
Wien. (bau) Eigentlich hätte die Arbeitsgruppe "Standort" des ORF-Stiftungsrates am Mittwochabend eine Vorentscheidung treffen sollen, ob der ORF in einen Neubau in St. Marx zieht oder die drei Wiener Standorte (Küniglberg, Funkhaus und Heiligenstadt) zu einem großen Standort am Küniglberg zusammengezogen werden. Doch die Sitzung verlief anders als erwartet: Die Stiftungsräte schickten die ORF-Führung dabei "zurück an den Start".
Die Räte wollen die eigentlich schon ausgeschlossene Option mit drei Wiener Standorten noch einmal detailliert durchgerechnet haben. Der ORF-Chef soll nun bis Ende Mai für alle drei Möglichkeiten präzisere Berechnungen vorlegen. Darüber hinaus solle Alexander Wrabetz eine konkrete Vision für den künftigen ORF präsentieren, die ebenfalls in die Berechnungen einfließen soll. Darauf basierend müsse dann die günstigste Variante gewählt werden, war zu erfahren.
Derzeit keine Mehrheit
Die günstigste Variante war in der Letztfassung des Konzepts jedenfalls nicht St. Marx: Diese Variante wurde mit 1,49 Milliarden Euro (auf 35 Jahre) als teuerste gelistet - 1,37 Milliarden soll ein Ausbau des Küniglbergs kosten. Den Küniglberg nur zu sanieren und alles so zu belassen wie jetzt, wäre mit 1,24 Milliarden Euro die günstigste Option. Bis 24. Mai sollen neue Zahlen vorliegen.
Derzeit sieht es im ORF-Stiftungsrat nicht nach einer Mehrheit für einen Umzug aus: ÖVP und die heftig gegen den Umzug agierenden ORF-Betriebsräte sowie FPÖ und BZÖ haben sich bereits dagegen ausgesprochen. Damit wären derzeit 20 von 35 Räten gegen den Neubau. Das kann sich jedoch bis zur Abstimmung Ende Juni noch ändern.
Aus hohen ORF-Kreisen hieß es diesbezüglich, "das Projekt ist am Kippen". Es sei nur schwer zu kommunizieren, dass man am 1. Juni die ORF-Gebühren erhöhe und am 28. Juni einen Neubau um 400 Millionen Euro (260 Millionen für den Bau und 140 Millionen für Rundfunk-Technik) beschließe.
Mitten in die Sitzung platzte zudem ein Bericht der "Krone" vom Mittwoch, wonach nun Teile der Bundes-SPÖ den ORF-Umzug hinterfragen. Während die Stadt Wien heftig für einen Umzug nach St. Marx plädiert, soll die Bundespartei vor allem im Hinblick auf die Nationalratswahlen 2013 eher abwartend sein. SPÖ-Kreise sind darin mit den Worten zitiert, dass es "der SPÖ absolut egal ist, wo der ORF arbeitet". Es müsse nur die günstigste Variante gewählt werden.
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