• vom 20.09.2012, 18:15 Uhr

Stadtpolitik

Update: 21.09.2012, 10:59 Uhr

Hotel Intercontinental

Große Pläne ohne Widmung




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Von Ina Weber

  • Das Areal Intercontinental, Wiener Eislaufverein und Konzerthaus wird neu gestaltet
  • Ein Investor, die Stadt, Experten und Bürger schaffen öffentlichen Raum.

Der Wiener Eislaufverein neben dem Hotel Intercontinental bleibt laut Investor erhalten. - © wev

Der Wiener Eislaufverein neben dem Hotel Intercontinental bleibt laut Investor erhalten. © wev

Wien. Am Montag flattern die Briefe der Firma Wertinvest in die Wiener Haushalte der umliegenden Anrainer. Die Beteiligungs- und Immobilienberatungsfirma wird gemeinsam mit der Stadt Wien das Areal Hotel Intercontinental, Wiener Eislaufverein und Konzerthaus neu gestalten und lädt schließlich alle Interessierten von 1. bis 7. Oktober zu einem Gedankenaustausch ins Konzerthaus in der Lothringerstraße ein. "Wir wollen damit sicherstellen, dass nicht nur die dazu berufenen Institutionen und die Experten ihre Ideen formulieren, sondern auch direkt alle jene, für die dieses traditionsreiche Areal im Herzen Wiens neu gestaltet werden soll", sagte Michael Tojner, Vorstand des Grundeigentümers Wertinvest, die im März dieses Jahres das Hotel Intercontinental gekauft und mehrheitlich an der Liegenschaft des Wiener Eislaufvereins beteiligt ist.

Das selbst so bezeichnete "besondere Projekt" hat durchaus schon ungewöhnlich begonnen. Es wurde kein Planungswettbewerb ausgeschrieben, sondern der Eigentümer setzte drei Planungsgruppen mit jeweils zwei Architekturbüros und einem Architekturprofessor ein. Vorsitzender des Bewertungsgremiums ist Rudolf Scheuvens von der Technischen Universität Wien.


Doch zunächst sollen die Bürger wichtige Inputs bringen. Im Rahmen einer Ausstellung will man "über die Vergangenheit und die Wünsche von Hotel, Eislaufverein und Konzerthaus" informieren und Gespräche führen, heißt es in der Einladung. Voraussichtlich im November werden die Planungsteams ihre Konzepte finalisieren. "Dieses Planungsverfahren ist bisher einzigartig in Österreich", sagt Daniela Enzi, Geschäftsführerin der EG-WertInvest zur "Wiener Zeitung". Enzi war bis August als Prokuristin des Wiener Museumsquartiers tätig und an dessen Entwicklung wesentlich beteiligt. Die bunten Outdoor-Liegen "Enzis" wurden nach ihr benannt. Nun trägt sie für Wertinvest gemeinsam mit Klaus Wolfinger die Verantwortung für die Projektentwicklung des bunten Konglomerats.

Das Hotel Intercontinental, als erstes Hotel einer internationalen Hotelkette 1964 eröffnet, soll modernisiert, der Wiener Eislaufverein erweitert werden. Sowohl die Stadt Wien als auch Wertinvest versichern, dass der Eislaufverein erhalten bleibt. "Die 6000 Quadratmeter Eisfläche bleibt bestehen. Das wurde vertraglich vereinbart", heißt es aus dem Rathaus. Im Zuge des Widmungsverfahrens hat der Investor Anliegen an die Stadt Wien, und die Stadt hat Anliegen an den Investor.

Im Fall eines Hotel-Neubaus dürfte laut Widmung nur bis zu einer gewissen Höhe gebaut werden. Der aktuelle Bebauungsplan sieht derzeit Gebäudehöhen bis zu 51 Meter vor, genau die Höhe des bestehenden Hotels. Für die Fläche des Wiener Eislaufvereins gibt es derzeit noch gar keine Widmung. Zuerst würden die Projektpläne vorgelegt, dann käme die Widmung, so die Planungsauskunft Wien.

Der allgemeine Wunsch ist es, ein Areal beim Stadtpark zu gestalten, welches Sport, Freizeit, Gastronomie, Hotel, Musik und Kunst miteinander verbinden soll. Mit der Investorengruppe soll der Eislaufverein saniert werden. Was die Stadt Wien zulassen wird und was nicht, wird nun in laufenden Verhandlungen erarbeitet. Die Stadt ist in jedem Fall federführend bei diesem Projekt.

Ein urbaner Treffpunkt
"Wir wollen einen urbanen Treffpunkt schaffen", sagt Enzi. "Das ist unser Ansatz. Wir wollen pulsierendes Leben bringen und eine Verknüpfung zwischen dem ersten und dem dritten Bezirk schaffen." Einen Vergleich mit dem Museumsquartier schließt Geschäftsführerin Enzi aus: "Dieses Areal beim Stadtpark hat eine ganz andere Tradition. Diese Tradition gilt es beizubehalten und weiterzuentwickeln", sagt sie.

Mehr als 60 Personen arbeiten in den Lenkungsgremien. Die Architekten stünden im ständigen Austausch miteinander. Am Ende des Jahres soll ein Vorschlag präsentiert werden, hinter dem alle Beteiligten stehen. Danach liegt es an der Stadt, die entsprechende Widmung zu genehmigen.




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Dokument erstellt am 2012-09-20 17:21:22
Letzte Änderung am 2012-09-21 10:59:44



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