• vom 12.10.2012, 17:25 Uhr

Stadtpolitik

Update: 12.10.2012, 18:45 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Abfallwirtschaft

"Den Mist haben wir im Griff"


Von Christian Rösner

  • Wiens Umweltstadträtin Ulli Sima über den Müll in der Stadt und Feinstaubfragen

Die Hundstrümmerl-Bekämpfung in der Stadt ist für Sima ein bisschen wie Kindererziehung .

Die Hundstrümmerl-Bekämpfung in der Stadt ist für Sima ein bisschen wie Kindererziehung .© Andreas Urban Die Hundstrümmerl-Bekämpfung in der Stadt ist für Sima ein bisschen wie Kindererziehung .© Andreas Urban

"Wiener Zeitung": Eigentlich haben sich ja die Grünen das Thema Umwelt an die Fahnen geheftet. Die Umweltstadträtin sind aber Sie - gibt es hier ein Konkurrenzverhalten in der Zusammenarbeit?

Werbung

Ulli Sima: Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend und besser als viele am Anfang vermutet hatten. Wie ausgemacht, kümmert sich jeder um seinen Bereich - allerdings haben wir ohnehin in den meisten Bereichen gemeinsame Ziele.

Ist es jetzt besser als vorher?

Bei aller Euphorie ist eine absolute Mehrheit für eine Partei noch immer der angenehmste Zustand.

Es gibt also überhaupt keine Diskrepanzen?

Natürlich haben die Grünen etwa in der Verkehrspolitik zum Teil andere Schwerpunkte. Aber eine Koalition besteht eben aus zwei verschiedenen Parteien und die wird bei uns sehr partnerschaftlich gelebt.

Könnte so ein anderer Schwerpunkt die Umweltzonen gegen den Feinstaub sein?

Das ist ein Punkt, wo wir nicht hundertprozentig einer Meinung sind, deswegen haben wir beschlossen, zu diesem Thema eine Studie zu beauftragen. Eine Umweltzone würde bedeuten, dass etwa innerhalb des Gürtels Autos mit schlechten Emissionswerten nicht mehr fahren dürften, außerhalb aber schon. Da die Luft aber mobil ist, bin ich sehr skeptisch, ob das wirklich etwas zur Verbesserung der Luftqualität beiträgt - vor allem, wenn man das dem Verwaltungsaufwand gegenüberstellt, der zur Überprüfung der Maßnahme nötig ist.

Wenn man den Feinstaub in der Stadt bekämpfen will, wieso setzt man dann nicht die Förderung für E-Bikes fort?

Wir wollten mit der Förderung einer neuen Technologie zum Durchbruch verhelfen und ich denke, das ist uns gut gelungen: Wir haben gemeinsam mit Wien Energie 7800 E-Bikes gefördert.

Aber gleichzeitig hat man die Förderung von Gasautos fortgesetzt...

Ja, aber eben weil dieser Durchbruch dort gar nicht gelungen ist. Aber ehrlich gesagt verstehe ich das nicht - vor allem bei den Taxis: Wir fördern die Mehrkosten für ein solches Auto, der Sprit ist billiger, es gibt genügend Tankstellen und trotzdem wollen alle einen Mercedes-Diesel.

Themawechsel: Warum hat man eigentlich die mittlerweile beschäftigungslosen Abfallberater nicht angestellt, sondern sie auf Basis von Umgehungsverträgen beschäftigt?

In den letzten Jahren hat man aus Einsparungsgründen versucht, alle externen Leistungen selbst im Haus zu übernehmen. Die Auseinandersetzungen bedaure ich sehr, aber die MA 48 hat mehrere Gesprächs- und Jobangebote an die Abfallberater gerichtet, die leider nicht wahrgenommen wurden. Es ist schwierig, sich zu einigen, wenn man nicht miteinander reden kann.

Die Stadt wächst und mit ihr das Müllaufkommen. Wie wird man das in Zukunft bewältigen können?

Wir beschäftigen uns laufend mit der Bevölkerungsentwicklung, die Stadt Wien erstellt vorausschauend alle sechs Jahre einen "Wiener Abfallwirtschaftsplan" und wir passen die Maßnahmen entsprechend an. Wir setzen seit vielen, vielen Jahren erfolgreich auf Abfallvermeidung und Abfalltrennung zur Reduktion der Restmüllmengen. Auch unsere Verbrennungsanlagen sind vorausschauend geplant und haben ausreichend Kapazität für die zukünftigen Entwicklungen. Wir haben den Mist im Griff.

Was wurde aus dem Lieblingsthema der Wiener, den Hundstrümmerln?

Das ist nach Jahrzehnten in der negativen Hitliste nicht mehr Nummer eins. Und dafür haben wir viel getan: Es gibt mittlerweile mehr als 3000 Hundesackerlautomaten und seitdem gestraft wird, ist das Hundstrümmerl auf der Straße zur Ausnahme geworden. Es gibt noch ein paar schwarze Schafe - eines wohnt bei mir in der Straße -, aber im Großen und Ganzen hat sich die Lage dramatisch verbessert. Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass man dranbleiben muss. Das ist ein bisschen wie in der Kindererziehung, sobald man lockerlässt, geht es gleich wieder bergab.




4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-12 17:33:13
Letzte Änderung am 2012-10-12 18:45:13


Beliebte Inhalte



Auch wenn das Hochwasser zurückgegangen ist: Durch die Flutung der Neuen Donau könnten Keime aus überschwemmten Kläranlagen im Wasser sein. Das Badeverbot bleibt daher noch aufrecht. - APAweb / EPA / Roland Schlager
  • Schwimmen möglicherweise ab Donnerstag wieder erlaubt.
  • weiter

Diesen Fahrradsattel hat sich eine Bienenkönigin ausgesucht - das Volk folgte. - MA 68 Lichtbildstelle
  • Bienenvolk eroberte Fahrradsattel im 9. Bezirk für sich.
  • weiter

Die Stadthalle verliert das Stadthallenbad - zumindest organisatorisch. - APA/HERBERT NEUBAUER
  • Künftig als Kapitalgesellschaft an den Wien-Holding-Konzern angebunden.
  • weiter

Am Matzleinsdorfer Friedhof wurde Förster begraben. Sein Grab ist heute aufgelassen. - Gruntzel
  • Förster steht heute im Schatten von Theophil Hansen und Otto Wagner.
  • weiter

Sie schauen hinunter - weil sie auf dem höchsten Gebäude des Landes stehen. - Rösner
  • Die Stadtspitze resümierte auf dem DC-Tower über 2,5 Jahre Koalitionsarbeit.
  • weiter

Kindergarten ab eins und Ganztagsschule: für Brandsteidl die beste Lösung. - Radule Bozinovic/KOSMO
  • Stadtschulratspräsidentin hält Trennung von deutsch- und nichtdeutschsprachigen Kindern für wenig sinnvoll.
  • weiter

Erwerb der Erstsprache ist mit Schuleintritt noch nicht abgeschlossen. - Stanislav Jenis
  • An vielen Schulen ist es Kindern untersagt, ihre Erstsprache zu sprechen.
  • weiter

Michael Cramer will den Fahrradtourismus fördern . - Bernold
  • Die Aufregung um das Rad-Thema wird laut Experten bald verschwinden.
  • weiter

Zu Obdachlosen und Bettlern wurden die Stadttauben degradiert, meinen Tierschützer. - dpa
  • In Meidling traf sich das Who is Who der deutschsprachigen Taubenlobby.
  • weiter

Präzision und Eleganz lassen bei den Pferden zu wünschen übrig, kritisieren Insider. - apa
  • Belegschaft fürchtet um Qualitätsverlust der Traditionsinstitution.
  • weiter




Werbung



Oliver Rathkolb, Leiter der Historikerkommission zu Straßennamen, im Interview

Straßennamen im Umbruch

Umbenannt. Der Dr.-Karl-Lueger-Ring heißt seit Juli 2012 Universitätsring. Der Lueger-Platz bleibt als Reibebaum. - PID/Schaub-Walzer Wien. Es sind 4200 Straßennamen, die die Historikerkommission rund um Oliver Rathkolb nach problematischen Namen durchforsten muss... weiter


100. Todestag von Karl Lueger: Reformer, Populist und Antisemit, bewundert und angefeindet

Umstrittener Modernisierer

2012karllueger2 - Wiener Zeitung / Andreas Urban Man muss kein Prophet sein, um die Chancen auf eine Umsetzung der Pläne skeptisch zu beurteilen. Alle Jahre wieder fordern Initiativen die... weiter


US-Historiker John W. Boyer im Interview zum 100. Todestag des legendären Wiener Bürgermeisters Karl Lueger

Der Anfang vom einfärbigen Wien

2012karllueger - Wiener Zeitung / Andreas Urban Darüber hinaus avancierte Lueger mit der Gründung der Christlichsozialen Partei zu einem der Architekten des späteren österreichischen... weiter




Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk.

Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt. 18.6.2013: Heute herrscht in Österreich wieder Badewetter: Über 35 Grad Celsius werden erwartet.

Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück. Ein frömmelnder Heuchler schleicht sich in das Vertrauen eines alten Patriarchen und versucht, sich alles anzueignen, was diesem teuer ist: Frau, Haus und Tochter. Abgespielt hatte sich das Ganze in der Wohnküche eines Landhauses, auf den Brettern des Akademietheaters. Im Bild: Gert Voss (r.) als "Orgon", Edith Clever (m.) als "Dorine" und Adina Vetter als "Marianne".

Werbung