• vom 11.09.2016, 07:57 Uhr

Wien


Paris

Fahrerlos durch die Stadt








Von Alexander Maurer aus Paris

  • Ein Blick auf die vollautomatische Pariser Métro bietet einen Vorgeschmack darauf, wie die Wiener U5 funktionieren könnte.

Die Bahnsteige der fahrerlosen Métro in Paris sind durchgehend verglast und mit Schiebetüren gesichert.

Die Bahnsteige der fahrerlosen Métro in Paris sind durchgehend verglast und mit Schiebetüren gesichert.© Siemens Die Bahnsteige der fahrerlosen Métro in Paris sind durchgehend verglast und mit Schiebetüren gesichert.© Siemens

Wien/Paris. Größere Pünktlichkeit, kürzere Abstände zwischen den Zügen und stärkere Gelassenheit der Fahrgäste. Für die Wiener U-Bahnen ist das zwar noch Zukunftsmusik, in Paris profitiert man schon seit Jahren von den Vorteilen der automatisierten Züge, die gänzlich ohne Fahrer auskommen. Was in der Stadt an der Seine - so wie auch in Budapest, Berlin, Rennes und Barcelona - funktioniert, soll nun auch in der Donaumetropole Einzug halten. Ab 2023 wird die neu geplante Linie U5 vollautomatisch teilweise über die bestehende Strecke der U2 vom Karlsplatz bis vorerst zum alten AKH und später dann bis Hernals fahren. Sowohl der Technologiekonzern Siemens als auch der kanadische Flugzeug- und Zughersteller Bombardier sind als potenzielle Lieferanten der fahrerlosen Garnituren im Rennen.

Im Wettstreit um einen Großauftrag der Wiener Linien stehen sich die beiden Unternehmen nicht zum ersten Mal als Konkurrenten gegenüber. Zuletzt hatten die Kanadier bei der Ausschreibung für die neuen Bim-Garnituren knapp die Nase vorn. Für Siemens ein harter Schlag, da sich der Technologiekonzern immerhin drei Jahrzehnte lang als Platzhirsch bei den Wiener Öffis behaupten konnte. Umso stärker ist man nun darauf erpicht, den Zuschlag für die U5 einzustreichen. Beide Wettbewerber haben automatische Zuglinien bereits erfolgreich in vielen Städten weltweit installiert. Siemens führt einige europäische Projekte, allen voran die Linie eins der Pariser Métro, als Referenz ins Feld, die einigen Wiener Medienvertretern bei einem Besuch in der Stadt an der Seine vorgestellt wurde.

Im Kontrollraum der automatisierten Linie 1 behalten ehemalige Fahrer den Überblick.

Im Kontrollraum der automatisierten Linie 1 behalten ehemalige Fahrer den Überblick.© RATP Im Kontrollraum der automatisierten Linie 1 behalten ehemalige Fahrer den Überblick.© RATP

Das Pariser U-Bahnnetz ist um einiges größer und älter als sein Wiener Pendant. 14 Linien erstrecken sich auf 215 Kilometern - im Vergleich zu den 78,5 Kilometern der Wiener U-Bahn mit ihren 93 Stationen - und fahren insgesamt 384 Stationen an. Bis 2025 soll dieses riesige Streckennetz sogar um 200 Kilometer fast verdoppelt werden. Diese komplett fahrerlosen Linien sollen die Stadt der Liebe mit dem Umland verbinden. Dies ist in Frankreich aufgrund der Größe des Verwaltungsbezirks Île-de-France leichter möglich, während man in Wien von einem U-Bahnausbau nach Niederösterreich nur träumen kann.

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Alle 85 Sekunden ein Zug
Die älteste Pariser U-Bahn ist die Linie eins, die 1900 in Betrieb genommen wurde. Sie verläuft zwischen Château de Vincennes und dem Hochhausviertel La Défense und wird täglich von 750.000 Menschen genutzt. Während der Umstellung dieser am stärksten ausgelasteten Linie der französischen Hauptstadt fuhren zeitweise Garnituren mit und ohne Fahrer gemeinsam. Seit Ende 2012 fährt die Linie vollautomatisch. Seitens der Pariser Verkehrsbetriebe lobt man die Umstellung und erzählt stolz, dass sich durch den Einsatz der automatisierten Züge, die über digitale Funksignale ihre Standorte präzise untereinander austauschen, die Intervallzeiten von 105 auf 85 Sekunden verringert hätten. So könnten auf den Strecken auch mehr Züge eingesetzt werden.

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Schlagwörter

Paris, Metro, U5, Siemens, U-Bahn

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-09-09 17:14:07
Letzte ─nderung am 2016-09-09 17:17:05



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