• vom 10.10.2007, 17:51 Uhr

Stadtleben

Update: 10.10.2007, 17:53 Uhr

Forderung nach besserer Verkehrsanbindung für neue Wirtschaftsuni

WU-Neubau: Interne Kritik am Standort




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christian Mayr

  • WU-Professor Kummer: "Schlechte Öffi-Anbindung."
  • ÖBB-Kreise: "Standort-Wahl ist heller Wahnsinn."
  • Wien. Als in der Vorwoche der neue Standort der Wirtschaftsuniversität (WU) auf dem südlichen Messegelände präsentiert wurde, herrschte allgemeine Euphorie. Dieser Platz sei dank U2 (ab Mai 2008) geradezu ideal erschlossen, hieß es. Diese Sicht wird jedoch WU-intern nicht geteilt - im Gegenteil: Der renommierte WU-Professor Sebastian Kummer (Institut für Transportwirtschaft und Logistik) übt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" Kritik und verlangt wesentliche Verbesserungen.

"Es ist für mich erstaunlich, wenn von einem hervorragenden Standort gesprochen wird. Denn aus verkehrswirtschaftlicher Sicht stellt das Messegelände eine eindeutige Verschlechterung zur Spittelau dar", so Kummer. Dort gebe es außer U4 und U6 auch die Straßenbahn-Linie D - und zusätzlich die Linien 37, 38, 5 sowie zwei Buslinien in unmittelbarer Nähe.

"Die Spittelau wurde damals wegen der guten Verkehrsanbindung ausgewählt, obwohl die WU nur für 6000 Studenten konzipiert war; im Neubau sollen aber mehr als 20.000 studieren", gibt Kummer zu bedenken. "Sich nur auf die U2 zu verlassen, ist problematisch. Wenn die einmal ausfällt, wird es kritisch", warnt der Logistiker.

Werbung

Kummer hat daher eine Studie zur Verbesserung der Anbindung erstellt - die wichtigsten Punkte: Die Linie N könnte von der Prater Hauptallee zur WU verlängert werden (siehe Grafik); die Kosten würden sich auf rund acht Millionen Euro belaufen. "Die Querung der Hauptallee ist sicher problematisch, aber lösbar", sagt Kummer. Vorteil wäre, dass der 3. Bezirk eine Direktverbindung zur neuen WU bekäme. Die Linie 5 sollte parallel zur U2 auf den Gleisen des 21ers fahren (dieser wird eingestellt). "Damit gäbe es einen Ersatz, wenn die U-Bahn ausfällt", so Kummer, der in diesem Vorschlag "absolute Dringlichkeit" gegeben sieht. "Denn wenn die 21er-Gleise abgebaut werden, ist es zu spät." Die Buslinie 11A sollte ebenso verlängert werden und eine Schleife um Messe und WU ziehen. "Das ist die einfachste Lösung", konstatiert Kummer, der sich auch aufgrund der langen Wege innerhalb des Areals Lösungen erhofft. "Von der U-Bahn zu den Instituten sind es 300 bis 500 Meter - das ist ein Problem. Vielleicht müssen hier Rollbänder installiert werden."

Sollte es zu keinen Verbesserungen kommen, drohe nämlich auf Praterstraße und Praterstern der Verkehrskollaps: "Denn je unattraktiver die Erschließung, desto mehr kommen mit dem Auto", sagt Kummer, der nun die Stadt Wien gefordert sieht: "Eigentlich ist es schade, dass die Verkehrs-Optimierung bei den Verhandlungen kein Thema waren." Von der Anbindung her sei der Gegenkandidat - der Nordbahnhof - "deutlich besser" erschlossen.



"Eine Fehlentscheidung"
Das sieht man auch in hohen Kreisen der ÖBB so, die sich auch für die neue WU beworben hatten. Offiziell zurückhaltend, wird hinter vorgehaltener Hand scharfe Kritik geübt: "Die Wahl der WU ist heller Wahnsinn. Bei uns hätte es zwei U-Bahnen und die S-Bahn unmittelbar vor der Tür gegeben. Die künftigen Studenten werden die Fehlentscheidung schmerzlich zu spüren bekommen", heißt es. Auch die Expansionsmöglichkeiten seien am Nordbahnhof im Gegensatz zur Messe "unbegrenzt".



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2007-10-10 17:51:57
Letzte Änderung am 2007-10-10 17:53:00



Zwischennutzung

Die kreative Vorhut der Investoren

Noch dieses Wochenende hat der Weihnachtsmarkt im Stall geöffnet. - © creau Wien. Zum Glück waren es keine Schweine. Angie Schmied und Lukas Böckle stehen in dem ehemaligen Stallgebäude und schnuppern... weiter




Transition Base

Smartes Wagenvolk

Wohnraum muss nicht viel kosten: Der alte Zirkuswagen soll für kreative Zwecke genutzt werden. - © Puiu Wien. Über die Felder der im Nordosten Wiens liegenden Seestadt fegt ein eisiger Wind. Direkt neben der Satellitenstadt... weiter




Fleischerei

Ausgeblutet

Nach vier Generationen Familienbetrieb ist es mit Trünkel im April 2017 vorbei. - © Arnold Burghardt Wien. Es ist ein schwarzer Tag für die Wiener Fleischerbranche, ein weiterer. Das Gerücht, dass Trünkel die neun der ursprünglich 25 Filialen im April... weiter





Wiener Prater

Die Erben der Zaubermeister

Franz Steidlers Bauchrednerpuppe steht jetzt im Circus- und Clownmuseum. - © Circusmuseum Wien. "Sebastian von Schwanenfeld, Basilio Calafati und Anton Kratky-Baschik: Das sind drei legendäre Zaubererkünstler... weiter




Prater

Erstes Kino als Kunstform

- © Kadotheum Wien Wien. "Karl Juhasz war das Gegenteil vom Hutschenschleuderer Liliom", meint Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums... weiter




250 Jahre Wiener Prater

Mit Courage und Löwenherz

- © Clownmuseum Wien. "1966 gab es im Prater mehrere Gründe zum Feiern", erzählt Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums, 50 Jahre später... weiter






Werbung