Wien. Die Umsetzung kommt keinen Tag zu früh - das wissen alle Beteiligten seit Jahren. Bereits 2004 wurde erstmals bekannt, dass die Stadt Wien auf dem Areal des ehemaligen Aspang-Bahnhofs ein neues Holocaust-Mahnmal mit dem Titel "Gedenkstätte für den deportierten Nachbarn" plant. Schon damals äußerte der frühere Planungsstadtrat und jetzige Klubchef Rudolf Schicker (SPÖ) die Sorge, dass das Projekt Verzögerungen unterliegen würde, weshalb es keine Zeit zu verlieren galt: "Es besteht die Gefahr, dass die Überlebenden sonst schon alle gestorben sind", so Schicker.
Nachdem das Mahnmal aufgrund der permanenten Bauverzögerungen des Großprojekts "Eurogate" auf dem ehemaligen Bahnhofsareal ebenso immer wieder nach hinten verschoben wurde, gibt es nun erstmals einen konkreten Fertigstellungstermin. "Diesen Sommer wird mit den Bauarbeiten für den neuen Park begonnen. Im Laufe des nächsten Jahres wird dieser dann fertig - ebenso wie die dort situierte Gedenkstätte", berichtet ein Sprecher von Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) der "Wiener Zeitung". Der Park, der an die bereits bestehenden Passivhaus-Wohnbauten von "Eurogate" angrenzt, wird übrigens nach Leon Zelman benannt, dem 2007 verstorbenen Gründer des Wiener "Jewish Welcome Service".
Laut Umweltressort sind sowohl Zeitplan als auch Finanzierung des neuen Parks "ganz fix". Möglicherweise wird die Erinnerungsstätte in genau einem Jahr - am 8.Mai 2013, dem Tag der Befreiung von der Nazi-Herrschaft - feierlich eröffnet. Rund 400.000 Euro sind für die Gedenkstätte budgetär veranschlagt.
Namen der Opfer in
tiefem Graben eingefasst
Der Ort des neuen Mahnmals ist wohl überlegt: Vom früheren Deportationsbahnhof im 3.Bezirk wurden zwischen 1939 und 1942 rund 50.000 Menschen - vorwiegend Juden - in Konzentrationslager verschleppt. Für sie soll es auf dem historisch belasteten Ort ein würdiges Andenken geben, in Form eines 35 Meter langen, 5Meter tiefen und 1,9 Meter breiten Grabens - so breit wie die Spannweite eines Menschen bei ausgebreiteten Armen. Der Entwurf dafür stammt von den Architekten "Fischer-Naumann-Partnerschaft" aus Stuttgart, der im Jahr 2006 von einer hochkarätig besetzten Jury aus 80 in- und ausländischen Projekten ausgewählt wurde.
Dieser räumliche Einschnitt in die Parklandschaft soll durch eine aus dem Erdreich heraustretende 90 bis 150 Zentimeter hohe Edelstahlwand zusätzlich sichtbar gemacht werden. Dabei werden an den Innenseiten des Grabens die Namen der Deportierten eingraviert. "Die Namen, zunächst noch lesbar, verlieren sich in der Tiefe des Unlesbaren, lassen so jedes einzelne der Opfer gegenwärtig sein und stehen gleichzeitig für die Unfassbarkeit des Geschehens, an das es zu erinnern, vor dem es zu mahnen gilt", heißt es in einer Broschüre des Rathauses über das Projekt. Außerdem reagiere diese Gedenkstätte auf das unausweichliche Faktum, dass "die Zeit, in der auf unmittelbare Zeugenschaft zurückgegriffen werden kann, zu Ende geht".
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