Wien. Die Arbeitstätigkeiten steigen, freie Stellen werden oft nicht nachbesetzt und somit wächst der Druck auf die Mitarbeiter in Wiens Spitälern: Das hat zumindest eine Umfrage der rot geführten Gewerkschaft für Gemeindebediensteten (GdG-KMSfB) unter Mitarbeitern des Krankenanstaltenverbundes (KAV) ergeben. Am Mittwoch präsentierte Bernhard Harreither, Vorsitzender der sogenannten Hauptgruppe II, die Ergebnisse. Die Gewerkschaft forderte daher den Arbeitsdruck durch Personalaufstockung und eine transparente Leistungsplanung zu reduzieren.
Mehr als 70 Prozent der insgesamt 1414 Befragten klagten in erster Linie über Personalmangel. Zurückzuführen sei dies vor allem durch Einsparungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren. Gleichzeitig würden aber auch die Leistungen explodieren, hob Harreither hervor: "Die Rettungsdienste haben sich in den letzten vier Jahren deutlich erhöht. Zusätzlich bleiben Patienten oft länger als notwendig im Spital liegen." Dies komme hauptsächlich daher, dass die derzeitig üblichen Öffnungszeiten im niedergelassenen Bereich oft nicht den Bedürfnissen der zu behandelnden Personen nachkämen.
Altersgerechtes Arbeitszeitregelsystem
Einen Lösungsansatz in der Personalfrage sieht der Vorsitzende unter anderem in einem altersgerechten Arbeitszeitregelsystem: "Wir haben bereits viel Pflegepersonal mit einem Durchschnittsalter um die 50 Jahre." Im Dienstplan würden daher auf den ersten Blick alle Stellen besetzt sein, in der Realität sehe dies aber anders aus: Denn mit zunehmendem Alter würde das Bedürfnis nach längeren Erholungsphasen bzw. auch die Krankheitsanfälligkeit steigen. Dem gelte es entgegenzuwirken, damit insgesamt mehr Personal den Spitälern zur Verfügung steht. Vorstellbar ist laut Harreither etwa eine Vier-Tage-Woche ab dem 55. Lebensjahr.
Transparente Leistungsplanung durch Stadt gefordert
Das Problem der "Gangbetten" - das sind Notbetten, die bei einer Überbelegung in den Gängen aufgestellt werden - will der Vorsitzende so lösen: "Wir fordern von der Stadt Wien eine transparente Leistungsplanung für jedes Spital." Damit soll eine bessere Aufteilung der Patienten ermöglicht und folglich eine Entlastung chronisch überbelegter Spitäler vermieden werden. Allein im Jänner und Februar dieses Jahres hätte es 6.700 Gangbetten in den Wiener Spitälern gegeben: "Das ist nicht nur unzumutbar für die Patienten, sondern auch für die Mitarbeiter."
Letztendlich sei es wichtig, die Arbeitsabläufe besser aufeinander abzustimmen und zu organisieren: "Tätigkeiten, für die man eigentlich nicht angestellt ist, führen zu einer erhöhten Belastung", erklärte der Vorsitzende. "Das Pflegepersonal berichtete, dass es von Putzen bis Spritzen alles macht." Dazu soll ab Juni das vorerst einjährige Projekt "Skill- and Grademix" im Kaiser-Franz-Josef-Spital und im Krankenhaus Floridsdorf gestartet werden: "Dabei gilt es herauszufinden, ob die Arbeitszufriedenheit wieder zunimmt, wenn jeder in den Stationen nur das macht, was er gelernt hat."
Im vergangenem November hat die Hauptgruppe II eine Mitarbeiterbefragung an den Wiener Spitälern initiiert, um Probleme der einzelnen Berufsgruppen und Abteilungen zu identifizieren. Gleichzeitig hat auch der KAV, der die Gemeindespitäler betreibt, das Projekt "Arbeitsbedingungen gemeinsam gestalten" gestartet, die noch läuft. Die bereits vorliegenden Ergebnisse der Hauptgruppe II sollen dann bis Mitte Mai mit den Resultaten des KAV-Projekts verglichen werden. "Wir möchten im Mai noch über erste Maßnahmen mit klarem Datum zur Umsetzung verhandeln", betonte Harreither.
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