• vom 01.12.2016, 19:19 Uhr

Wien

Update: 02.12.2016, 07:44 Uhr

Papierfachgeschäfte

Düstere Aussichten




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Von Arian Faal

  • Einige Papierfachgeschäfte kämpfen ums Überleben. Ein Lokalaugenschein bei Brigitte Kreuziger in Gumpendorf.




© Stanislav Jenis © Stanislav Jenis

Wien. "Der Papier-König auf der Westbahnstraße ist weg. Die Greißlerei der legendären Elfriede Ott auf der Neustiftgasse gibt es nicht mehr und auch der unverkennbare Teppichladen vom Nossi in der Neubaugasse ist Geschichte", sagt Ruth Bestifa und blickt traurig auf das Eck Neubaugasse und Westbahnstraße. "Ich bin hier groß geworden und für mich ist mit der Schließung der vielen bekannten Einzelhändler ein Stück Kindheit endgültig zu Grabe getragen worden", kommentiert die knapp 30-jährige Bankangestellte nostalgisch. Besonders um den Papierhändler, der hier das Grätzel belebte und schon vor einigen Jahren die Pforten schloss und sich in die Pension verabschiedete, tut es ihr leid. "Wir sagten in Anlehnung an Pinocchio Gepetto zu ihm. Er war immer für uns Kinder da", erzählt sie. Früher habe man in dieser Gegend mehr als sieben Papierfachgeschäfte gehabt, nun gebe es nur noch den Mastnak. "Überhaupt muss man die Papierfachgeschäfte in vielen Wiener Bezirksteilen heute mit der Lupe suchen", sagt Bestifa. Diese angesprochene Entwicklung besonders zu spüren bekommen hat Brigitte Kreuziger. Im kommenden Jahr feiert die 68-Jährige ihr 20-jähriges Jubiläum als Inhaberin des Papierfachgeschäftes "Erika" auf der Gumpendorfer Straße. Schon seit mehreren Jahrzehnten beherbergt das Haus mit der Nummer 76 immer Papiergeschäfte. "Ich habe den Namen Erika belassen, aber sonst hat sich sehr viel geändert", resümiert sie. Ihr nehme die Neugestaltung der Mariahilfer Straße samt den verkehrstechnischen Auswirkungen auf die Umgebung enorm viel Umsatz weg. "Wegen den anhaltenden Parkplatzproblemen kommen viele Kunden nicht mehr auf die Gumpendorfer Straße.

Große Ketten als Rivalen
Geschilderte Veränderungen machen sich auch im Jahresumsatz bemerkbar. "Früher hatte ich laut meinen Statistiken etwa 60 Kunden pro Tag, heute sind es knapp 40", sagt sie. Hinzu zur Herausforderung, sich gegenüber den großen Ketten behaupten zu müssen, kommt auch die Belastung durch die Diskonter. "Man geht zum Supermarkt und bekommt dort auch schon Hefte und Stifte. Nur oft sind die Waren qualitativ nicht hochwertig und auch nicht aus Österreich. Das Ergebnis sind dann häufige Beschwerden der Kunden, aber man kann eben nicht alles haben", unterstreicht die rüstige Dame, die sich als "Pensionistin" bezeichnet. Pensionistin? "Ja, Sie haben richtig gehört. Das hier sehe ich nur noch als Hobby. Wenn meine Pension und jene meines Partners nicht wären, könnte ich das gar nicht mehr machen", erklärt sie.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-01 17:23:08
Letzte nderung am 2016-12-02 07:44:02



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