• vom 09.10.2010, 00:00 Uhr

Stadtleben

Update: 20.04.2012, 13:54 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



100. Todestag von Karl Lueger: Reformer, Populist und Antisemit, bewundert und angefeindet

Umstrittener Modernisierer



Denkmal oder Mahnmal? Eine Initiative will die Lueger-Statue beim Wiener Stubentor zum "Mahnmal gegen Antisemitismus und Rassismus" umwandeln.

Denkmal oder Mahnmal? Eine Initiative will die Lueger-Statue beim Wiener Stubentor zum "Mahnmal gegen Antisemitismus und Rassismus" umwandeln.Wiener Zeitung / Andreas Urban Denkmal oder Mahnmal? Eine Initiative will die Lueger-Statue beim Wiener Stubentor zum "Mahnmal gegen Antisemitismus und Rassismus" umwandeln.Wiener Zeitung / Andreas Urban

Erst nach mehreren vergeblichen Anläufen wurde Lueger 1897 zum Wiener Bürgermeister von Kaiser Franz Joseph I. ernannt. Angeblich bedurfte es zuvor der Intervention von Papst Leo XIII., um den Kaiser umzustimmen.

Luegers Ziel als Bürgermeister war es, die Hauptstadt des Kaiserreichs von Grund auf zu reformieren. Ein effizient geölter Machtapparat aus Gefolgsleuten, der wesentlich auf dem Prinzip der Ämterpatronage beruhte, ging ihm dabei zur Hand. An Großprojekten initiierte Lueger die II. Wiener Hochquellenwasserleitung, die Kommunalisierung der Gas- und Elektrizitätsversorgung sowie der Straßenbahnen, den Bau von großen Sozialeinrichtungen wie des Versorgungsheims Lainz und des Psychiatrischen Krankenhauses am Steinhof.

Lueger starb am 10. März 1910 als Folge seiner Zuckerkrankheit. Hunderttausende nahmen an den Trauerfeierlichkeiten teil, darunter auch Adolf Hitler. Begraben ist Lueger in der Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Ausstellung im Internet

Ab heute bis 31. Mai ist eine virtuelle Ausstellung der Wienbibliothek zu Lueger online, die Einblicke in seinen Nachlass bietet.

www.wienbibliothek-digital.at

Zitate

"Es handelt sich uns darum, in Österreich vor allem um die Befreiung des christlichen Volkes aus der Vorherrschaft des Judentums."
Karl Lueger 1899

*

"Ja, wissen’S, der Antisemitismus is a sehr gutes

Agitationsmittel, um in der Politik hinaufzukommen; wenn man aber einmal oben is, kann man ihn nimmer brauchen, denn des is a Pöbelsport!"
Karl Lueger 1908

*

"Jedenfalls lernte ich den Mann und die Bewegung kennen, die damals Wiens Schicksal bestimmten: Dr. Karl Lueger und die christlich-soziale Partei. Als ich nach Wien kam, stand ich beiden feindselig gegenüber. (.. .) Heute sehe ich in dem Manne mehr noch als früher den gewaltigsten deutschen Bürgermeister aller Zeiten."
Aus Adolf Hitlers "Mein Kampf"

*

"Diese disparaten Schichten, die bedrängten Handwerker und Kleinkaufleute, die kleinen Beamten, die Handlungsgehilfen schmolz er zusammen zu einer Partei (.. .) er machte aus dem von den liberalen Protzen hochmütig verachteten kleinen Mann den Herrn dieser Stadt."
Aus der "Arbeiterzeitung" zu Luegers Tod am 11. März 1910

*

"Nun muß man wissen, daß es in Österreich (...) jüdische Familiennamen gibt, die mit den Namen fürstlicher Häuser identisch sind. (.. .) Man erzählt sich, daß der Bürgermeister Lueger, dem einmal mitten in einem wichtigen Aktenstudium der Besuch des Fürsten Löwenstein-Wertheim-Freudenberg gemeldet wurde, seinen Sekretär ein wenig zerstreut mit den Worten hinausgeschickt hätte: Sagen’S den drei Juden, sie sollen warten."
Aus Friedrich Torbergs "Die Erben der Tante Jolesch"




Schlagwörter

Karl Lueger

2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2010-03-09 16:19:00
Letzte Änderung am 2012-04-20 13:54:36


Beliebte Inhalte



Die Stadthalle verliert das Stadthallenbad - zumindest organisatorisch. - APA/HERBERT NEUBAUER
  • Künftig als Kapitalgesellschaft an den Wien-Holding-Konzern angebunden.
  • weiter

Auch wenn das Hochwasser zurückgegangen ist: Durch die Flutung der Neuen Donau könnten Keime aus überschwemmten Kläranlagen im Wasser sein. Das Badeverbot bleibt daher noch aufrecht. - APAweb / EPA / Roland Schlager
  • Schwimmen möglicherweise ab Donnerstag wieder erlaubt.
  • weiter

Am Matzleinsdorfer Friedhof wurde Förster begraben. Sein Grab ist heute aufgelassen. - Gruntzel
  • Förster steht heute im Schatten von Theophil Hansen und Otto Wagner.
  • weiter

Sie schauen hinunter - weil sie auf dem höchsten Gebäude des Landes stehen. - Rösner
  • Die Stadtspitze resümierte auf dem DC-Tower über 2,5 Jahre Koalitionsarbeit.
  • weiter

Diesen Fahrradsattel hat sich eine Bienenkönigin ausgesucht - das Volk folgte. - MA 68 Lichtbildstelle
  • Bienenvolk eroberte Fahrradsattel im 9. Bezirk für sich.
  • weiter

Kindergarten ab eins und Ganztagsschule: für Brandsteidl die beste Lösung. - Radule Bozinovic/KOSMO
  • Stadtschulratspräsidentin hält Trennung von deutsch- und nichtdeutschsprachigen Kindern für wenig sinnvoll.
  • weiter

Erwerb der Erstsprache ist mit Schuleintritt noch nicht abgeschlossen. - Stanislav Jenis
  • An vielen Schulen ist es Kindern untersagt, ihre Erstsprache zu sprechen.
  • weiter

Präzision und Eleganz lassen bei den Pferden zu wünschen übrig, kritisieren Insider. - apa
  • Belegschaft fürchtet um Qualitätsverlust der Traditionsinstitution.
  • weiter

Michael Cramer will den Fahrradtourismus fördern . - Bernold
  • Die Aufregung um das Rad-Thema wird laut Experten bald verschwinden.
  • weiter

Zu Obdachlosen und Bettlern wurden die Stadttauben degradiert, meinen Tierschützer. - dpa
  • In Meidling traf sich das Who is Who der deutschsprachigen Taubenlobby.
  • weiter




Werbung




Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

19.6.2013: Ein Turopolje-Schwein schwimmt in einem Teich im Tierpark in Schleswig-Holstein. Die robusten Schweine stammen ursprünglich aus den Flussniederungen der Save in Kroatien. Die Turopolje sind ausgezeichnete Schwimmer, die sich bei Überschwemmungen die Nahrung auch unter Wasser suchen und sogar nach Muscheln tauchen. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung