• vom 12.10.2012, 14:38 Uhr

Stadtpolitik

Update: 12.10.2012, 15:37 Uhr

Deserteursdenkmal

Ballhausplatz als Standort fix




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Deserteursdenkmal
  • Heldenplatz war bis zuletzt im Rennen.

Wien. Nach monatelangen Verhandlungen ist die Standortfrage rund um das projektierte Deserteursdenkmal in Wien nun geklärt: Die Gedenkstätte für Opfer der NS-Militärjustiz wird am Ballhausplatz realisiert. Das gaben Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) und der grüne Klubchef David Ellensohn am Freitagnachmittag via Aussendung bekannt. Das Denkmal soll noch 2013 stehen.

Werbung

Bis zuletzt war auch der Heldenplatz als möglicher Standort im Rennen. Eine Zeit lang schien es sogar, als würde dieser von den Verantwortlichen favorisiert werden. Zuletzt hatte sich allerdings das Personenkomitee "Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz", das in die Gespräche miteingebunden war, strikt gegen den Helden- und für den Ballhausplatz ausgesprochen.

Bis zu 200.000 Euro Projektbudget
Die Abwicklung des Projekts erfolgt über die städtische Einrichtung KÖR (Kunst im öffentlichen Raum). Sie übernimmt von der Ausschreibung bis zur Umsetzung des Deserteursdenkmal alle weiteren Schritte. Das nötige Geld kommt aus der Kulturabteilung (MA 7). Kosten von bis zu 200.000 Euro seien budgetiert, sagte ein Sprecher des Kulturstadtrats Mailath-Pokorny auf APA-Nachfrage.

"Der Standort ist ein würdiger Ort, um im Zentrum der Stadt, in der Nähe von Bundeskanzleramt und Präsidentschaftskanzlei an jene zu erinnern, die ihr Leben aufs Spiel setzten, um nicht in der NS-Wehrmacht dienen zu müssen und jene, die von NS-Militärjuristen ermordet wurden", hieß es in der gemeinsamen Aussendung von Mailath-Pokorny und Ellensohn. Das Mahnmal werde so rasch wie möglich umgesetzt, wurde von Rot-Grün versichert.

Die Entscheidung gegen den geschichtsträchtigen Heldenplatz - Hitler verkündete hier am 15. März 1938 vor jubelnden Massen den "Anschluss" Österreichs ans Deutsche Reich - sei u.a. wegen anderer im Raum stehender Projekte am betreffenden Areal gefallen, betonte der Sprecher. Angesichts der geplanten Tiefgarage und eines vorgesehenen Tiefenspeichers für die Nationalbibliothek habe die Burghauptmannschaft - von ihr wird der Heldenplatz verwaltet - gebeten, "davon Abstand zu nehmen, das Denkmal hier zu realisieren", so der Sprecher.

Ähnlich hatte unlängst auch das Personenkomitee "Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz" argumentiert, das ursprünglich für den Heldenplatz als Standort plädiert hatte. Es gebe dort mittlerweile allerdings ein "Überangebot" an Inhalten und Projekten, weshalb man nun doch für den Ballhausplatz sei, hatte Obmann Thomas Geldmacher Ende September wissen lassen. Zudem hatte er die von Rot-Grün zur Disposition gestellte Heldenplatz-Fläche zwischen Burgtor und Völkerkundemuseum als "Nicht-Ort" und "Notausgang Richtung Burggarten" bezeichnet.

Die Errichtung eines Denkmals für Opfer der NS-Militärjustiz findet sich im rot-grünen Regierungsübereinkommen. Wien ist das erste Bundesland, das ein derartiges Projekt umsetzt.




Schlagwörter

Deserteursdenkmal

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2012-10-12 14:39:25
Letzte Änderung am 2012-10-12 15:37:30



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Wiens neues Luftschloss
  2. Eine äußerst schamlose Schambedeckung
  3. Gefangen im Einfamilienhausteppich
  4. Im Einsatz für sattes Grün
  5. "Da machen wir nicht mit"
Meistkommentiert
  1. Gefangen im Einfamilienhausteppich
  2. An Wien vorbei
  3. "Mehrheit von Schwarz-Blau verhindern"
  4. Anrainerparkplätze für alle
  5. "Da machen wir nicht mit"

Werbung



Siemensgebäude

Der Investor und das Kreta-Viertel

In den tristen Betonbauten findet Zwischennutzung im großen Stil statt. - © Phillipp Hutter Wien. Am Rande von Kreta steht ein Zaun. Er soll nicht Flüchtlinge davon abhalten, Griechenland zu betreten. Er soll Wiener davon abhalten... weiter




Zwischennutzung

Die Hegemonie über die Zwischenwelt

Ein Gelände, zwei Welten: Auf der einen Seite ein geförderter Zwischennutzungs-Hub bei der Karl-Farkas-Gasse in Neu Marx . . . Wien. Es gibt Entwürfe, die in der Schublade verschwinden. Andere, die realisiert werden. Und dann gibt es jene Entwürfe... weiter





Werbung


Transition Base

Smartes Wagenvolk

Wohnraum muss nicht viel kosten: Der alte Zirkuswagen soll für kreative Zwecke genutzt werden. - © Puiu Wien. Über die Felder der im Nordosten Wiens liegenden Seestadt fegt ein eisiger Wind. Direkt neben der Satellitenstadt... weiter




Stadtentwicklung

Breitenseer Mauerfall

20161115Wien1 - © Driendl Architects Wien. Die Ziegelmauer ist wie ein Bollwerk. Auf einer Länge von einem halben Kilometer trennt sie den Stadtteil Breitensee vom übrigen Bezirk Penzing... weiter





Athen

Gründen gegen die Wirtschaftskrise

Athen. 42 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist Athen wieder auf dem Boden gelandet. Schlechte Jobchancen, zusammengekürzte Sozialleistungen und... weiter




Teheran

Irans Nerds

Über den Dächern Teherans eifern junge Männer und Frauen ihrem Idol Steve Jobs nach. - © Solmaz Khorsand Teheran. Lang und breit könnte Nasser Ghanemzadeh über sein Leid klagen. Darüber, wie quälend das Leben in einer Islamischen Republik ist... weiter





Innere Stadt

Noch kein Fort Knox

Älteste Kirche von Wien, die Ruprechtskirche, Schwedenplatz, Kohlmarkt, Dirndln auf der Kärntner Straße, Vivienne-Westwood-Shop in der Tuchlauben v.l.n.r. - © Ina Weber Wien. Ist man kein Anzugträger und wohnt dennoch im 1. Bezirk, kommt die Antwort auf die Frage nach dem Wohnort fast einem Geständnis gleich... weiter






Werbung