• vom 08.10.2016, 08:00 Uhr

Wien

Update: 04.11.2016, 16:01 Uhr

Goodfellas

Der amerikanische Pate




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Von Solmaz Khorsand

  • In der Gumpendorfer Straße versorgt das "Goodfellas" neuerdings Junkfood-Waisen mit amerikanischen Snacks. Ein Rundgang im Paradies der etwas anderen Feinschmecker.



Als Trendstore will Simon Ahmad sein Geschäft "Goodfellas" in Wien etablieren.

Als Trendstore will Simon Ahmad sein Geschäft "Goodfellas" in Wien etablieren.© Khorsand Als Trendstore will Simon Ahmad sein Geschäft "Goodfellas" in Wien etablieren.© Khorsand

Wien. Aus kulinarischer Sicht ist die Sache gegessen. Wien hat mit Amerika abgeschlossen. Junkfood aus Übersee hat hierzulande ausgedient. Den Anfang vom Ende machte Dunkin’ Donuts. Nach zwei Jahren am heimischen Markt warf das österreichische Franchiseunternehmen des Schmalzkringelgiganten im Juni das Handtuch. Man habe Wiens Kaffeehauskultur einfach unterschätzt, gestanden die Betreiber und meldeten Insolvenz an. Zwei Filialen - in Meidling und Favoriten - haben bereits geschlossen. Goodbye Strawberry Frosted Sprinkles.

Ein paar Tage später kapitulierte ein anderer US-Konzern. Dieses Mal war es die Kaffeekette Starbucks. Zu hoch sei die Miete der Filiale auf der Kärntner Straße, dem Flagshipstore, gewesen. Ausgerechnet beim ersten Starbucks Österreichs, der 2001 eröffnet hatte, stellte man am 12. Juni 2016 endgültig den Betrieb ein. Ruhe in Frieden Pumpkin Spice Frappucchino. Im August erklärte schließlich Fastfood-Platzhirsch McDonalds eine Ära für beendet. Zwei Filialen - auf der Josefstädter Straße und der Mariahilfer Straße - sollten endgültig geschlossen werden. Sie würden in dieser Form nicht mehr in die aktuelle Firmenphilosophie passen. Lebe wohl Chicken McNugget.


Zweifelsfrei: 2016 war ein trauriges Jahr in den transkulinarischen Beziehungen. Der gesunde Gourmet-Snobismus hat seinen Siegeszug angetreten. Adieu Schokomilchshake. Lang lebe der Grünkohl-Smoothie. Nicht für Simon Ahmad. Der gelernte Tischler bleibt der amerikanischen Esskultur treu. Und hat für alle Junkfoodwaisen auf der Gumpendorfer Straße 91 im 6. Bezirk einen Hort geschaffen. Hier im "Goodfellas" können sie inmitten von Erdnussbutterkeksen, Marshmallowpaste, getrocknetem Rinderfleischhäppchen und Dr. Pepper Cola ihre Seele baumeln lassen. Es sind keine exklusiven Produkte. Kein hochwertiger Wein aus Napa Valley, kein selbst gebrautes Bier aus Brooklyn, kein geräucherter Käse aus Wisconsin. Es sind die Chips voller künstlicher Geschmacksverstärker, das Soda voller Zucker und der Kuchen voller Konservierungsstoffe. Auf 50 Quadratmeter hat Ahmad ein Snacksortiment geschaffen, wie es nur in amerikanischen Drugstores zu finden ist.

Dabei kennt Simon Ahmad dieses Amerika gar nicht. "Ich war noch nie dort", gesteht Ahmad. "Doch ich wollte schon als Kind in New York leben." Der 32-Jährige kennt das Land nur aus Filmen und Serien. New York, die Rocky Mountains, Las Vegas. Angefixt war der Magistratsbeamte von diesem Amerika. Von der Größe, dem Lebensgefühl und dem Essen. Simon Ahmad isst gerne. So hat alles begonnen. Schon als Kind hat der Sohn eines Gastronomen und einer Schneiderin in Filmen wie "Kevin allein zu Haus" genau beobachtet, was die Protagonisten in sich hineinschaufeln. Mit der ersten Kreditkarte begann der damals 18-Jährige dann die Produkte online zu bestellen. Die "Butterfinger", "die Twinkies", die "Reeses." Junk vom Feinsten. Binnen kürzester Zeit war er in seinem Freundeskreis bekannt als der Dealer für den besonderen Snack. Für das, was man anderswo nicht findet.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-10-07 17:08:07
Letzte ─nderung am 2016-11-04 16:01:24



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