• vom 04.12.2016, 20:54 Uhr

Wien

Update: 05.12.2016, 11:49 Uhr

Museum in Wien

Antifaschistische Schutzimpfung




  • Artikel
  • Lesenswert (11)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Valentine Auer

  • Das Befreiungsmuseum Wien dokumentiert in einem ehemaligen Luftschutzbunker die Befreiung Wiens von 1945 bis 1955. Kuratiert werden die Ausstellungen von Jugendlichen des Erich-Fried-Realgymnasiums.

Vor dem Erinnerungsbunker: Willi Urbanek (2.v.l.) und Natalia Lagureva (r.) mit Schülern des Erich-Fried-Realgymnasiums - Einblick ins Museum im Arne-Carlsson-Park. - © Auer

Vor dem Erinnerungsbunker: Willi Urbanek (2.v.l.) und Natalia Lagureva (r.) mit Schülern des Erich-Fried-Realgymnasiums - Einblick ins Museum im Arne-Carlsson-Park. © Auer

Wien. Graue Mauern und stehende Luft. Verblasste Buchstaben weisen auf ein Rauchverbot hin. Stufen führen in die Tiefe, zu 40 verwinkelten Räumen. Ab dem Jahr 1941 schützten die kleinen Kammern bis zu 500 Menschen gleichzeitig vor den explodierenden Bomben.

Von außen wirkt der mit Graffiti bunt besprühte Bunker im Arne-Carlsson-Park kaum wie ein Kriegsrelikt - ist er doch umgeben von schaukelnden Kindern und tratschenden Eltern. Im Inneren rückt die triste Geschichte, mit dem dieser Ort im 9. Bezirk verbunden ist, schnell ins Bewusstsein. Seit Oktober 2015 führen Schüler und Schülerinnen des Erich-Fried-Realgymnasiums durch diesen Zeitzeugen aus Beton, um die Geschichte der Befreiung Wiens aufzuarbeiten.


Bunker der Erinnerung
"Der Bunker wurde gebaut, als absehbar war, dass die sogenannte Ostmark in den Bereich der anfliegenden Verbände der Alliierten kommen würde", erklärt Will Urbanek. Er ist nicht nur Direktor des Befreiungsmuseums Wien, sondern leitet auch das Bezirksmuseum Alsergrund und unterrichtet am Erich-Fried-Realgymnasium Deutsch und Geschichte. Mit 20 mal 40 Meter stellt der Bunker das dar, was früher als Normbunker bezeichnet wurde. Heute ist er alles andere als normal oder gewöhnlich. Nach dem Krieg stand er lange Zeit offen und wurde von der Wiener Bevölkerung als Ersatzteillager verwendet. Manche Leute erzählten Urbanek, dass sie als Kinder in diesem Bunker gespielt haben. Später wurde er vom Wiener Stadtgartenamt als Depot übernommen. Doch stellte sich heraus, dass der labyrinthartige Bunker nicht dafür geeignet war. Heute will der einzige Tiefbunker in Wien, der original erhalten ist, die Geschichte Wiens ab 1945 erzählen - eine Geschichte der Befreiung und nicht einer Eroberung.

Bereits seit 1995 dient der Bunker als Gedächtnisspeicher. Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Befreiung wurde damals unter der Leitung von Urbanek und unter Mitarbeit von Studierenden und Schülern erstmals eine Ausstellung zum Thema "Diktatur der NS-Zeit" im Bunker kuratiert.

Vor zwei Jahren bildete sich die "Arge Befreiungsmuseum", initiiert von Natalia Lagureva, der zweiten Direktorin des Museums. "Wir hatten die Idee, ein Museum zu erschaffen, das sich speziell mit dieser Zeit von 1945 bis 1955 beschäftigt. In den Erinnerungen vieler Österreicher wird die Befreiung mit 1955 verknüpft. Wir wollten zeigen, dass es diese dunkle Periode des Nationalsozialismus gab und darauf die Befreiung folgte", beschreibt Lagureva die Motivation, die hinter dem im Herbst 2015 eröffneten Befreiungsmuseum steht.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-04 20:59:05
Letzte ─nderung am 2016-12-05 11:49:05



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Platzverbot rund um Ballhausplatz
  2. "Bin Trainer, kein politischer Aktivist"
  3. Wiens "Dschihad" gegen Türkis-Blau
  4. "Wunschwidmung für Investor"
  5. Ausgebucht
Meistkommentiert
  1. "Wunschwidmung für Investor"
  2. Bauliche Endphase
  3. Knapper Bürgermeister
  4. Generalprobe des Historismus
  5. Hilfe ohne viel Tamtam

Werbung



Innere Stadt

Noch kein Fort Knox

Älteste Kirche von Wien, die Ruprechtskirche, Schwedenplatz, Kohlmarkt, Dirndln auf der Kärntner Straße, Vivienne-Westwood-Shop in der Tuchlauben v.l.n.r. - © Ina Weber Wien. Ist man kein Anzugträger und wohnt dennoch im 1. Bezirk, kommt die Antwort auf die Frage nach dem Wohnort fast einem Geständnis gleich... weiter





Zwischennutzung

Die kreative Vorhut der Investoren

Noch dieses Wochenende hat der Weihnachtsmarkt im Stall geöffnet. - © creau Wien. Zum Glück waren es keine Schweine. Angie Schmied und Lukas Böckle stehen in dem ehemaligen Stallgebäude und schnuppern... weiter




Transition Base

Smartes Wagenvolk

Wohnraum muss nicht viel kosten: Der alte Zirkuswagen soll für kreative Zwecke genutzt werden. - © Puiu Wien. Über die Felder der im Nordosten Wiens liegenden Seestadt fegt ein eisiger Wind. Direkt neben der Satellitenstadt... weiter




Fleischerei

Ausgeblutet

Nach vier Generationen Familienbetrieb ist es mit Trünkel im April 2017 vorbei. - © Arnold Burghardt Wien. Es ist ein schwarzer Tag für die Wiener Fleischerbranche, ein weiterer. Das Gerücht, dass Trünkel die neun der ursprünglich 25 Filialen im April... weiter





Werbung


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Angelobung mit Demo-Begleitung
  2. Angelobung von Kritik und Protest begleitet
  3. "Erschüttert" über FPÖ-Regierungsbeteiligung
  4. Schneedecke über der Westautobahn
Meistkommentiert
  1. Angelobung von Kritik und Protest begleitet
  2. "Erschüttert" über FPÖ-Regierungsbeteiligung
  3. Platzverbot rund um Ballhausplatz
  4. Angelobung mit Demo-Begleitung


Werbung


Werbung