Wien. (hdt) In Wien soll sich in Zukunft die Ausbildung von Lehrlingen noch mehr bezahlt machen. Die Stadt wird in Zukunft bei der Direktvergabe von Bauaufträgen Betriebe mit Lehrlingsausbildung bevorzugt berücksichtigen. Ein entsprechendes Pilotprojekt werde Anfang 2013 gestartet, kündigte der Wiener Bildungs- und Jugendstadtrat Christian Oxonitsch am Mittwoch an.
Parteiübergreifend gab es Zustimmung, Landtagsabgeordnete Anita Leeb, Bildungssprecherin der ÖVP Wien, begrüßte die Umsetzung einer "langjährigen VP-Forderung": "Ich habe den Traum, dass man an Wien nicht mehr nur als Stadt der Heurigen und der Walzerseligkeit denkt, sondern als Metropole der qualifizierten Lehre und Ausbildung", so Leeb.
Die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) und die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) sehen die Initiative als wichtigen Meilenstein.
Oxonitsch selbst sieht die Sache durchaus auch als "Signal an die EU", die sich bei der Lösung der Probleme rund um die hohe Jugendarbeitslosigkeit "ohnehin immer öfter in Wien einfindet, um sich Best-Practice-Tipps abzuholen" - und in den letzten Jahren verstärkt bei Auftragsvergaben vom sturen Billigbieterrezept abzugehen beginnt.
In Wien sind Maßnahmen zur Frauenförderung bereits seit längerer Zeit ein wichtiges Kriterium, wenn Betriebe ihre Chancen auf den Erhalt öffentlicher Aufträge erhöhen wollen. Nun soll Ähnliches auch für die Lehrlings- und Berufsausbildung gelten.
Mit dem Projekt sollen zunächst bei Direktvergaben von Bauaufträgen jene Unternehmen verstärkt berücksichtigt werden, die Lehrlinge beschäftigen. Nachdem die duale Lehrausbildung zwar für Österreich typisch ist, in anderen EU-Ländern - außer Deutschland - jedoch nicht, wird das Projekt noch nicht für grenzüberschreitende Ausschreibungen gelten, die ab einer Auftragssumme von 100.000 Euro vorgeschrieben sind. Dennoch werden von dieser Maßnahme "Zigtausende Aufträge" in insgesamt hoch zweistelliger Millionenhöhe erfasst sein, so Oxonitsch zur "Wiener Zeitung".
Gewerkschaft will Ausweitung aufs ganze Land
"Die heute präsentierte Berücksichtigung von Ausbildungsbetrieben bei Aufträgen der Stadt Wien ist ein echter Meilenstein", so Patrick Hainzl, Lehrlingsvorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) Jugend Wien in einer Aussendung. Diese Maßnahme diene dazu, dass nun wieder mehr Betriebe in die Ausbildung von jungen Menschen investieren und sich damit ihrer sozialen Verantwortung stellten. Nur neun Prozent der Wiener Betriebe in der Privatwirtschaft würden Lehrlinge ausbilden - gleichzeitig werde aber über einen Fachkräftemangel "geraunzt", kritisiert Hainzl. "Diese Maßnahme ist ein erster wichtiger Meilenstein, der nächste muss in Form eines Berufsausbildungsfonds folgen", so Hainzl.
Die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) spricht sich für die Ausweitung des Projektes auf ganz Österreich aus: "Aufträge nur für Betriebe mit Lehrlingen - das sollte in ganz Österreich umgesetzt werden", so Jürgen Michlmayr, ÖGJ-Vorsitzender, in einer Aussendung. Auch müsste man darüber nachdenken, Unternehmensförderungen daran zu koppeln, ob die Firmen Lehrlinge ausbilden.
"Wir brauchen außerdem die Fachkräftemilliarde, wo Betriebe einzahlen, die nicht ausbilden, obwohl sie es könnten, und aus dem jene Betriebe, die ordentlich und qualitativ hochwertig ausbilden, Förderungen erhalten", fordert Michlmayr.
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