Wien. Mehr als 100 Jahre nach seinem Tod prägte der ehemalige Wiener Bürgermeister Karl Lueger eine Debatte im Wiener Gemeinderat. Grund ist die vergangene Woche angekündigte Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Rings in Universitätsring, die im Herbst von der rot-grünen Stadtregierung vollzogen werden soll.
Neue Positionen waren am Freitag im Zuge des mitunter deftigen verbalen Schlagabtausches zwischen den politischen Lagern aber kaum auszumachen. ÖVP-Mandatar Wolfgang Ulm betonte, dass Luegers antisemitische Äußerungen scharf zu verurteilen seien, "aber die gibt es auch in den Reihen der Sozialisten und Sozialdemokraten". Diese seien aber für die Stadtregierung "sakrosankt" - er nannte die Beispiele Julius Tandler, Karl Marx und Karl Renner. FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus sprach von "linkem Gesinnungsterror". "Lueger war eine Lichtgestalt und wo Licht ist, ist auch Schatten."
Ergänzung für das Denkmal
Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny verteidigte die Umbenennung, dabei gehe es um "Justierung in der Wahrnehmung und nicht um Bilderstürmerei". Gleichzeitig kündigte er an, beim Lueger-Denkmal am Stubentor eine "Kontextualisierung" durchzuführen - sprich: eine Zusatztafel oder eine künstlerische Gestaltung als Ergänzung.
Eine personelle Änderung gibt es im SPÖ-Klub: Auf Mandatarin Hannelore Reischl folgt Ilse Graf, die ihre politische Heimat ebenfalls in Liesing hat.
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