eines etwaigen Lecks jedenfalls zu gering gewesen sei, "um in einer entsprechenden Zeit eine explosionsfähige Atmosphäre herbeizuführen". Der Brand- und Explosionsermittler Franz Schneeflock legte zudem dar, dass der Explosion ein perfides Vorgehen vorangegangen sein muss.

Schwer belastet wurde er am Donnerstag von einem Mitinsassen. Er sagte aus, dass der Angeklagte ihm gegenüber die Tat gestanden habe. Die beiden lernten sich bei der Essensausgabe im Gefängnis kennen.

Zunächst habe der Angeklagte ihm erzählt, dass es sich um einen Unfall gehandelt habe, so der Mitinsasse. Dann aber habe der 56-Jährige ihm gestanden, dass er, als es an seiner Tür klopfte, den Gashahn in der Küche aufgedreht habe und ins Wohnzimmer gegangen sei. "Er sagte: ‚Und dann hab ich sie hochgejagt‘." Er habe es "aus Zorn" getan, weil er "sich verarscht gefühlt" habe, da er trotz Zahlungen delogiert hätte werden sollen.

Zudem soll der Angeklagte auch die Staatsanwältin und ihr Kind bedroht haben. "Er meinte: ‚Die werden schon sehen, wenn ich draußen bin‘", so der Häftling. Seine Aussage brachte den Angeklagten außer sich. "Mir reicht’s jetzt! Das sind Lügen!", schrie er. Erst als ihm die Justizwachebeamten die Krücken, mit denen er um sich schlug, wegnahmen, ließ er sich beruhigen. Gerichtspsychiater Karl Dantendorfer beschrieb den Angeklagten als verhaltensauffälligen Mann. Zum Tatzeitpunkt sei er aber zurechnungs- und schuldfähig gewesen.

Der Angeklagte habe sich in die Opferrolle manövriert, sagte Schwurgerichtsvorsitzende Richterin Andrea Wolfrum in ihrer Urteilsbegründung. Die Explosion sei ein "Akt der Selbstjustiz" gewesen. Auch habe der Mann "eine Gleichgültigkeit an den Tag gelegt", als die Opfer ausgesagt hätten. Somit sei mit der Höchststrafe vorzugehen gewesen. Den Privatbeteiligten wurde Schmerzengeld in der Höhe von mehr als 315.500 Euro zugesprochen.




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Dokument erstellt am 2018-01-11 17:59:08
Letzte ńnderung am 2018-01-19 10:32:20




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