Wien. Der Bericht der "Wiener Zeitung" vom 2. März, wonach das riesige Dach des neuen Wiener Hauptbahnhofs ohne Solaranlagen auskommen sollte, sorgt nun offensichtlich für ein Umdenken in der Politik: Denn Infrastrukturministerin Doris Bures hat den ÖBB eine Planänderung verfügt, wie in ihrem Büro bestätigt wird: "Sie hat sehr intensiv eingewirkt, damit der Hauptbahnhof nicht ungenutzt bleibt. Da wird etwas kommen." Nähere Details wollte man vorerst im Ministerium nicht nennen - noch vor dem Sommer sei eine Projekt-Präsentation vorgesehen.

Dieser Schwenk kommt insofern überraschend, als die ÖBB den Einsatz der Solartechnik für den Hauptbahnhof bisher abgelehnt haben und lediglich die technischen Voraussetzungen für eine etwaige zukünftige Nachrüstung schaffen wollten. Das, obwohl eine detailreiche Untersuchung von Arsenal Research (Austrian Institute of Technology) zu dem Schluss gekommen ist, dass Solarenergie am Hauptbahnhof nicht nur technisch machbar, sondern durchaus auch wirtschaftlich sei. Bei der Maximalvariante mit Solarpanels auf den Dächern, an der Fassade sowie den Lärmschutzwänden würde sogar Österreichs größte Solaranlage geschaffen, womit ein "Leuchtturmprojekt" etabliert würde. Die errechneten Kosten von rund fünf Millionen Euro (Stand 2008) nehmen sich angesichts der Gesamtinvestitionssumme für alle Hauptbahnhof-Projekte (vier Milliarden Euro) äußerst gering aus, zumal sie sich nach rund 20 bis 30 Jahren amortisieren würden.
Nur Minimalvariante möglich
Diese Maximalvariante kann nun aber nachträglich nicht mehr realisiert werden, bestätigt ÖBB-Sprecher Herbert Ofner. "Bei den Verhandlungen geht es nur um die verlängerten Bahnsteigdächer, nicht um die Rautendächer." Letztere nachträglich zu bestücken sei nämlich aus statischen Gründen nicht mehr möglich. Dadurch verringert sich die Fläche für die Solarmodule natürlich drastisch: Das Hauptbahnhof-Dach wird insgesamt 40.000 m² groß - das entspricht acht Fußballfeldern; die flachen Bahnsteigdächer auf der Ostseite verfügen nur über eine Fläche von rund 5000 m², wovon etwa 1000 m² für Solarzellen übrig blieben. Laut Studie belaufen sich die Kosten für diese Variante auf rund 800.000 Euro.
Allerdings sei das Projekt laut ÖBB noch nicht fix: "Es ist jetzt Bewegung in die Sache gekommen. Aber wir sagen immer noch, dass es sich nur mit zusätzlichen Förderungen rentiert." Daher liege es nun an den Gesprächspartnern - Infrastrukturministerium und Wien-Energie -, die Fördersituation zu verbessern.
Indes hat die Wien-Energie bereits das dritte Bürger-Solarkraftwerk auf den Markt gebracht (das erste war im Februar binnen 26Stunden ausverkauft). Ab 475Euro kann man einsteigen - bei einer garantierten jährlichen Vergütung von 3,1 Prozent.
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