Wien. (rös/apa) "Es kann sich nur um ein Missverständnis handeln", erklärte der Wiener Stadtgartendirektor Rainer Weisgram am Donnerstag: Demnach werden keine 90 Bäume zugunsten eines Radweges gefällt, wie das die Bezirksvorsteherin des ersten Bezirks, Ursula Stenzel, behauptet hatte. Das würde auch das Baumschutzgesetz nicht zulassen, versicherte Weisgram.
Vielmehr sei es so, dass jährlich etwa drei Prozent des Wiener Baumbestandes erneuert werden müssen. Am Ring sind es heuer laut Weisgram 77 Bäume, die aus Altersgründen gegen neue ausgetauscht werden. 2011 waren es 50. Vom Ausbau des Radwegenetzes betroffen seien drei Bäume, wobei zwei versetzt werden und nur einer wird "erneuert" - aber nicht ersatzlos gefällt.
"Ein Straßenbaum ist ein Extremist"
"Ein Straßenbaum ist ein Extremist", der durch Verkehr, Hitzeabstrahlung, Bodenverdichtung und eingeklemmte Wurzeln besonderen Belastungen ausgesetzt sei, so der Stadtgartendirektor. Insofern werden Straßenbäume lediglich 30 bis 40 Jahre alt, während ihre Artverwandten in Parks es schon auf 100 oder mehr Jahre bringen können.
Am Ring gibt es laut Weisgram 2500 Bäume. 60 Prozent davon sind Ahorn, 20 Prozent Linden und das restliche Fünftel setzt sich aus diversen Arten wie etwa Platanen zusammen. Nachdem in der Vergangenheit viele Bäume am Ring ausgetrocknet waren, hat man 2008 ein Richtlinienkonzept ausgearbeitet und alle 100.000 Wiener Straßenbäume via Software erfasst, um damit Alter, Herkunft, Pflegebedarf und Allgemeinzustand zu dokumentieren, so der Stadtgartendirektor. Darüberhinaus kontrollieren 15 Mitarbeiter regelmäßig die Bäume, insgesamt 60 sind auf Baumpflege spezialisiert.

In den vergangenen Jahren ist man bei den Neu- und Nachpflanzungen an stark befahrenen Straßen dazu übergegangen, robustere Bäume zu setzen, wie den Zürgelbaum oder eine besondere Linden-Art.
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