• vom 19.09.2012, 20:00 Uhr

Stadtpolitik

  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Parteiübergreifende Zustimmung für neues Wiener Pilotprojekt zur Forcierung der Lehrlingsausbildung:

Bauaufträge nur für Lehrbetriebe



  • Wiener Initiative ist auch "ein Wink an Brüssel", sagt Jugend-Stadtrat Oxonitsch.

"Bildung ist für Junge auch der Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben", ist Wiens Bildungsstadtrat Oxonitsch überzeugt - für Betriebe soll Lehrlingsausbildung nun auch leichter Aufträge bringen. - © APA

"Bildung ist für Junge auch der Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben", ist Wiens Bildungsstadtrat Oxonitsch überzeugt - für Betriebe soll Lehrlingsausbildung nun auch leichter Aufträge bringen. © APA

Wien. (hdt) In Wien soll sich in Zukunft die Ausbildung von Lehrlingen noch mehr bezahlt machen. Die Stadt wird in Zukunft bei der Direktvergabe von Bauaufträgen Betriebe mit Lehrlingsausbildung bevorzugt berücksichtigen. Ein entsprechendes Pilotprojekt werde Anfang 2013 gestartet, kündigte der Wiener Bildungs- und Jugendstadtrat Christian Oxonitsch am Mittwoch an.

Werbung

Parteiübergreifend gab es Zustimmung, Landtagsabgeordnete Anita Leeb, Bildungssprecherin der ÖVP Wien, begrüßte die Umsetzung einer "langjährigen VP-Forderung": "Ich habe den Traum, dass man an Wien nicht mehr nur als Stadt der Heurigen und der Walzerseligkeit denkt, sondern als Metropole der qualifizierten Lehre und Ausbildung", so Leeb.

Die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) und die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) sehen die Initiative als wichtigen Meilenstein.

Oxonitsch selbst sieht die Sache durchaus auch als "Signal an die EU", die sich bei der Lösung der Probleme rund um die hohe Jugendarbeitslosigkeit "ohnehin immer öfter in Wien einfindet, um sich Best-Practice-Tipps abzuholen" - und in den letzten Jahren verstärkt bei Auftragsvergaben vom sturen Billigbieterrezept abzugehen beginnt.

In Wien sind Maßnahmen zur Frauenförderung bereits seit längerer Zeit ein wichtiges Kriterium, wenn Betriebe ihre Chancen auf den Erhalt öffentlicher Aufträge erhöhen wollen. Nun soll Ähnliches auch für die Lehrlings- und Berufsausbildung gelten.

Mit dem Projekt sollen zunächst bei Direktvergaben von Bauaufträgen jene Unternehmen verstärkt berücksichtigt werden, die Lehrlinge beschäftigen. Nachdem die duale Lehrausbildung zwar für Österreich typisch ist, in anderen EU-Ländern - außer Deutschland - jedoch nicht, wird das Projekt noch nicht für grenzüberschreitende Ausschreibungen gelten, die ab einer Auftragssumme von 100.000 Euro vorgeschrieben sind. Dennoch werden von dieser Maßnahme "Zigtausende Aufträge" in insgesamt hoch zweistelliger Millionenhöhe erfasst sein, so Oxonitsch zur "Wiener Zeitung".

Gewerkschaft will Ausweitung aufs ganze Land
"Die heute präsentierte Berücksichtigung von Ausbildungsbetrieben bei Aufträgen der Stadt Wien ist ein echter Meilenstein", so Patrick Hainzl, Lehrlingsvorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) Jugend Wien in einer Aussendung. Diese Maßnahme diene dazu, dass nun wieder mehr Betriebe in die Ausbildung von jungen Menschen investieren und sich damit ihrer sozialen Verantwortung stellten. Nur neun Prozent der Wiener Betriebe in der Privatwirtschaft würden Lehrlinge ausbilden - gleichzeitig werde aber über einen Fachkräftemangel "geraunzt", kritisiert Hainzl. "Diese Maßnahme ist ein erster wichtiger Meilenstein, der nächste muss in Form eines Berufsausbildungsfonds folgen", so Hainzl.

Die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) spricht sich für die Ausweitung des Projektes auf ganz Österreich aus: "Aufträge nur für Betriebe mit Lehrlingen - das sollte in ganz Österreich umgesetzt werden", so Jürgen Michlmayr, ÖGJ-Vorsitzender, in einer Aussendung. Auch müsste man darüber nachdenken, Unternehmensförderungen daran zu koppeln, ob die Firmen Lehrlinge ausbilden.

"Wir brauchen außerdem die Fachkräftemilliarde, wo Betriebe einzahlen, die nicht ausbilden, obwohl sie es könnten, und aus dem jene Betriebe, die ordentlich und qualitativ hochwertig ausbilden, Förderungen erhalten", fordert Michlmayr.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-19 18:09:08
Letzte Änderung am 2012-09-19 19:12:11


Beliebte Inhalte



Ein Dachausbau sei rechtlich nicht möglich, so das Gutachten des Architekten Lichtblau. - Vasari
  • Mieter werfen Behörden Untätigkeit vor. Brief der MA 19 stiftet Verwirrung.
  • weiter

Zu Obdachlosen und Bettlern wurden die Stadttauben degradiert, meinen Tierschützer. - dpa
  • In Meidling traf sich das Who is Who der deutschsprachigen Taubenlobby.
  • weiter

Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt. - Tiergarten Schönbrunn/Norbert Potensky
  • Lubango ist jüngster Nachwuchs im Tiergarten Schönbrunn.
  • weiter

Laboratmosphäre im Eisgeschäft: Peter Kail kämpft gegen den Einheitsgeschmack. - Luiza Puiu
  • Basilikum, Caramel-Meersalz, Rote Rübe: Eis-Sorten einmal anders.
  • weiter

Auch für das Doppel-Allee-Konzept der Ringstraße ist Förster verantwortlich. - apa
  • Förster vereinte Funktion, Schönheit - und konnte das auch kommunizieren.
  • weiter

Kindergarten ab eins und Ganztagsschule: für Brandsteidl die beste Lösung. - Radule Bozinovic/KOSMO
  • Stadtschulratspräsidentin hält Trennung von deutsch- und nichtdeutschsprachigen Kindern für wenig sinnvoll.
  • weiter

  • Finanzstadträtin Brauner präsentiert Rechnungsabschluss 2012.
  • weiter

Erwerb der Erstsprache ist mit Schuleintritt noch nicht abgeschlossen. - Stanislav Jenis
  • An vielen Schulen ist es Kindern untersagt, ihre Erstsprache zu sprechen.
  • weiter

Michael Cramer will den Fahrradtourismus fördern . - Bernold
  • Die Aufregung um das Rad-Thema wird laut Experten bald verschwinden.
  • weiter

Präzision und Eleganz lassen bei den Pferden zu wünschen übrig, kritisieren Insider. - apa
  • Belegschaft fürchtet um Qualitätsverlust der Traditionsinstitution.
  • weiter




Werbung



Oliver Rathkolb, Leiter der Historikerkommission zu Straßennamen, im Interview

Straßennamen im Umbruch

Umbenannt. Der Dr.-Karl-Lueger-Ring heißt seit Juli 2012 Universitätsring. Der Lueger-Platz bleibt als Reibebaum. - PID/Schaub-Walzer Wien. Es sind 4200 Straßennamen, die die Historikerkommission rund um Oliver Rathkolb nach problematischen Namen durchforsten muss... weiter


100. Todestag von Karl Lueger: Reformer, Populist und Antisemit, bewundert und angefeindet

Umstrittener Modernisierer

2012karllueger2 - Wiener Zeitung / Andreas Urban Man muss kein Prophet sein, um die Chancen auf eine Umsetzung der Pläne skeptisch zu beurteilen. Alle Jahre wieder fordern Initiativen die... weiter


US-Historiker John W. Boyer im Interview zum 100. Todestag des legendären Wiener Bürgermeisters Karl Lueger

Der Anfang vom einfärbigen Wien

2012karllueger - Wiener Zeitung / Andreas Urban Darüber hinaus avancierte Lueger mit der Gründung der Christlichsozialen Partei zu einem der Architekten des späteren österreichischen... weiter




Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

17.06.2013: Die Zwanziger Jahr des vergangenen Jahrhunderts leben beim Jazz Age Picnic in New York wieder auf. Zum achten Mal findet die Veranstaltung an zwei Wochenenden im Sommer auf Governor's Island statt. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Ein frömmelnder Heuchler schleicht sich in das Vertrauen eines alten Patriarchen und versucht, sich alles anzueignen, was diesem teuer ist: Frau, Haus und Tochter. Abgespielt hatte sich das Ganze in der Wohnküche eines Landhauses, auf den Brettern des Akademietheaters. Im Bild: Gert Voss (r.) als "Orgon", Edith Clever (m.) als "Dorine" und Adina Vetter als "Marianne". Ein Farbenrausch während der Eröffnungszeremonie.

Werbung